Gesellschaftliche Rollen und frühere Leben
Samarpan und Pakhi
sind Schüler des Meisters Osho.
Sie schreiben sich fast jeden Tag.
In Liebe
Und Verständnis.
Ein Dialog entsteht.
Brief 8 – Idiot, Sklave, Hitler
Liebe Samarpan,
oh je, das wird wieder ein langer Brief. Ich freue mich darauf, ihn zu schreiben. Gerade esse ich noch nebenher Reis, Linsen, Rosenkohl und Tofu, und das wie immer nur mit Salz gewürzt ... hmmm, fein.
Bevor ich mich deiner Frage zuwende, habe ich auch eine Frage, bei der ich nicht weiterkomme. Vielleicht fällt dir ja was dazu ein:
Überall heißt es, und es ist auch so, das habe ich bei meinem Beinbruch bemerkt, dass wenn man die Knochen nicht bewegt und strapaziert, sie sich zurückbilden. Unter anderem deshalb sollten Frauen in den Wechseljahren viel Sport machen, auch Sprünge und Gewichtheben. Ich habe aber keine Lust und keinen Impuls dazu. Wenn ich in Meditation sitze und auch sonst fühlt sich mein Körper sanft vibrierend an und das scheint wie eine heilsame Energiemassage für meinen ganzen Körper zu sein. Ist es möglich, dass sich die Knochen nicht zurückbilden, obwohl man sie nicht benutzt? Sage bitte nicht, du hast keine Ahnung davon, schließlich schreibe ich dir auch von lauter Sachen, die ich nicht kenne.
Was meinst du? Kann Meditation und Entspannung auch Dinge bewirken, die normalerweise nicht so funktionieren?
... wie gut, dass nicht du mich fragst, sonst würde ich schon eine Antwort finden ...
Nun zu deiner Frage:
Was haben ein Idiot, ein Sklave und ein Hitler gemeinsam? Was ist ihre Transformation?
Gemeinsam haben sie alle, dass sie mit ihrem Muster, ihrer gesellschaftlichen Rolle, identifiziert sind. Du hättest auch Lehrer, Arbeiter, Sekretärin, Sudra, Schwarzer, Weißer, Chinese, SPDler, Königin von England oder auch Frau, Kind oder Eltern sagen können. Mit was du dich identifizierst, ist egal, gemeinsam ist uns Menschen in dieser Evolutionsstufe, dass wir identifiziert sind. Was nicht heißen soll, dass das sonderlich menschlich ist, es geht auch anders.
Und damit ist auch die Transformation klar:
Für jeden ist sie die gleiche:
Nicht identifiziert zu sein mit dem, was man zu sein scheint. Frei zu sein
von den Irrungen und Wirrungen des Denkens. Mit Entspannung und
Loslassen zu dem zu werden, was man eigentlich ist. Das ist man dann, ohne dass man
etwas dafür tun muss.
Muster und Rollen muss man immer mit viel Energie
aufrechterhalten, doch ist es entspannend, einfach so zu sein, so gewöhnlich, wie man ist, ohne etwas besonderes zu sein.
Ich habe deine Frage noch vor der Schule gelesen und mich ein wenig umgeguckt, wie das bei den Menschen so ausschaut. Wenn du nach einem Idioten fragst, dann nehme ich an, dass du einen tiefschlafenden Menschen und nicht einen pathologisch Kranken meinst. Ich sehe, dass wir alle diese Strukturen oder gesellschaftlichen Rollen des Idioten, Sklaven oder auch Hitlers in uns tragen, mehr oder weniger. Wir sind manchmal idiotisch, manchmal in Sklaverei und manchmal der Despot. Wenn ich im Heim arbeite, dann bin ich ein Sklave, Lehrer und Eltern lieben es, Hitler zu spielen und die Idioten, die brüllen sich die Seele aus dem Leib bei Fußballspielen. Die Situationen im Leben sind vielfältig. Und oft kann man sich gegen die Rollen nicht wehren, die geschehen. Ein Sudra (ein indischer Unberührbarer) kann nicht plötzlich auftreten wie ein freier Mensch, da stehen ihm viele Erlebnisse entgegen.
