Das Geschenk der Wechseljahre
Samarpan und Pakhi
sind Schüler des Meisters Osho.
Sie schreiben sich fast jeden Tag.
In Liebe
Und Verständnis.
Ein Dialog entsteht.
Brief 3 – Das Geschenk der Existenz
an Frauen in den Wechseljahren
Liebe Samarpan,
was hast du mir da für ein Labsal geschrieben. Ich danke dir recht herzlich
dafür, es hat mich sehr beruhigt und berührt.
Wie sich herausstellte, habe ich Hans-Wolfgang falsch verstanden. Als er von seinen Verletzungen sprach, meinte er die von früher. Er war nicht verletzt. Wir sprachen am Telefon darüber und er schrieb es mir nochmal, was nun kommt:
Geliebte Pakhi,
ich mag Dich nicht so zerknirscht lesen. Ich denke da gleich an die Polarität. Erst so tief unter mir, und dann wieder so hoch über mir. Wir sind Menschen, auf gleicher Ebene. Dir muß nichts leid tun, außer dem, was Du Dir antust.
Ich danke dir, daß Du mir den Eindruck vermittelst, daß Du meine Mail verstanden hast und auf Dich wirken lassen kannst. Das tut gut, denn sonst hatte ich oft den Eindruck, daß Du, auch ohne einen Moment zu zögern, gleich sagtest: Nein, das war vielleicht mal so, aber jetzt stimmt das nicht!!!
Es tut auch gut, daß Du den Druck nachvollziehen kannst, denn das konnte ich bisher kaum vermitteln, ja selbst wollte ich es oft gar nicht wahrhaben, daß ich eigentlich darunter leide, und nicht an dem, was Du sagst, sondern eben wie Du das sagst.
Es tut mir leid, wenn Du dich von mir angegriffen fühlst. Hier kann auch ich sagen, es war bestimmt nie meine Absicht. Was hätte ich denn davon ? Gar nichts ! Ich möchte harmonisches Zusammensein, das ist mir wichtig. Konflikte suche ich zu vermeiden, so gut, wie es geht.Und noch einmal, Du hast mich nicht verletzt. Ich habe mich auch nicht in Krämpfen und Ängsten gewunden. Das war vielleicht mal in der schlimmsten Zeit, aber das ist ja schon acht Jahre her.
Bitte sei gut zu Dir, das ist das Beste, was Du für mich tun kannst.
Liebe Grüße von Hans-Wolfgang
Ja, bei deinem und bei diesem Brief habe ich geweint - was habe ich doch für
Freunde!
Ok, ich schreibe weiter, lass uns weiter spielen, und ich lerne aus meinen
Fehlern. Die Tabletten nehme ich, wie du auch meinst, noch eine Weile, wenn
auch in einer Dosis, die der Arzt wohl zu gering ansehen würde, doch mir
reichen sie so.
Macht es dir was aus, wenn ich viel schreibe? Ich hoffe mal nicht, so äußere ich mich nun über die Geschenke der Existenz an Frauen in den Wechseljahren und dann über das schöne Sprichwort, dass Ärger nur eine harte Äußerung von Freundlichkeit ist.
Wenn man in die Wechseljahre kommt, so wie du und ich wohl zur Zeit, dann ist das ein eigenes Blessing, denn es ändert sich wieder was und das zwingt uns, dazuzulernen. Wir müssen lernen, uns umzustellen und da der Körper und der Mind ja ein System sind, heißt das, dass diese Änderung eine Hilfe ist, sich nicht zu identifizieren. Wenn wir so sind, wie wir sind, dann merken wir kaum, wo wir identifiziert sind und wo nicht, denn es geht alles relativ glatt. Wir sind die Identifikation gewöhnt. Wenn sich nun energetisch und auch in den vielen anderen Bereichen etwas ändert, dann fallen wir automatisch raus aus der früheren Identifikation und müssten neu lernen, wieder neu identifiziert zu sein. Oder wir lassen es einfach, entspannen. Dann ergibt sich eine Loslösung vom Alten und das Neue bindet sich nicht an uns.
Entspannung ist sowieso das Beste, was uns passieren kann, denn dadurch kann die Existenz uns zu dem machen, was sie möchte.
Ein weiteres Blessing ist, da die Umwelt auf uns zurückhaltender, manchmal vielleicht auch geringschätzig mit zunehmendem Alter reagiert, das zu lernen, dass wir nicht unsere Erscheinung sind. Wenn wir in den Spiegel schauen, dann sind wir meist, und ich denke, das geht allen Frauen der Welt so, abgestoßen von irgendwas an uns. Da lastet ein ungeheurer Druck auf uns Frauen, der uns in ein Schema pressen will. Und wegen der Unterdrückung der Frau und auch wegen einer natürlicher Ausrichtung ist sie auf den Körper geprägt.
Das eingeforderte Schema und Schönheitsideal kann in den Wechseljahren nicht mehr so wie früher erfüllt werden und bevor man sich dann selbst verdammt, könnte doch die Alternative sein: "ich bin nicht der Körper und ich bin auch nicht mein Aussehen. Meine Bewusstheit ist jenseits von Altern und Sterben." Und damit ändert sich erst mal gar nichts durch die Wechseljahre. Die Bewusstheit bleibt die gleiche, ob jung, alt oder tot.
