Goldene Zeiten mit heilsamen Gewittern

Ich genieße goldene Zeiten - um mich plötzlich im Gewitter von Selbsthass und Vermeidung wiederzufinden. Ein Baby zeigt mir den Weg.
Goldene Zeiten - Samarpans Blog

Es liegen Goldene Zeiten hinter mir. Schon morgens bin ich mit einem Lied im Herzen aufgewacht: Meist ist es ‚I Feel Pretty‚ … Geht dir das auch so, dass die Lieder, die du singst, etwas mit deinem gegenwärtigen Leben zu tun haben?

Das Leben ist gut in den letzten Wochen. Sehr harmonisch und ausgeglichen. Goldene Kreativität, eine herzliche Zeit mit Freunden, neue, interessante Kundenprojekte und auch viel Genuss, den Körper zu bewegen — goldene, erfüllte Zeiten.

Im Gewitter mit Bier und Schokolade

Umso mehr erstaunt es mich, als ich mich gestern Abend mit einer Flasche Bier, Schokolade und vor einem gewaltreichen Kriegsfilm wiederfinde. Was ist passiert? Woher kommt dieser Angriff gegen mich selbst? Nichts gegen Bier und Schokolade, wenn nur nicht die Schwingungen von VERMEIDUNG und SELBSTHASS so anfassbar im Raum gewesen wären. Mittlerweile kenne ich mich gut genug um zu wissen, dass dieser Abend nach Vermeidungsstrategie riecht…

Gestern Abend kann ich das Gewitter nicht aufhalten. Ich lasse mich umher wirbeln. Über Nacht arbeitet dann die Frage in mir, welchen Schmerz ich übersehen habe. Irgendetwas muss geschehen sein, was jetzt so laut nach Aufmerksamkeit ruft. Irgendein Schmerz muss übersehen worden sein, der sich in selbstzerstörerischen Mustern Aufmerksamkeit verschafft. Gut, dass ich die Sprache meines Seins mittlerweile verstehe. So kann ich unbewussten Schmerzen Raum geben, bevor sie weitere unbewusste Kreise ziehen.

Auf der Suche nach dem Ursprung des Gewitters

Morgens liege ich im Bett und lasse die letzten Tage an mir vorbei ziehen. Ganz aufmerksam pirsche ich mich dem Ereignis an, bei dem das goldene Lebensgefühl das erste Mal verdunkelt wurde. Zunächst kann ich es nicht finden. Ist es einfach die körperliche Erschöpfung der letzten Wochen? Hast du zuviel gemacht in den letzten Tagen? Nein. Das ist es nicht. Irgendeine Enttäuschung vielleicht? Ja, da kommen wir schon näher…

Vor ein paar Tagen hatte ich in der morgendlichen Meditation Osho über Tao sprechen hören. Er sagte sinngemäß, dass das Leben ohne verstehbaren Sinn ist und die Essenz über Unsinniges gefunden werden kann. Das hat mich in seiner Wahrheit getroffen. Das ist es, ich habe den Beginn des Schmerzes gefunden. Es ist mir unangenehm zu hören, dass das Leben nicht zu kontrollieren ist, schließlich macht alles in meinem Leben Sinn. Selbst wenn ich wollte, ich könnte gar nichts Unsinniges machen. Keine Ahnung, wie das geht.

Das Baby - ein Meister ohne Kontrolle

Der Meister – ein Baby

Mein 4 Monate alter Enkel erklärt mir dann, wie ein Leben ohne Sinn und ohne Kontrolle funktioniert. Ein verbrachter Tag mit ihm führt dann auch direkt das Gewitter herbei.

Ein Baby lebt direkt. Ohne Absicht, etwas für sich zu erschaffen oder an etwas festzuhalten. Mein Enkel drückt jetzt aus, was er jetzt braucht und manchmal verstehe ich, was es ist und gebe es ihm. Manchmal verstehe ich es nicht und so leidet er… – bis sich das Leben weiter bewegt und etwas Anderes, etwas Neues geschieht.

Ich gebe mein Bestes, doch es ist mir unmöglich, sein Befinden gänzlich leidlos zu machen. Ich stoße an die Grenzen meiner Kraft und Fähigkeiten. Ich gebe mein Bestes, bin mit meiner gesamten Wachheit und Aufmerksamkeit für ihn da, und doch kann ich ihm manches Leid einfach nicht abnehmen. Die Hilflosigkeit schmerzt. Nicht nur für ihn, auch für seine Familie, für die Freunde, für jedes Lebewesen und so auch für mich wünsche ich mir ewige Freude und leidloses Glück. Goldene Zeiten für immer. Es tut weh, es sich einzugestehen: Ich habe keine Kontrolle über Glück oder Leid. Ich kann das Glück und Leiden des Lebens nehmen oder es mit Bier und Schokolade vermeiden. Das ist alles.

Goldene Zeiten mit Herzschmerz

Aha, hier sitzt mein Herzschmerz: Ich fühle mich hilflos. Es ist der Schmerz eines Missverständnisses in meinem Leben: Ich dachte, ich könnte das Leben mit Kontrolle einfangen. Es gut und leidlos machen. Aus Unwissenheit habe ich mein Leben falsch gelebt und lebe immer noch so. Womöglich könnte ich leichter leben. Spielerischer. Unsinniger. Unkontrollierter. Lebendiger.

Der Schmerz ist da. Ich könnte jetzt versuchen, mit ihm zu meditieren, ihn loszulassen, ihn auf die Metta Ebene zu heben und mir selbst mit liebender Güte entgegen zu treten. Doch lässt mich das Gefühl nicht los, dass auch das eine gewisse Form von Kontrolle ist. Die Schmerzen der Hilflosigkeit, des Ausgeliefertseins und des Nicht-Verstehens sind gerade sehr gegenwärtig und, zu meiner Überraschung, genieße ich diesen Herzschmerz im Grunde sogar. Er ist wahr und das ist ein Genuss.

Mein Enkel hat es mir vorgemacht, er weiß nichts von Metta Ebenen und auch nichts von liebender Güte. Etwas tut weh und er schreit. Das ist alles. Mir tut das Gefühl weh, mein Leben mit Kontrolle angefüllt zu haben und damit einen großen Teil des Lebens verpasst zu haben. Und ich weine darüber. Das ist alles. Sehr entspannend.

Und dann schaun mer mal, was dann geschieht.

Ein goldener Oktober mit Herbstgewittern, wahrscheinlich…

 

I feel pretty — ein Weg sich zu zentrieren… :)

 

 
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