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Wie aus einer Organisation ein Organismus wird

Wie aus einer Organisation ein Organismus wird

Samarpan und Pakhi
sind Schüler des Meisters Osho.
Sie schreiben sich fast jeden Tag.
In Liebe.
Und Verständnis.
Ein Dialog entsteht.


Brief 9 – Was ist ein Organismus?


Meine Güte, liebe Samarpan,

heute ist wieder viel passiert und dann ist da ja auch noch deine Frage ... das wird lang!

Zuerst danke für deine guten Ratschläge. Du hast zwar nicht ganz auf das geantwortet, was ich wissen wollte, doch irgendwie trotzdem, so dass ich befriedigt bin. Ich werde mich nun öfter fragen, ob ich nicht Lust habe, mich ein wenig zu bewegen ... doch im Moment sitze ich lieber am PC und schreibe dir ...


Mich hat natürlich den ganzen Tag über deine Frage beschäftigt:

Was ist ein Organismus?


Ich werde mich langsam vortasten ...
Jedes Atom, jedes Teilchen hat Bewusstheit. Das heißt, dass alles belebt ist. Auch Metalle und Steine und Plastik. Ein Auto ist belebt, doch nicht in der Form des Autos, sondern in dem Material, das es ausmacht. Würde man aus den Teilen eines funktionierenden Autos etwas anderes bauen, bliebe es die gleiche Bewusstheit. Es gibt keine Entität eines Autos, es ist zusammengesetzt, so oder so. Das Metall lebt; ein Stuhl lebt, eine Laterne lebt, doch nicht als die Form, die sie haben. Die hat keine Bedeutung. Die Atome sind irgendwie zusammengesetzt, es ergibt sich eine Form, doch die verändert sich nicht selbstständig, sie wächst nicht, es gibt kein Zusammenspiel.

Wenn wir sagen, dass ein Organismus lebendig ist im Gegensatz zu einem zusammengesetzten Auto, so stimmt das nur bedingt. Denn, wie gesagt ist ein Auto, das Material, auch lebendig. Einen Organismus macht meines Erachtens etwas anderes aus: Es ist das harmonische Zusammenspiel vieler Elemente, die aufgrund ihrer Unterschiedlichkeit und ihres Zusammenwirkens etwas schaffen und aufrechterhalten, das sich weiterentwickeln und sich in ihrem Rahmen verändern kann. Ein Organismus ist nicht einfach nur zusammengesetzt aus vielen verschiedenen Elementen, es muss eine natürliche Neigung vorhanden sein, die den Organismus zusammenhält und als neues größeres Element entstehen lässt.

Es gibt meines Erachtens noch einen Zusammenhang zwischen Organismus und Bewusstheit. Je komplizierter der Organismus ist, desto eher kann er eine wache Bewusstheit einladen, in ihm zu leben. Das klingt sehr fantastisch, ist für mich aber logisch. Doch das Thema kann ich im Moment nicht weiter spüren, so dass ich mich einer anderen Richtung zuwende:

Eines ist klar: Ein Organismus ist ein Teil der Natur. Er wächst, verändert sich, gedeiht. Er wird geboren und er stirbt. Ein Organismus braucht vieles, um zu überleben oder noch besser, um zu erblühen. In erster Linie ist das Liebe. Caring. Sorgfalt, Aufmerksamkeit und Unterstützung. Genährt werden in jeder Hinsicht. Raum, Platz, um sich auszudehnen. Er braucht also eine Umgebung, die förderlich ist, die für ihn sorgt, die ihn nährt, die ihn liebt.

Einer meiner Lehrer sagt, dass ein Erreger sich nur dann im Körper festsetzen kann, wenn das Milieu, das Klima für ihn stimmt. Nicht der Erreger ist die Bedrohung, sondern das Milieu, das einen Erreger beherbergt. In einem Körper kann sich also nur dann ein Organismus festsetzen, wenn ein (für den Körper) krankes Milieu besteht.
Das gilt meines Erachtens für jeden Organismus. Er braucht ein individuelles auf ihn abgestimmtes Umfeld der Liebe, um wachsen und gedeihen zu können. Eine Kommune, Findhorn genannt, die ganz oben im Norden Schottlands wohnte, hat mit liebevollen Worten und Gesprächen, sicherlich auch mit Dünger, in dieser Kälte die unglaublichsten Früchte gezogen, die ich gesehen habe. Riesig groß und völlig gesund. Ohne Schädlinge, soweit ich mich erinnere.

