Über die Rolle des Meisters beim Meditieren
Der Suchende erschafft sich seinen Meister
Noseletter 91 – Was passiert, wenn man meditiert?
Die Augen des Meditierenden verändern sich
Am Beispiel des Zenmeisters Ma-tsu Tao-i soll im Folgenden die mysteriöse Arbeit von Meistern mit ihren Schülern beschrieben werden. Ma-tsu ist für Verrücktheiten bekannt, es wird von ihm berichtet, er habe Schüler aus dem Fenster geworfen, sie ohne Grund angeschrieen und sie auch heftig geschlagen.
Wird ungewöhnliches Verhalten eines Lehrers benötigt, um das Wesen von Meditation mitzuteilen? Genügt es nicht, die Techniken alleine, zuhause auszuprobieren? Wird ein Meister für den Weg der Meditation benötigt?
”Methoden funktionieren ohne einen Meister nicht, denn die Meditationstechniken sind nicht so entscheidend wie der Meister selbst. In den Händen eines Meisters wird eine ganz gewöhnliche Methode außergewöhnlich wichtig. Als Buddha hier lebte, war die Vipassana Meditation eine wirksame Methode. Doch in Wahrheit war es nicht die Meditationsmethode, die wirkte, sondern Buddhas Ausstrahlung."
Osho, Zitat - Auszug aus Only Losers Can Win in This Game #15
Vaterfigur, Freund und leerer Spiegel
Der Prozess, tiefer in Meditation zu sehen, ist mysteriös und mit dem normalen Wissen nicht zu erklären. Der Meister ist in der unerklärlichen Welt der Meditation zuhause, er kennt sich aus, hat er sie doch selbst erforscht. Der Meister ist immer derselbe, doch je nach Bewusstseinszustand des Suchenden erfährt sein unerklärliches Verhalten eine unterschiedliche Interpretation:
Ein normaler Mensch...
... wird in einem Meister wie Ma-tsu einen Verrückten sehen. Für einen normalen Menschen ist es sonnenklar, dass unberechenbares Verhalten nichts mit Wahrheit, Göttlichkeit oder Schönheit zu tun hat oder haben kann.Ein interessierter Intellektueller...
... hört vielleicht andere Intellektuelle über Ma-tsus Intelligenz reden und beginnt, sich für dessen Arbeit zu interessieren. Auch er wird den Meister wahrscheinlich für einen Verrückten halten, doch zumindest offen lassen, dass manche Menschen durch einen ungewöhnlichen Ansatz lernen können.Jemand, der ein neues, glücklicheres Leben beginnen möchte...
... spürt möglicherweise außergewöhnliche Klarheit und Freiheit um den Meister herum. Er sieht Matsus Kraft und hofft, er könne vielleicht auch so werden. Ein desillusionierter Mensch hält es für möglich, dass selbst Unverständliches ihm helfen kann. Er beginnt, sich in der Nähe des Meisters aufzuhalten und seine Gesten und Worte zu beobachten.Ein Schüler...
