Ein Sinn für Schönheit

Meditation verstärkt das Fühlen und Empfinden. Jemand, der regelmäßig meditiert, wird sensibler für den Körper und dessen Sinnesorgane. Das hat viele Auswirkungen - nicht nur angenehme! Manchmal kann schnelle Gereiztheit durch Lärm und Störungen entstehen, die so manchen Meditierer zur Qual für die Umgebung werden lassen. Nach und nach entsteht jedoch ein tieferes Verständnis für den neuen Zustand von Sensitivität. Die erhöhte Wahrnehmung bringt nämlich andererseits eine neue Welt an Wundern mit sich, die den Beobachter staunend verweilen lässt. Gerade jetzt im Frühling beginnen Blätter vor Lebensfreude zu tanzen, Blüten sich der Liebe zu öffnen und die Luft in heiteren Klängen zu schwingen. Die erhöhte Sensitivität eines meditierenden Menschen drängt ihn oft dazu, seine Erfahrung und Wahrnehmungen auszudrücken. Es entsteht objektive Kunst, das ist Kunst, die nicht vom Denken abhängig ist und einen Hauch von Stille und Lebensfreude in sich trägt. In dem heutigen Noseletter zeige ich ein paar Beispiele und Links zu Kunst dieser Art.

Der Künstler, der über sich staunt

Es ist eine, für das Denken unlösbare Aufgabe: Kunst zu erschaffen, die nichts mit der eigenen Persönlichkeit zu tun hat. Bei der es kein Tun gibt und der Schaffende selbst über die Kreation staunt. Ein Beispiel für Kunst in diesem Sinne kommt von Shivananda einem Maler, der selbst von sich sagt: "Es fühlt sich so an, als ob ich mir selber über die Schulter schaue. Ja und wer malt?"

Im Zen dient die Kunst den drei Schätzen Buddha, Dharma, Shanga. (Bitte erspart mir, diese Weisheit zu übersetzen, ich habs versucht und bin gescheitert) Gregor Rinko Stehle ist ein Zen Mönch, der diese drei Prinzipien in seinen Buddha Statuen verwirklicht. Auf seiner Seite finden sich nicht nur wunderbare Kunstwerke der Stille in Stein, sondern auch eine Beschreibung, was objektive Kunst ist:


Die Kunst im Zen dient Buddha, indem sie ihm zu Ehren geschaffen wird
Sie dient dem Dharma, indem sie das Dharma beschreibt
Sie dient der Sangha, indem sie die Herzen verbindet
Form ist Inhalt, Inhalt ist Form
Form ist Form, Inhalt ist Inhalt
Die Welt ist ein Traum im Traum: die Kunst, die Welt, der Traum sind eins


Unverständlich fürs Denken, erfahrbar fürs Fühlen


Paul Shoju Schwerdt beschreibt den stillen Kampf und das Ringen um die Sichtbarmachung des Unmöglichen:
"lch zeige auf eine leere Flasche und weise auf die Leere, will sagen: " Sieh die Leere!" Die Resonanz des Betrachters ist jedoch zumeist: "Ja, da ist nichts drin." Er sieht nicht die Leere, sondern alleine " das Fehlen von...". Damit bin ich jedoch nicht zufrieden, da ich einerseits noch weit von meinem Buddha Sein entfernt bin, andererseits - wie die meisten Zen Leute - ein hartnäckiger Mensch bin. Diese kreative Frustration animiert mich zu einem Umweg: In die Leere setze ich einige wenige schlichte Elemente, anhand derer sich der Betrachter bzw.-. Zuhörer festhalten kann, die ihm jedoch ermöglichen, das, was zwischen diesen Elementen ist, anzunehmen. Beispiel hierfür ist ein Zen-Garten: eine weite, mit Kieseln ausgelegte Fläche, auf welcher vereinzelt Steinbrocken angeordnet sind. ..."


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Im Zen und in der Meditation gibt es keine Unterschiede zwischen Bedeutend und Unbedeutend. Alles ist gleich. Ein Bild erfährt die gleiche Aufmerksamkeit, wie zum Beispiel eine Wartebank für die Tee Zeremonie. Ein Garten wird mit großer Sorgfalt gestaltet, auch wenn es Jahre dazu benötigt, bis er fertig gestellt ist. (im Link gibt es eine Dokumentation über Jahre der Veränderung)


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Das Leben der Sinne im Zen hat zu einer besonderen Art der Meditation geführt: Die Tee Zeremonie. "Der Urgrund des Teewegs ist die Stille. Des Teewegs Urgrund:

Wasser sieden lassen,
Tee zubereiten und
ihn mit aufrichtigem Herzen trinken -
nicht mehr!
Dies ist alles, was man wissen muss.

Die einfache Zubereitung einer Schale Tee, und sie in Dankbarkeit entgegenzunehmen, das ist die Grundlage eines Lebenswegs, den man chado, Teeweg, nennt. Wird eine Schale Tee im Einklang mit den Regeln der Teezeremonie angeboten, verbinden sich alle Aspekte von Religion, Moral, Ästhetik, Philosophie, Disziplin und sozialer Beziehungen zu einer einzigartigen kulturellen Synthese in hoher Vollendung." Auf dieser Seite sind die vielen kleinen Schritte des Tee Weges beschrieben. Alleine, die Texte zu lesen, berührt mich.


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Die empfundene Sensitivität eines Menschen, der meditiert kann sich in vielerlei ausdrücken. Das Leben wird zur Kunst. Den Film von Doris Dörrie "How to Cook Your LIfe" habt ihr ja vielleicht gesehen. Dort bringt ein Zen Priester seine Meditations Erfahrung ins Kochen. Musik, die versucht, Stille auszudrücken, gibt es viele. Hier soll nur ein Beispiel genannt werden, Tilopa, der auf einer Kyotaku Flöte spielt. Der Duft von Meditation wird durch besondere Räucherstäbchen zu erhalten gesucht. Und dann möchte ich doch nicht das Auge vergessen, die Fotografie. Auf dem folgenden Blog ist das Auge des Zen gegenwärtig.


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Menschen, die meditieren, verschönern ihre Umgebung (und sich) alleine durch ihre Präsenz. Kunst ist, in dieser Präsenz zu sein.


Ein wundervolles Staunen im Frühling
wünscht euch

Samarpan


PS: Hier kann man lernen, sich in Stille aus zu drücken - beim Bambus Malen

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