Die richtige Körperhaltung beim Meditieren

Der Körper bleibt sanft und geschmeidig im Gleichgewicht

Konzentriert euch ab Beginn des Zazen gut auf eure Haltung. Neigt das Becken nach vorne und drückt mit den Knien auf den Boden. Wenn man das Becken nach vorne neigt, ist es wichtig, das Gleichgewicht zu finden. Wenn man ein Hohlkreuz macht, wird die Atmung abgeschnitten. Wenn man nicht weit genug nach vorne geneigt ist, kann man nicht die Energie in den Unterleib hinabsteigen lassen. Es ist wichtig, dies zu beobachten und die richtige Beckenneigung zu finden.

Man muss so auf dem Zafu (Sitzkissen) sitzen als wolle man, dass der After das Zafu nicht berührt. So übt man auf das Zafu einen Druck aus mit einem Punkt, der sich im Zentrum des Dammes befindet und eine Energiequelle ist. Man entspannt den Bauch und lässt das Körpergewicht auf das Zafu drücken. Es ist wichtig, sich gut verwurzelt zu fühlen.

Ausgehend von dieser Grundlage streckt man die Wirbelsäule, von der Taille, vom fünften Lendenwirbel aus. Man entspannt alle Verspannungen des Rückens, des Nackens. Man streckt die Wirbelsäule bis hinauf zur Schädeldecke, so als wolle man mit der Schädeldecke in den Himmel stoßen. Das Kinn ist zurückgezogen, die Schultern sind entspannt. Man muss eine starke Energie in der Nierengegend spüren und darf die Haltung nicht weich werden lassen. Man spürt eine starke Energie im Nacken.

Aber die Haltung darf nie starr, rigide werden; sie bleibt sanft, geschmeidig. Das Gleichgewicht zu finden ist wie eine Gitarre stimmen: Man muss es immer wieder machen, aber nicht pausenlos.

Beim Zazen gibt es also eine Zeit, in der man seine Haltung korrigiert, und eine Zeit, in der man sich in die Haltung hinein gibt, in der man sich von der Haltung leiten lässt. Man darf kein willensgesteuertes Zazen praktizieren. Zazen ist gleichzeitig Konzentration und Loslasssen. Wenn man völlig konzentriert ist, kann man sich völlig vergessen und sogar die Konzentration aufgeben. Der willensgesteuerte Geist der Konzentration wird aufgegeben.

Der Kiefer ist entspannt, die Zunge liegt am Gaumen, der geschlossene Mund spricht nicht. Man betrachtet seinen inneren Dialog, aber nährt ihn nicht. Man kehrt zur geistigen Stille zurück.

Die linke Hand liegt in der rechten, die Daumen sind waagerecht, die Handkanten in Berührung mit dem Unterleib. In Zazen machen die Hände nichts, ergreifen nichts. Das beeinflusst den Geist, der selbst ebenfalls nichts macht und nichts ergreift. Man konzentriert sich einfach auf die Berührung der waagerechten Daumen, auf den sanften Daumenkontakt.

Wenn man seine Aufmerksamkeit auf diesen Daumenkontakt richtet, kann man aufhören, mit seinem Vorderhirn zu denken, aufhören Gedanken zu produzieren. Man kann mit seinem ganzen Körper völlig gegenwärtig sein, völlig hier und jetzt, in Einheit mit seiner Praxis. Mit dem ganzen Körper denken, nicht nur mit seinem Kopf.

Atmet tief ein und aus, ohne mit vollen oder leeren Lungen zu verweilen. Die Atmung wird fließend und beeinflusst das Bewusstsein, das auf nichts verweilt. So kann man am Ende jeder Ausatmung zum Nullpunkt des Nicht-Denkens zurückkehren, all seine Sorgen loslassen und einen freien, verfügbaren Geist wieder finden. Augenblick für Augenblick. Und dies im Alltag fortsetzen. Das ist die wesentliche Praxis des Sesshin.

Wenn man sich nicht bemüht, seine Atmung mit dem Willen zu kontrollieren, entspannen sich Körper und Geist, und die Atmung wird auf natürliche Weise fließend. Der Geist, der misst und vergleicht, ist aufgegeben. Es ist einfach ein Körper, der atmet, in Einheit mit dem ganzen Kosmos. Kein Ego, niemand, der atmet. Atmet mit dem ganzen Körper, nicht nur mit dem oberen Lungenteil, nicht nur mit dem persönlichen Willen. Schließlich gibt man sich der Atmung hin.


Nachzulesen bei Roland Rech: Kommentare zum Parinirvana Sutra


Viel Spaß beim Meditieren und Experimentieren

wünscht euch

Samarpan

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