Sex als Meditation
Der Weg des Tantra geht über Hingabe, sich selbst los zu lassen und mit dem Partner zu verschmelzen. Die folgende Meditationstechnik empfiehlt, im Sex mit der anfänglichen Wärme der gemeinsamen Liebe zu bleiben. So kann sich Meditation entfalten.
Ziellos, gemeinsam in stundenlanger Wärme
Zu Beginn der sexuellen Vereinigung richte alle Aufmerksamkeit auf das anfängliche Feuer. Indem du dieses erhältst, vermeidest du die Asche am Ende.
Der Sexakt hat zwei Teile, den Anfang und das Ende. Bleibe beim Anfang. Der Anfang ist entspannter, wärmer. Habe es nicht eilig, zum Ende zu kommen. Vergiss das Ende völlig. Trotz aller überschüssiger Energie suche nicht gleich die Entladung. Suche nicht die Ejakulation, vergiss sie völlig. Bleibe so bei dem oder der Geliebten, als wärt ihr eins geworden. Stellt einen inneren Kreislauf her. Seid in diesem warmen Beginn eine Einheit.
Der Sexakt führt auf nichts hin. Er ist kein Mittel zum Zweck -“ er ist ein Zweck für sich alleine. Er hat kein Ziel. Und noch etwas: Vergesst die Zukunft. Bleibt in der Gegenwart. Das Wesen dieses Aktes besteht gerade darin, dass du auf die Gegenwart geworfen wirst. Genießt die Vereinigung zweier Körper, zweier Seelen, und taucht ineinander ein, verschmelzt miteinander. Vergesst alles Erreichen-Wollen. Diese Wärme, diese Liebe, macht es zwei Menschen möglich, ineinander zu verschmelzen. Dieses Verschmelzen am Anfang wird euch viele neue Erkenntnisse bescheren.
Wenn ihr es nicht eilig habt, den Akt abzuschließen, wird der Sex nach und nach immer weniger sexuell und immer mehr spirituell werden. Selbst die Sexualorgane verschmelzen miteinander. Eine tiefe, stille Vereinigung findet zwischen den beiden Körperenergien statt. So könnt ihr stundenlang zusammenbleiben. Dieses Zusammensein geht mit fortschreitender Zeit immer mehr in die Tiefe. Aber denkt nicht dabei. Bleibt im Moment, zutiefst miteinander verschmolzen. So kommt es zur Ekstase, zum Samadhi.
Tantra schenkt euch eine Dimension höherer Entspannung. Wenn beide Partner miteinander verschmelzen, geben sie einander vitale Energie. Sie bilden einen Kreislauf, in dem sich ihre Energien bewegen. Sie schenken einander Leben, sie erneuern ihr Leben. Keine Energie geht dabei verloren. Vielmehr wird mehr Energie gewonnen, denn durch den Kontakt mit dem anderen Geschlecht wird jede einzelne deiner Zellen herausgefordert und erregt. Wenn ihr in dieser Erregung verschmelzen könnt, ohne sie zu einem Höhepunkt zu führen, wenn ihr am Anfang bleiben könnt, ohne euch zu erhitzen, sondern einfach nur warm bleiben könnt, dann könnt ihr diesen Akt über eine sehr lange Zeit hinweg ausdehnen. Wenn es zu keiner Ejakulation kommt, wenn keine Energie ausgestoßen wird, dann wird daraus eine Meditation. Durch sie ist eure gespaltene Persönlichkeit nicht länger gespalten. Durch sie werdet ihr ganz werden.
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