Mein Eindruck ist, dass sich die körperlichen Prozesse allmählich verlangsamen. Auch das ist eine große Hilfe, ruhiger und gelassener zu werden. Wenn ich Frauen in den Wechseljahren beobachte, dann fällt mir auf, dass sie oft eine Liebe für das Alleinsein entwickeln. Vielleicht kommt das von dem schwindenden Sexualtrieb, vielleicht auch, weil die Umwelt eben nicht mehr so positiv auf sie reagiert ... ich weiß es nicht. Doch ich empfinde das auch als ein Blessing.
Die Herausforderung beim Alleinsein ist, dass man allein ist, doch sich nicht abschließt, in erster Linie energetisch nicht abschließt von der Existenz. Das ist, glaube ich, auch die Herausforderung bei Frauen in den Wechseljahren. Sie haben eine wunderbare Neigung zum Alleinsein, Selbstständig sein, doch ist auch die Gefahr des Verbitterns und Schrumpfens gegeben - nun des Einsamseins eben, statt des Alleinseins.
"She does not linger with those
who have a home
or with those who stray.
Wanting nothing,
she travels on alone."
Diese Buddhakarte, die für mich immer noch gilt, könnte das wunderbare Motto der Frauen in den Wechseljahren sein, mit allen Implikationen. Stärke, Ruhe, heitere Gelassenheit, Unabhängigkeit, Stille. Es erfordert allerdings Mut, in unserer Gesellschaft als Frau eine innere Unabhängigkeit zu leben, denn schnell wird man ausgestossen aus den Abläufen der Menschen. Die Kunst ist, "drin" zu bleiben in der Kommunikation, so wie früher auch, und trotzdem die innere Gelöstheit zu leben. Das ist dann das weitere Blessing der Existenz, dass man Zorba the Buddha lernt, oder auch: In der Welt und nicht von der Welt zu leben.
Wir alle sehen uns mehr oder weniger mit den Augen der anderen. Lieben sie uns, lieben wir uns auch, hassen sie uns, hassen wir uns auch. Aus diesem Muster herauszufinden ist eine Lernaufgabe der Existenz für Frauen in den Wechseljahren. Sich direkt zu lieben und anzunehmen, wie man ist, ohne in Kategorien von Verurteilungen zu denken, sich zu schätzen in seinem Sosein und alles als natürlich und damit schön anzusehen, das dürfen wir lernen. Eigentlich ist diese Aufgabe immer im Leben gegeben, doch nun wird sie dringlicher.
In unserer Kultur wird Alter als hässlich angesehen. Nur die Idee, dass Alter etwas sehr Schönes sein könnte, Weisheit, Verständnis und Meditation mit ihm kommt, diese Idee allein verändert schon die ganze Einstellung. Das Altersbild unserer Gesellschaft, und das ist wohl auf der ganzen Welt so, verursacht das Entstehen von wirklich hässlichen alten Menschen. Das ist jedoch nur eine Glaubenshaltung. Es gilt, das Altern zu erforschen nach tiefen Wahrheiten, nach seinen wunderbaren Gesetzmäßigkeiten, die darin enthalten sind. Die Wege sind anders als die der vitalen, sexuellen, unschuldigen Jugend. Doch wenn wir das Alter aburteilen als hässlich, dann heißt das nur, dass wir die Schätze nicht sehen, die diese veränderte Energie mit sich bringt.
Wir werden es herausfinden, ja? Was für ein Geschenk.
Dieses Sprichwort, dass Ärger eigentlich Freundlichkeit ist, die sich nur hart äußert, halte ich für Unsinn. Ich habe zuerst gelesen, dass Ärger eigentlich Mitgefühl ist, das sich hart äußert und das würde für mich Sinn ergeben. Ärger ist keine kindness, er nervt immer. Sowohl denjenigen selbst, der ärgerlich ist, als auch die Umgebung, die unter dem Ärger dann zu leiden hat. Dieses Sprichwort verstehe ich nicht. Dass Ärger jedoch verstecktes Mitgefühl ist, das kann ich mir vorstellen.
Jetzt schaue ich mir noch ein Osho-Video an und dann kommt Y.. Ich bin ruhig und still und das auch wegen deines Briefes. Du hast mir sehr geholfen.
Bis morgen
alles Liebe
Pakhi
RE: Brief 3 – Das Geschenk der Existenz an Frauen in den Wechseljahren
aaahhhhh, danke, wie wunderschoen du wieder schreibst ...
ich werde es ausdrucken und in ruhe geniessen ... vielleicht morgen darauf antworten ...
bis dann, schreib mal wieder!
samarpan
Der nächste Brief
Ein Treffen mit einem genialen Menschen
Voriger Brief
Spirituelle Erkenntnisse oder psychotischer Schub?
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Inspiriert durch diese Briefe
erscheint wenige Jahre danach
Pakhis erstes Buch:
"Ästhetisches Sterben"
Mit Lachen und Meditation
aesthetisches-sterben.de
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