... fürchtet und verehrt einen Meister wie Ma-tsu wie einen Lehrer und Vater. Der Meister gibt ihm Orientierung in der unbekannten Welt der Meditation, die nach mysteriösen Gesetzen zu funktionieren scheint. Der Meister wird zum Führer in Zeiten von Zweifeln und Ängsten vor Alleinsein und Hilflosigkeit. Der Schüler folgt der Leitung des unbegreiflichen Meisters vertrauensvoll nach, es ist der einzige Halt in seinem Leben.Jemand, der bereit ist, zu sterben
Ein Mensch, der bereit ist, alles, was er kennt, loszulassen, dem enthüllt sich das wahre Gesicht des Meisters – das eines bedingungslosen Freundes. Das vorige, blinde Nachfolgen verliert sich und verwandelt sich in aufrichtige Liebe und Dankbarkeit. Die Frage „Wer bin ich?“ wird zum ständigen Begleiter. Die „Verrücktheiten“ des Meisters werden mit Offenheit empfangen. Deren unfassbare, mysteriöse Logik enthüllt sich nach und nach über eigene Erfahrungen und Intelligenz.Jemand, der sich nicht mehr findet
Die Liebe und Dankbarkeit zum Meister werden zur Türe in eine Welt ohne „ich“. Die Gestalt des Meisters verschwindet, es bleibt nur Bewusstsein in seiner ursprünglichen Form. Erst jetzt kann der Schüler den Meister wirklich erkennen. Erst jetzt sieht er die wahre Form des Meisters – das, was er immer war und sein wird: erfüllte Leere.Das Ende der Reise - der Beginn des Lebens
Der Meister wird nicht mehr benötigt, Orientierung geschieht durch die eigene Natur. Tiefe Dankbarkeit für die Hilfe des Meisters ist in jeder Zelle zu finden. Erst jetzt beginnt für den Meditierenden ein Leben in absoluter Individualität und Einzigartigkeit. Die Reise wird zu einem Lied der Freude.
Ma-tsu hat im Jahre 709 – 788 gelebt. Heute schlägt kein Meister mehr seine Schüler, doch die Unbegreiflichkeit von Wort und Taten eines Meisters existieren damals wie heute. Auf individuelle Weise sind Meister auch heute noch unberechenbar und unverständlich für die Mehrzahl der Menschen.
Wird ein Meister benötigt?
Die meisten Meditierenden werden diese Frage verneinen. Die Reise der Meditation geht zu sich selbst, wozu braucht es da einen Meister?
Es gibt eine überlieferte Weisheit, die besagt, dass nur einer von 1 Million Meditierenden die Reise ohne einen Meister beenden wird. Es scheint - zumindest in der Vergangenheit - war ein Meister notwendig, um das Mysterium von Meditation zulassen zu können.
Wie einen Meister finden?
Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz beim Meditieren: Wer einen Meister sucht, der wird ihn finden. Die Meister enthüllen eine noch tiefere Wahrheit: Nicht der Schüler sucht den Meister, sondern umgekehrt, der Meister sucht den Schüler... Es gibt also nicht viel zu tun, außer, die Augen offen zu halten.
Wie erkennt man einen Meister?
Auf Youtube.com finden sich unzählige Videos über Meister. Wenn du einen Meister suchst, gib dir ein wenig Zeit und halte nach Beiträgen über Meditation, Zen, Sufi, Buddhismus usw. Ausschau. Auf FindYourNose.com gibt es auf dem Marktplatz täglich ein neues Video über Meditation. Vielleicht ist dort eine Anregung dabei?
Lebender Meister oder nicht?
In früheren Zeiten war die Antwort einfach:
Einen lebenden Meister finden, denn die Gefahr, sich in Vorstellungen zu verlieren, ist mit einem lebenden Meister geringer. Meine eigene Erfahrung mit Osho, einem "Video-Meister", dem ich selbst nie begegnet bin, ist jedoch anders. Sein Wesen ist für mich über Videos und Audios sichtbar geworden, seine Gesten und Worte vertraut, so, als ob ich neben ihm gesessen wäre. Für mich ist es in der heutigen Zeit mit bewegten Bildern möglich, einen gestorbenen Meister lebend zu erfahren.
Jeder wähle für sich selbst.
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"Der Meister ist immer ein Freund, aber seine Freundschaft hat einen ganz anderen Duft als gewöhnliche Freundschaft. Seine Freundschaft ist eher Freundlichkeit mit einem inneren Kern: Mitgefühl. Er möchte seine Erfahrung mit dir teilen, weil er sieht, dass du danach suchst, dass du durstig danach bist. Er stellt dir seine Quellen des reinsten Wassers zur Verfügung."
Osho, Zitat - Auszug aus Come Follow Yourself, Vol 3, #5
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