Meditation und Schreiben
Entdeckung von Intuition und Kreativität
Ich schreibe, seit ich zehn bin. Mit zwanzig Jahren begann ich Angewandte Kulturwissenschaften mit dem Schwerpunkt Kreatives Schreiben zu studieren. Als Diplomarbeit schrieb ich einen Roman; danach folgten Preise und Stipendien, mit denen ich meine Schreibprojekte finanzierte.
Ich meditiere, seit ich dreiundzwanzig bin. Seitdem ist der spirituelle Weg ein ebenso zentrales Motiv in meinem Leben wie das Schreiben. Mit Anfang Zwanzig lernte ich das spirituelle 12-Schritte-Programm der AA kennen und schätzen, ich praktizierte diverse Meditationstechniken, machte eine Ausbildung in spiritueller Therapie/Releasing und Bewusstseinsarbeit bei spirituellen Lehrern wie Thomas Hübl.
Experimente mit meditativem Schreiben
Was ich am meisten liebe: Meditation und Schreiben miteinander zu verbinden. Diese Seminare liegen mir am meisten am Herzen, sie sind mir wesenhaft am nächsten. Hier geht es nicht um Textoptimierung oder Textarbeit, um Effizienz oder darum, "gute" Texte zu produzieren. Experimente sollen her! Es darf gespielt werden- mit und ohne Worte.
Diese Seminare widmen sich dem, was entsteht, wenn wir "nicht wissen".
Jede/r einzelne verfügt über ungeahnte Ressourcen an Kreativität und Intuition, und eben diese Kreativität tritt zutage, wenn wir uns in Stille, in Meditation, im Tanze, im Lauschen mit den tieferen Schichten unseres Seins verbinden und von dort aus los schreiben " planlos, chaotisch, ohne Gliederung, ohne Wissen über "gute" Texte.
Antworten auf Lebensfragen durch Schreiben
Manchmal sind Teilnehmer erstaunt, dass sie in Geschriebenem Antworten oder Hinweise erhalten im Hinblick auf Fragen oder Lebensthemen, die sie schon länger beschäftigen. Manchmal biegen wir uns vor Lachen. Manchmal weinen wir, wenn wir Texten von Teilnehmern zuhören, manchmal gibt es nichts zu sagen, weil der Text an sich so pur und so ergreifend klar und intensiv "spricht", dass jeder Kommentar stören würde, dann wieder gibt es Kaskaden von Resonanzen auf andere Textfragmente. Jeder Text produziert eine ganz eigene Wirkung im Raum und in den Menschen. Mich fasziniert der lebendige Facettenreichtum, der sich in der Sprache und Schreibe der Teilnehmer ausdrückt " pointiert, liebevoll, poetisch, beängstigend, witzig, lyrisch, kindlich, forschend, zärtlich, schmerzhaft, weise, verrückt und so fort.
Themenorientierte Schreibseminare
Die Meditations-Schreib-Seminare haben in der Regel einen thematischen Fokus, der sich leitmotivisch durch die gemeinsam verbrachte Zeit zieht und sich auch im Schreiben niederschlägt. Ich führe die Teilnehmer in die Stille, wir sitzen in Meditation (die Meditationszeiten variieren), dann lese ich spirituelle Texte und Zitate in die Stille, die als Schreibimpuls dienen, und leite nach einer gewissen Zeit der Einkehr sanft ins Schreiben über. Dabei lege ich den Teilnehmern besonders zu Beginn der Seminare das so genannte freie Schreiben ans Herz, um Schreibblockaden und gewohnheitsmäßig überhöhten Ansprüchen an das eigene Schreiben von vornherein den Wind aus den Segeln zu nehmen. Phasen der Meditation, des Schreibens, Phasen des Austausches in Zweier- und Kleingruppen und des (freiwilligen) Vorlesens wechseln einander ab. Partnerübungen, Tanzen, Körperübungen und Gehmeditationen ergänzen die stillen Elemente um Bewegung.
Texte von Teilnehmern an 'Meditation und Schreiben'
Selbsthymne
Ich bin der Brösel, der auf den Tisch gehört,
die Mücke, die deine Nachtruhe stört.
Ich füge der Brühe das Lorbeerblatt zu,
ich mache im Winter die Fenster zu.
Im Publikumsstaunen bin ich feines Raunen,
am einzigen Strand die Muschel im Sand.
Nie werd ich nur leuchten, nie ganz angstfrei strahlen.
Wie kommst du darauf? Das kannst du nicht bezahlen!
Ich glimme heimlich, bring die Kohle zum Glühen
und werde im Morgenlicht weiterziehen.
Ich kann auch ganz unbescheiden sein,
und das bin ich auch gern, aber lieber allein.
