Wahrheit tut weh

Warum auch positive Wahrheit weh tun kann.

‚Du willst dich ja nur in den Mittelpunkt stellen‘ –  das wurde mir als Kind gesagt, wenn ich um Aufmerksamkeit bettelte. Der Schmerz der Ablehnung war stark. Um ihn nicht zu spüren entschied ich mich schon damals, mich der ungerechten und unfreundlichen Welt zu entziehen und von nun an tapfer alleine meinen Weg zu gehen. Anerkennung für mich, so wie ich bin, gibt es sowieso nicht. Oder gar Liebe – daran ist noch nicht einmal zu denken.

 

Das Thema ‚Ablehnung‘ kommt in mein Bewusstsein durch einen wundervollen Kommentar, den eine Freundin auf der Danke-Seite schreibt:

„Danke liebe samarpan, für deinen Mut, dein Durchhalte- und Stehvermögen, deine Präsenz, deine Liebe zu Meditation und Da Sein, dein Vertrauen, deinen unermütlichen Einsatz, deinen Entschluss auch mit dem zu sein, was schwierig ist – du bist ein so schönes gelebtes Beispiel für all das was deine Seite beschreibt.“

 

In der letzten Zeit haben mich viele ähnliche Feedbacks erreicht. Es fällt mir schwer, sie wirklich anzunehmen. Es ist schon komisch, ein einziger Satz meiner Kindheit bringt mich dazu, mein Leben lang hauptsächlich Negativität, bzw. Ablehnung um mich herum wahrzunehmen. So sah ich die Welt als Kind und so sehe ich sie bis heute. Und whammmm, da ist dieser nicht übersehbare Kommentar, der die Sicht meiner getrübten Kinderaugen erhellt.

Mal ganz objektiv gesehen: Alles, was die Freundin über mich schreibt, stimmt. Yupp, es stimmt alles. Da ist also mindestens ein Mensch (und noch viele andere), der mich gesehen hat, ohne dass ich darum bettelte. Das sind Fakten.

Es ist interessant, dass ich die freundlichen Zeilen noch nicht einmal richtig lesen kann. Sie werden schnell eingescannt und als gelesen abgelegt. So, als ob sie keine größere Bedeutung für mich hätten. Mein Leben lang suchte ich jemanden, der mich versteht und in der Tiefe wahrnimmt und nie habe jemanden gefunden. Jetzt dämmert es mir, warum. Weil ich niemanden finden wollte. Ich wollte die Welt so sein lassen, wie ich sie kennengelernt hatte. Schmerzhaft, aber vertraut.

Die unermüdliche, unbewusste Suche nach Anerkennung einerseits und Ablehnung der Welt andererseits könnte hier ihr Ende finden. Der vergrabene Schmerz meiner Kindheit könnte losgelassen werden. Die Welt ist mir freundlich gesinnt. In der Meditation habe ich das erfahren, doch im täglichen Leben bisher nicht erlaubt, diese Erfahrung in Körper und Seele zu lassen.

Jetzt ist ein guter Moment, sich still hinzusetzen, alle Eindrücke loszulassen und die Stille eines Hauses zu genießen, dessen Bewohner sich auf dem Karneval vergnügen. In einer verrückten Welt, die so ist, wie ich sie wahrnehme.

 

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