Wunschlos glücklich

Vor kurzem habe ich mir den so erfolgreichen Film "The Secret" angesehen und war wieder einmal überrascht, wie gerne wir Menschen doch Dinge mögen, die unser Ego bestärken. In dem Film "The Secret" geht es um das Gesetz der Anziehung: "Was immer ich denke, manifestiert sich", das ist das Geheimnis des Films. Alles ist möglich, und das nicht nur bei Toyota. Du bist krank? Da wirst du wohl falsche Gedanken haben. Du fährst keinen Mercedes und deine Beziehung könnte glücklicher sein? Kein Problem - denke dir deine Wünsche herbei. Die Existenz ist ein großes Shopping Center, das wie der Weihnachtsmann alles für dich bereit hält. Meditation ist genau das Gegenteil. In Meditation lassen wir die Dinge wie sie sind. Ohne auszuwählen, ohne zu bewerten. Die Aufmerksamkeit ist nicht darauf gerichtet, was für Wünsche ich mir noch erfüllen könnte, sondern darauf, was ist. Die Auflösung des Subjekts (Ich) und des Objekts (das, was ich wahrnehme), das ist Meditation. Kein Mercedes? Okay. Neid auf Leute, die es sich einfach machen im Leben? Okay, diese Emotion wird wahrgenommen. Anders als im Film "The Secret" mit dem sogenannten Geheimnis von "Wie bekomme ich das, was ich will", richtet man in der Meditation seine Aufmerksamkeit auf die Wahrnehmung selbst: Das, was ich wirklich bin und das ist jenseits vom Denken, von Gefühlen oder dem Körper (und großen Autos).

Die Lust des Egos, sich zu vergrößern

Würde C.G. Jung noch leben, würde er den Film "The Secret" für einen Rückfall in ein mittelalterliches magisch-kausales Denken halten. Auf ein Ereignis - dem Denken - folgt ein anderes, die Materialisation des Wunsches. Seit jeher suchen die Menschen danach, die Kontrolle über Leben und Sterben zu übernehmen, sich allmächtig zu fühlen. Das ist heute nicht anders als im Mittelalter. Mit Sätzen aus dem Film wie "Du wirst das, worüber du am meisten nachdenkst", "Du bist das Meisterstück deines Lebens" oder "Alles kann dir gehören" fühlt sich das ICH stark. In der Meditation löst sich das Ich auf, es ist die genau gegensätzliche Suche.

Eine Geschichte

Eine Gruppe von Leuten, die mit dem "Geheimnis" arbeiteten, trafen sich regelmäßig, um ihre Erfahrungen auszutauschen. Ein Mann fehlte seit Wochen. Eines Tages sah der Vorsitzende des Clubs den Sohn des Mannes auf der Straße: "Junge, was ist mit deinem Vater? Er hat sich seit Wochen nicht bei uns blicken lassen." Der junge Mann sagte: "Er ist krank." Der Vorsitzende lachte. "Er wird das nie verstehen. Er ist nicht krank, er denkt nur, dass er krank ist. Die Krankheit sitzt in seinem Kopf. Gehe zu ihm, erzähle ihm das und sage ihm schöne Grüße von mir." Doch weiterhin kam der Mann nicht zu den Treffen. Und wieder passierte es, dass der Vorsitzende auf den Jungen traf. "Was ist los mit deinem Vater? Hast du ihm nicht die Nachricht von mir überbracht?" "Doch", antwortete der Junge, "ich habe es ihm gesagt." "Warum kommt er dann nicht zu den Meetings?" Der junge Mann sagte: "Jetzt denkt er, dass er tot ist. Seit Tagen sagen wir zu ihm "Paps, das ist alles nur deine Einbildung," doch er hört nicht zu."

Meditation bedeutet, nicht zu wählen
(Nicht einmal das Nicht Wählen)

Aus einer buddhistischen Schrift: "Der Buddha Verstand ist rein und klar, frei von der Existenz und von der Nicht-Existenz. Wenn der Körper und der Verstand nicht auftauchen, dann lässt sich dadurch dauerhafte Wachsamkeit über den wahren Geist erlangen."

Der Versuch einer Übersetzung: Ein meditierender Mensch wählt nicht. Er lässt die Dinge so, wie sie sind. An sich und den anderen. Er lebt ein natürliches, authentisches Leben. Ist ein Freund gestorben, dann ist er traurig. Ist er mit einem geliebten Menschen, dann ist er glücklich. Ein meditierender Mensch lässt sich so sein, wie er ist. Wenn er wählen möchte und etwas lieber hat, als das andere, dann ist das so. Wenn er lieber passiv bleibt oder gerne aktiv ist, dann ist das so. Der meditierende Mensch lebt widerstandslos und ohne Wunsch sich oder die Dinge zu verändern. Sogar Widerstand wird widerstandslos akzeptiert. So lebt der meditierende Mensch ein harmonisches Leben mit dem was ist. Durch dieses Verhalten löst sich das Gefühl von Ich, das alles unter Kontrolle haben möchte, auf.

Bitte verzeiht mir, wenn ich nur nacherzählen kann. Mir fehlt die Tiefe der Erfahrung. Eine Erfahrung habe ich jedoch in meinem Leben gemacht, die ich dem "Secret" entgegensetzen möchte. Das, was wir uns an Dingen, an Beziehungen oder Erfahrungen wünschen können, ist ein läppischer Bruchteil von dem, was passiert, wenn man meditiert.

Meditation erfüllt keine Wünsche, doch viel mehr.


Viel Spaß beim Meditieren und Nicht Wählen
wünscht euch

Samarpan


PS: Ein kulturell kreativer Platz an dem "Nicht Wählen" in der Meditation praktiziert wird

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