Ein Organismus braucht niemanden, der ihm sagt, was zu tun ist und wie er wachsen soll. Das ergibt sich von selbst, ist intrinsisch. Das liegt in der Natur der Sache, nur bestimmte Elemente kommen zusammen und die sind in Harmonie miteinander. Sie können sich nur in bestimmter Weise weiterentwickeln, denn die Voraussetzung für einen gesunden Organismus ist, dass er harmonisch wächst. Jedes Element steuert das bei, was es kann und in der Weise, wie es notwendig ist. Die Natur strebt meiner Meinung nach zum Optimum. Das heißt, dass jeder Organismus, der in Einklang mit der Natur ist, auch ganz natürlich zu seinem Optimum strebt.

Auf unseren Körper bezogen heißt das, dass wir uns nicht in die Abläufe des Körpers einmischen sollten, denn er ist ein perfekter Organismus. Wir sollten vielmehr ein Klima schaffen, ein Klima der Liebe und der Sorgfalt, der Aufmerksamkeit, in der die Natürlichkeit unseres Körpers selbst ihren Weg findet. Sie wird auch aus der Krankheit ihren Weg finden, denn sie strebt nach dem Optimum. Was einem Organismus sehr schaden kann, ist ein ungünstiges Umfeld und wenn ein Element sich hervorhebt aus dem Ganzen und bestimmen will, wie sich alles entwickeln soll.

Das ist die Entsprechung zum Mind/Denken im Körper. Arbeitet der Mind - das Denken - mit dem Körper als Teil und einzigartiger Teil des Körpers, dann wird der Organismus gefördert. Überstellt sich der Mind allerdings und will den Körper beherrschen, ist ein Ungleichgewicht und Disharmonie vorprogrammiert. Hat man nun auch noch die Grundeinstellung, wie ich früher, dass mein Körper nicht ok ist, dann geht der Mind – das Denken - gegen den Organismus und das schädigt dann das System.

Der Organismus in einer Kommune

Auch eine Organisation, wie sie im Osho Ashram/Resort herrscht, könnte im besten Falle ein Organismus sein. Auch da gilt: alle beteiligten Elemente haben eine natürliche Neigung zueinander. Keines ist gezwungen, da zu sein (ist sowieso nicht der Fall). Jedes Element geht mit dem Ganzen und ist bereit, seine Fähigkeiten in der Weise, wie es nötig ist, einzubringen. Jeder kann sicher sein, dass sich der Organismus nur dann weiter entwickelt, wenn er sich natürlich entwickelt. So erblüht nicht nur der Organismus selbst, sondern auch jedes beteiligte Element. Natürliches Wachsen bedeutet, dass kein Element geschädigt wird, denn das Wachsen geschieht nur im Rahmen des Konstruktiven, Schädigungen werden nie in Kauf genommen.

Damit so eine Organisation als Organismus erblühen kann, bedarf es des Gleichen wie oben schon gesagt: Liebe, Fürsorge und Caring für alle Beteiligten. Nahrung in jeder Hinsicht und ein hilfreiches, unterstützendes Klima. Die individuelle, spezielle Ausrichtung dieses Organismus wird sich von selbst entwickeln, doch muss darauf geachtet werden, dass sich kein Element über seine natürliche Stellung hinaus erhebt und die Richtung färben oder bestimmen will, in die man wachsen soll.

