
Artikel vom 29.Feb.2008

Meditation ist eine sexuelle Angelegenheit
Die ganze Welt bewegt sich durch Sex. Die Suche nach dem anderen Geschlecht macht das Leben schwer. Man fühlt sich abhängig vom anderen, was weh tut. Die Anziehung der Polaritäten ist natürlich, sie erschafft das Leben und ist unvermeidbar. Anstatt dem Sex zu entfliehen, versuche es mal mit Meditation. Durch Meditation bekommen wir ein neues Verhältnis zu Sex. Denn...
Ohne Abhängigkeit lieben
Buddha, der unter dem Bodhi-Baum sitzt, befindet sich in einem tiefen inneren Orgasmus. Die inneren Kräfte haben sich getroffen und sind ineinander verschmolzen. Nun ist es nicht mehr nötig, außen eine Frau zu suchen, weil die Begegnung mit der inneren Frau stattgefunden hat. Buddha ist nicht abhängig von einer Frau im Außen, er ist lösgelöst von ihr. Nicht deshalb, weil er gegen die Frau ist, sondern weil sich das Höchste in ihm selbst ereignet hat. Jetzt braucht er nichts mehr. Ein innerer Kreis hat sich geschlossen, jetzt ist er vollendet.
Darum tritt solche Anmut in Buddhas Gesicht, die Anmut der Vollendung. Jetzt fehlt nichts mehr, eine tiefe Erfüllung ist eingetreten, jetzt geht die Reise nicht mehr weiter. Er hat das letztmögliche Ziel erreicht. Die inneren Kräfte sind zur Begegnung gekommen – jetzt gibt es keinen Konflikt mehr. Das ist ein sexuelles Phänomen.
Meditation ist ein sexuelles Phänomen, darum sagt man, dass Tantra auf Sex beruht, sich am Sex orientiert. Tatsächlich kann keine Meditationstechnik unsexuell sein.
Wann immer im Tantra von Sexenergie die Rede ist, ist damit der „Elan Vital“ gemeint, die Lebensenergie selbst; das sind Synonyme. Und alles, was wir normalerweise Sex nennen, ist nur eine Dimension der Lebensenergie.
Es gibt viele Dimensionen der Sexenergie. Du siehst ein Samenkorn sprießen, irgendwo blüht ein Baum, singen die Vögel – das ganze Phänomen ist sexuell. Es ist Leben, das sich auf alle mögliche Arten zum Ausdruck bringt. Wenn der Vogel singt, ist es ein sexueller Ruf, eine Einladung. Die Blume, die die Schmetterlinge und Bienen anzieht – sie ist eine Einladung, weil diese Bienen und Schmetterlinge die Samen der Fortpflanzung forttragen werden.
Sterne kreisen im Raum. Niemand ist dem bisher nachgegangen, aber es ist eine der ältesten tantrischen Vorstellungen, dass es männliche und weibliche Planeten gibt – sonst käme keine Bewegung zustande. Es muss so sein, weil Polarität dazugehört, weil der Gegenpol notwendig ist, um Magnetismus zu erzeugen. Planeten müssen männlich und weiblich sein, alles muss in diese beiden Polaritäten geteilt sein. Das Leben ist ein Rhythmus zwischen diesen beiden Gegensätzen – Abstoßung und Anziehung, Annäherung und Entfernung. Dies sind die Rhythmen. Das ist eine sexuelle Erscheinung.
Osho, Das Buch der Geheimnisse