Der Zusammenhang mit früheren Leben:
Ich weiß nicht, wie diese Rollen oder Muster geschehen. Warum jemand reich und im Westen oder als Sudra im Osten oder als aidskranker Afrikaner zur Welt kommt. Als ich mal die Pastlife Hypnose Kassette anhörte, ging es darum, dass man nach dem Tod über so was wie einem Meer schwebt, in dem verschieden hohe Wellen sich erheben, von denen sich jede anders anfühlt. Das sollten die verschiedenen Leben sein, in die man sich hineinziehen lassen kann.
Ich hatte den Eindruck, dass mich manche nur wenig, aber eines ganz stark angezogen hat. Ich bin hineingezogen worden und habe dann Bestimmtes erlebt, an das ich mich jetzt nicht mehr erinnern kann. Ich weiß nur noch, dass das Thema dieses Lebens etwas war, das ich stark ersehnte. Vielleicht wollte ich etwas Bestimmtes lernen, eine existenzielle Belehrung erhalten bezüglich eines bestimmten Themas oder ich wollte etwas erleben oder auch jemanden wiedertreffen ... ich weiß es nicht mehr. Ich kann mich nur noch daran erinnern, wie es sich anfühlte, so über diesem Meer zu sein. Und wie ich stark oder weniger stark angezogen wurde von der Schwingung der verschiedenen Leben.
Das funktioniert wie mit Düften. Du riechst etwas und es zieht dich an, du weißt, auch nicht warum. Wenn du dann in dem Leben steckst, kann es sehr schwierig sein, doch da ist was, was dich angezogen hat und damit hat es seinen Sinn. Puh, wenn ich das so schreibe, dann erinnere ich mich an die Zeit meiner schweren Psychose und dann zu sagen, dass das das Richtige für mich war ... hm, das ist schwer. Obwohl ich sagen muss, dass ich viel daraus gelernt habe, doch war es wirklich notwendig? Und ist das ganze Leid und Elend auf der Welt wirklich notwendig?
Ich war mal ein Arzt auf Schlachtfeldern, dessen Frau früh gestorben war und der darüber verzweifelte. Er erholte sich nie mehr von diesem Schock und war immer mit Tod, Traurigkeit und dem Verlust der geliebten Frau beschäftigt. Oder ich war eine Art von Dandy, der seine Frau und seinen kleinen Sohn mißachtete, sie für selbstverständlich hielt. Oder ich war eine Krankenschwester, die halt so heiratete und eine Großfamilie gründete, die dann alle an ihrem Todesbett standen ( da habe ich beschlossen: Nie mehr eine Familie, wenn man nicht mal in Ruhe sterben kann, hihi).
Wenn das stimmt, dann wird man als Hitler, Sklave und Idiot geboren, um bestimmte Dinge, die mit dieser Art zu leben einhergehen, zu lernen. Es stimmt zwar, dass die Umgebung, die Umstände, die Gene und was weiß ich nicht alles dazu beitragen, dass ein Mensch zu einem Hitler, einem Sklaven oder einem Idioten wird, doch scheint es so zu sein, dass in erster Linie man selbst für diese Entwicklung verantwortlich ist. Wir beide sind dafür auch ein Beispiel: Die gleichen Umstände und doch ist´s für jeden anders geworden. Ich bin in einer Weise mehr zum Sklaven und du mehr zum König geworden ... warum? Wir sind doch gleich erzogen worden, haben die gleichen Missstände erlebt und die gleiche Unterstützung erfahren ...
Ich habe eben auf die vorgefundenen Umstände anders reagiert, nach meinem Muster und wohl auch Lebensinhalt, was ich eben in diesem Leben lernen wollte. Und du auch. Die Menschen, insbesondere Eltern, sind nun mal Hitler in unserer Zeit, und auch Idioten und auch Sklaven, doch das scheint so zu sein, weil sie so am besten lernen können.
Die Befreiung von den gesellschaftlichen Rollen:
Lernt man, sich nicht mehr mit dem Muster, das man so offensichtlich trägt, zu identifizieren, dann beginnt man zu schauspielern. Man führt seine Rolle weiterhin aus, doch sie ist nicht mehr der Lebensinhalt. Man schauspielert das Nötigste und ansonsten hat man Freiräume. Wenn man beginnt, seine Rolle loszulassen und zu schauspielern, dann kann die Existenz durch einen wirken und einen in Situationen bringen, in denen man noch viel mehr lernt als wenn man in einer Rolle gefangen ist. Ist man zum Beispiel ein Sklave, dann kann die Existenz einem lehren, wie man am besten mit dieser Bürde zurechtkommt, wenn man seinen Impulsen folgt, die aus einer Entspannung heraus geschehen.