Für uns Menschen ist das schwierig, denn es bedeutet, dass in so einer Organisation eigentlich keiner so genau weiß, wie sich alles entwickelt und wohin alles geht. Man braucht besonders anfangs großes Vertrauen, dass die zur Gemeinschaft gehörenden Elemente ihren Teil dazu beitragen, dass eine Weiterentwicklung geschieht. In der Natur ist das einfach. Da ist es klar, dass aus einem Walnusskern ein Walnussbaum entsteht, auch wenn die beiden Formen nicht zusammenzubringen sind. In einer organischen Organisation liegt sicherlich auch schon die Frucht, doch kann man sie nicht erkennen, sie muss sich eben erst noch entwickeln.

Es ist wie bei einem Kind. Was braucht ein Kind? Caring, Liebe, Sorgfalt. Braucht es Anleitung oder gar Erziehung dafür, um das zu werden, was es werden will? Nein. Es braucht Unterstützung auf seinen eigenen Wegen, in seiner ureigenen Art. Es braucht ein Ja zu sich, eine Umgebung, die es für diese individuelle Ausrichtung des Lebens liebt, die es ist. "Putting shoes on a snake" ... das ist es, was den meisten Menschen als Kinder geschieht. Sie sind Schlangen und sollen laufen lernen ....

Da ist noch etwas mit Bewusstheit und Organismus, was mir nicht so klar ist, wie gesagt. Vielleicht komme ich ja noch drauf.

Ich hoffe, ich konnte dir ein paar Anregungen geben, liebe Samarpan
einen schönen Tag wünsche ich dir

Pakhi



RE: Brief 9 – Was ist ein Organismus?


wow! what an answer ...

i will have to digest that ...

bis spaeter

wow. ...

samarpan


Impressionen aus dem Leben im Meditation Resort


gerne wuerde ich dir mehr von mir schreiben, was ich so mache und in welcher welt ich lebe, doch habe ich die zeit nicht dazu ... deshalb nur immer mal was kurzes ...

heute is sonntag, brunch tag, mit grossem buffet, ganz tolle sachen, grosse auswahl, viele farben, viele gerichte aus verschiedenen laendern ... und n. und ich waren da gestanden und hatten nix auf dem teller ... die einfachen gemuese gabs nicht und alles andere war mehr oder weniger gekocht oder zu scharf oder zu fett oder zu ... da haben wir uns angeschaut und gelacht ... haben einen schoenen lunch miteinander gehabt .... doch leider, wenn wir uns umarmen, is da nicht viel ... er is ziemlich steif um die brust rum, hat angst vor liebe glaube ich ... naja, dann eben nicht ... ich mag ihn und geniesse die zeit miteinander ...

und dann bin ich heute mal zum tanzen auf die buddha grove gegangen, unter offenem himmel is da jeden mittag disco tanzen ... ich liebe das ... noch schoener is es in der nacht, unter sternenhimmel, die grosse flaeche zur verfuegung, schwelgend oder mit anderen ... aaahhh

und jetzt schauen gerade die zwei gaense zum fenster rein ... ihre zweitresidenz ist abgetrennt worden, weil das welcome center renoviert wird ... und jetzt laufen sie ein wenig unschluessig herum und suchen ein neues gebiet mit wasser (bisher haben sie den swimming pool noch nicht entdeckt): neee, neee, hier gibts keinen teich! (vielleicht haben sie interesse an meinem kleinen brunnen, den ich hier im buero habe, eine schale und in der mitte eine ziemlich grosse kugel, getoepfert, aus der das wasser oben herauskommt)

hier komme ich mit einer neuen frage ...

warum finden du und ich es lustig, dass gekochte bratwuerste 'saure zipfel' genannt werden?


ich warte gespannt auf deine antwort ...

nu sollte ich vielleicht doch mal was arbeiten ...

alles liebe
samarpan



Der nächste Brief

Feiern am Sonntag


Voriger Brief

Gesellschaftliche Rollen und frühere Leben

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  Pakhis Buch: Ästhetisches Sterben

Inspiriert durch diese Briefe
erscheint wenige Jahre danach
Pakhis erstes Buch:
"Ästhetisches Sterben"
Mit Lachen und Meditation
aesthetisches-sterben.de




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