Anonym
Noch ein Tag zu leben
Du hast noch einen Tag zu leben. Was würdest du am meisten bereuen, nicht getan zu haben.
Ich habe noch einen Tag. Ich stehe am morgen auf: "ich habe noch einen Tag".
Ich schaue zurück auf mein Leben: was bereue ich? Nichts.
Aber es heißt: "nicht getan zu haben"!
Mir kommt: nicht MEHR geliebt zu haben. Gerade heute habe ich im Text von Krischnamurti vom Inneren Sterben, dem täglichen, gehört, wie ich das machen kann: täglich neu lieben, das ist Ewigkeit. Das kann ich üben und es würde mir sehr leid tun, wenn ich das nicht mehr könnte. Wie fühlt es sich an, wenn ich heute alles erfahrene, erlittene, erlebte sterben lasse und mit leeren Händen einschlafe und mit leeren Händen aufwache. Geht das überhaupt? Wie?
Ja, lieben, alles, umfassend in Verbindung mit der LIEBE, das ist das was ich leben möchte " auch unter dem Motto "lass dich lieben".
Von wem?
Von den Sonnenstrahlen, dem Mond, dem Regen, dem Wind, der Erde, dem Apfel den ich esse, der Frucht die ich berühre, dem Parfum das ich rieche. Vom Sofa, das mich Platz nehmen lässt, vom Haus, das mich beherbergt, vom Fenster das mir Ausblick gewährt.
Wenn ich noch einen Tag zu leben hätte, würde ich den Morgen verbringen, indem ich alles anfasse und berühre was mir im Alltag dient und würde ihm danken. Mittags würde ich dem Topf, dem Herd, den Speisen, dem Wasser danken. Nachmittags würde ich meine kleinen Enkel treffen, ihnen vom Tod und vom Leben erzählen, von all der Schönheit, von IHRER Schönheit, ich würde sie und meine Kinder segnen, ihnen danken.
Ich würde bereuen, nicht immer und in jedem Moment mir der Liebe bewusst zu sein, die uns alle zusammenhält, jede Zelle und jedes Atom unseres Körpers! Unseres Lebens!
Ch. G.
"Alltagsmeditation"
Meine Sehnsucht will das:
Im dollsten Treiben wild und absichtslos die Stille bemerken, im dollsten Alltag das Licht im Arm haben, es in der Tasche und im Portemonnaie dabei haben, es aus den Augen heraus werfen in jedem Blick, es im eingerissenen Nagelbett entdecken und auf der belegten Zunge, das Licht einkaufen, damit bezahlen, lichtvoll sprechen, auch wenn ich pöble und Janek anschnauze, mit Licht Unmut, Chaos und ZuvieldesGuten besänftigen. Ich möchte, wenn ich an der Kasse stehe, in einer zu langen Schlange, während ich schon seit einer halben Stunde auf Klo muss, also ständig anhalte und meine Beine zusammenpresse und Janek müde ist, entsprechend weinerlich und ständig Dinkelstangen, Rosinen oder doch lieber die Flasche will, nebenbei der Einkauf und ich muss aber, dann noch bemerken, dass ich nicht genug Bargeld dabei habe, die Karte muss also her, Janek schreit, ich habe keine Tüte dabei, Taschentücher sowieso nicht, wenn das ist und das ist oft, dann möchte ich das Lichte glutvoll in all dem vorhanden wissen, ich möchte von Entschlossenheit überwältigt werden, das zu spüren, vor allem mein Herz, das anfängt zu prickeln und draußen regnet es, verdammt, ohne Regenschirm, der nervige Plastikregenüberzug für den Kinderwagen, dann plötzlich mitten im dollsten Treiben, der Schließmuskel wird ordentlich trainiert, nachhorchen, ohne innezuhalten, in der Bewegung, im flachen Atem, während des Schwitzens, es juckt schon vor lauter Schweiß, Stress, der nicht sein muss, aber eben doch ist, weil ich ein Mensch bin, lauschen, zwischen Regalen voll von Shampoos und Babynahrung, Lakritze und Batterien, dazwischen, dazwischen, fein, laut, grell, zart, voll von tosendem Licht, das mich durchzieht, das will meine Sehnsucht.
Kerstin Döring
* Meditations-Schreib-Kurse
Schreiben und Meditation
Kerstin Döring
Trainerin, Autorin
Seminare zum Thema Meditation und Schreiben
werden regelmäßig von Kerstin Döring angeboten
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22763 Hamburg
040 - 55 00 56 57
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Kerstin Döring hält Seminare zum Thema Schreiben und Meditation. Die Autorin und Trainerin leitet zunächst die Teilnehmer zu Meditation an. Der meditative Zustand von 'Nicht-Wissen' lädt zum Schreib-Experiment an. Schreiben wird zum Ausdruck von unterbewusster Kreativität.
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