Ich meine sowieso, dass man die wichtigsten Lektionen des Lebens erst dann erteilt bekommen kann, wenn man sich nicht mehr mit seiner und seinen Rollen identifiziert, die einen bisher prägten. Denn dann kann das Unbekannte ins Spiel kommen und neue Wege gegangen werden, die nicht unbedingt in die Rolle passen. ... Drücke ich mich verständlich aus? Ich habe irgendwie den Eindruck, dass ich heute nicht ganz so klar schreiben kann. Nun denn.
Ich habe in einem Buch über Psychosen gelesen, dass der Psychiater darin sagt, dass ein Mensch mit einer Psychose erst dann gesund wird, wenn er lügt. Wenn er lügen kann. Ich glaube das ist ein Geheimnis, das für alle Menschen gilt. Die Lüge muss jedoch etwas sein, was im Einklang mit der inneren Wahrheit steht, das heißt, sie muss helfen, dass man sich nicht verletzt. Oft sehe ich, dass ich vor der Wahl stehe, mich zu verletzen oder verletzen zu lassen oder zu lügen, und so lüge ich und dann ist alle Welt zufrieden. Das finde ich völlig legitim. Selbst wenn ich mich als Sklave innerlich wie ein König fühle - wenn ich es zeige, dann kriege ich´s ab. Also lüge oder schauspielere ich, dass ich unterwürfig bin, und dann sind alle zufrieden.
Das mache ich so lange, bis es eine andere Möglichkeit gibt, das ist klar, doch manchmal muss ich etwas zu sein vorgeben, um mich zu schützen. Wie gesagt, be a goody goody and you are out of hospital - die erste Lektion nach einem Schub für jeden Insassen einer Psychiatrie.
Jetzt höre ich auf zu schreiben, obwohl dieses Thema noch viel in mir angestossen hat. Doch das kommt sicherlich auch später noch heraus durch weitere Fragen von dir. Ich muss ja nicht gleich alles in einem Brief schreiben.
Brülle gut, Löwe, ich glaub übrigens, dass ich ein Drache wäre in einer Führungsposition ...
Alles Liebe für dich
und einen wunderbaren schauspielerischen Tag?
deine Pakhi
RE: 8 –Idiot, Sklave, Hitler
liebster pakhidrachen,
wie sehr geniesse ich deine briefe ...
was die knochen betrifft: nach meiner erfahrung ist es immer gut, sich zu bewegen, grade fuer uns beide, weil wir so leicht in den mind kommen, schliesslich haben wir einen wunderbaren mind ... ueber knochen weiss ich nix, ausser dass es mehr spass macht, wenn sie lebendig sind ... und ich hab mich ja jahrelang nicht bewegen koennen, war immer erstaunt, wieviel energie du hast ... ich kenne also den zustand des sitzens ...
vielleicht findest du ja was, was dir spass macht ... schoene musik und dazu tanzen ... oder fahrrad fahren, sich die waelder anschauen ... auch ja zur bewegung zu sagen, is schliesslich auch nur eine form ... und das leben wird reicher, reicher an erfahrungen und reicher, weil mehr platz fuer den energiefluss ist ...
ist das eine befriedigende antwort fuer dich?
ich hab leider heute nicht viel zeit, heute is wieder freitag ...
aber ich habe noch eine frage -- und ich stelle nur fragen, die gerade in meinem leben aktuell sind, deshalb geniesse ich auch die antworten so, denn sie bereichern meine einsichten ...
was ist ein organismus?
alles liebe
samarpan
Der nächste Brief
Was macht einen Organismus aus?
Voriger Brief
Löwen und Drachen als Vorgesetzte
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Inspiriert durch diese Briefe
erscheint wenige Jahre danach
Pakhis erstes Buch:
"Ästhetisches Sterben"
Mit Lachen und Meditation
aesthetisches-sterben.de
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