Wut ist interessant, lebendig, klasse!
Meditation im Alltag bedeutet, alles, was einem im Leben begegnet, als Weg zur Stille zu nutzen. So zum Beispiel Ärger. Setze dich mal mitten in der größten Wut hin und schaue sie dir genau an. "So, das ist also Ärger?!" Als Belohnung gibts eine große Portion Stille.
Wut als Weg zum stillen Zentrum
Du kennst nur zwei Arten mit Ärger umzugehen: ihn auf jemanden anderen zu werfen oder ihn zu unterdrücken. Die beste Art mit Wut umzugehen ist keine von beiden. Wenn du deinen Ärger ausdrückst, dann erschaffst du wiederum Ärger in deinem Gegenüber und dann kommt es zur Kettenreaktion ... Aus Angst vor der Reaktion des Gegenübers ist die andere Strategie, Wut zu unterdrücken entstanden. Wut macht dich hässlich, und dann musst du für alles, was du um dich herum angerichtet hast, auch noch bezahlen. So unterdrückst du deinen Ärger lieber. Doch damit häufst du Gift in dir an, das irgendwann explodieren wird.
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Der dritte Ansatz ist der, den alle Erleuchteten in der Welt vorschlagen: Wirf deinen Ärger nicht auf den anderen und unterdrücke ihn nicht, sondern beobachte ihn. Wenn Ärger hochkommt, setze dich still hin, lasse den Ärger in dir und um dich herum brodeln, lasse die wütende Wolke, die dich umgibt zu und sei ein stiller Beobachter. Schau sie dir genau an: So also sieht Wut in mir aus!
Buddha sagt zu seinen Schülern: Wenn Wut hochkommt, höre ihr zu, höre darauf, was dir diese Energie erzählt. Erinnere dich immer wieder: Das ist Ärger, Ärger ... Sei aufmerksam und schlafe nicht dabei ein. Sei aufmerksam darüber, dass dich Ärger umgibt. Du bist derjenige, der das beobachtet. Und genau da liegt der Schlüssel.
Wenn du beobachtest, dann passiert es langsam, langsam, dass du so getrennt von der Wut bist, dass sie dich nicht mehr beeinflusst. Du erkennst, dass nicht du derjenige bist, der ärgerlich ist. Ärger umgibt dich, er ist in deinem Körper, doch du bist das nicht.
Denke daran, wir lassen unsere Energie in die Wut fließen und dadurch bekommt sie erst richtig Kraft. Wut hat keine eigene Kraft, sie hängt von unserer Kooperation ab. Wenn wir beobachten, dann löst sich die Kooperation auf. Du unterstützt das Feuer nicht mehr. Es wird noch ein paar Momente da sein und dann verschwinden. Wenn die Wut keine Wurzeln in dir findet, wenn du nicht zur Verfügung stehst, sondern weit weg wie ein Beobachter auf einem weitentfernten Hügel sitzt, dann wird sie sich auflösen und verschwinden. Das ist eine unglaublich gute Erfahrung.
Wenn man zuschaut, wie der Ärger immer weniger wird, dann entsteht dadurch eine Erfahrung von Stille nach dem Sturm. Du wirst selbst erstaunt sein, dass jedes Mal, wenn Wut aufsteigt und du sie beobachten kannst, du in eine solche Ruhe fallen wirst, wie du sie vorher nicht gekannt hast. Du wirst in eine tiefe Meditation fallen. Du wirst dich so frisch, so jung, so unschuldig fühlen, wie du dich sonst gar nicht kennst. Dann wirst du dem Ärger sogar dankbar sein. In dieser Weise kann jede negative Emotionen kreativ genutzt werden.
Osho, Philosophia Perennis, Vol. 2, #4
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