
Artikel vom 15.Mrz.2008

Ein wortloses Experiment
Einmal ein Experiment beim Arbeiten machen: Dinge verrichten, ohne innerlich zu sprechen. Einfach das tun, was man tut, ohne innerlich zu kommentieren. Es lohnt sich, zu üben, auf Worte zu verzichen, Innerlich mit sich selbst, wie auch im Außen mit anderen Menschen.
Auf Worte verzichten und still werden
Der Mensch ist von Worten gefangen, sein ganzes Problem ist die Sprache. Unterhalb der Sprache ist die Welt der Tiere und jenseits der Sprache ist die Welt der Götter. Zwischen beiden ist die Welt des Menschen, die Welt der Sprache, der Worte - der Philosophien, alter Schriften, Theorien und Ideologien. Der Verstand besteht aus Worten. Das Wort ist der Baustein, aus dem der Palast des Verstandes erbaut ist, sein Material.
Langsam, ganz langsam sollte man auf alle Worte verzichten und still werden. Und das ist gar nicht so schwierig, wenn du einmal versucht hast, dich in diese Richtung zu bewegen, geschieht es von allein. Wenn alle Worte verschwunden sind, wenn du nicht denkst, sondern bist - wenn kein Gedanke deinen Kopf bewölkt, bist du wirklich reine Bewusstheit, unbewölkt, ein wolkenloser Himmel. Wenn kein Gedanke mehr da ist, bewegt sich nichts mehr, es weht kein Wind mehr, alles ist ruhig und still. In dieser Stille dringt man in die Wirklichkeit vor, man kann die Wirklichkeit nicht denken. Du kannst sie sehen, aber du kannst nicht über sie nachdenken, denn wenn man über sie nachdenkt, entfernt man sich mehr und mehr von ihr. Was auch immer du denkst, ist falsch. Denken ist falsch.
Du siehst eine Rose. Was kannst du über sie denken? In dem Moment, in dem du sagst, sie ist sehr schön, hast du dich weit von ihr entfernt, von ihrem So-Sein, von ihrer Wirklichkeit. Dein Verstand hat sich eingeschaltet, er sagt, sie ist schön. Das Wort schön bringt viele Assoziationen mit sich, eine Kette beginnt. Du vergisst die Rose, du denkst an einen Mann, den du schön fandest, ein Gedicht, dass du schön fandest. Die Blume hast du vergessen, du bist in einen Gedankenzug eingestiegen, der endlos ist. Man weiss nie, wo man damit landet.
1) Wenn du nah bei einer Blume bist, sei einfach mit ihr. Lass kein Wort zwischen dich und die Blume treten: Sieh das, was ist. Schau nur, ganz aufmerksam und bewusst, und lass alle Gedanken beiseite. In dieser Gedankenpause wird die Rose dir ihre Schönheit offenbaren. Das ist Meditation, eine Meditation über eine Rose.
2) Meditiere über den Mond, meditiere über einen Freund. Schau in seine Augen und denke nicht dabei.
3) Schau manchmal dein eigenes Gesicht im Spiegel an und denke nicht dabei - schau einfach nur. Lass deinen Blick stark, kräftig und durchdringend sein, aber denke nicht dabei.
Langsam, ganz langsam werden Pausen voller Stille entstehen, und diese Pausen bringen eine neue Brise in dein Sein.
Osho, Let Go! #8
