Das Leben ruht sich im Tod aus

Das Festhalten am Leben erschafft die Angst vor dem Tod. Durchs Festhalten wird die Sicht vernebelt, die Einsicht und das Erkennen, dass der Tod kein Feind ist.
Das Leben ruht sich im Tod aus

„Der Tod ist nicht der Feind. Es sieht so aus, als ob er es wäre, denn wir halten zu sehr am Leben fest.

Die Angst vor dem Tod entsteht aus diesem Festhalten. Weil wir so sehr am Leben festhalten, werden wir unfähig zu erkennen, was der Tod wirklich ist. Nicht nur das: Wir können auch nicht erkennen, was das Leben ist.

Die Angst vor dem Tod ist die Angst vor dem Leben

Der Mensch, der nicht erkennen kann, was der Tod ist, wird auch nicht wissen können, was das Leben ist, denn in der Tiefe sind beides wie die Zweige des gleichen Baumes. Wenn du Angst vor dem Tod hast, wirst du auch im Leben Angst haben – denn es ist das Leben, das den Tod bringt.

Durch das Leben stirbst du.

Um das Sterben zu vermeiden, würdest du lieber einfrieren und immer gleich bleiben, damit du nicht mitfließen musst, damit du niemals zum Meer kommen und dort verschwinden wirst.

Ein Mensch, der vor dem Tod Angst hat, hält sich zu sehr am Leben fest. Doch die Ironie ist, dass obwohl er ganz am Leben festhält, er trotzdem nicht fähig ist, zu sehen, was das Leben ist. Sein Festhalten wird zum Hindernis. So kann er das Leben nicht verstehen.

Jemand, der am Leben festhält bleibt in einem tiefen Missverständnis stecken, in großer Unwissenheit.

Es ist also eines der grundlegendsten Dinge zu erkennen, dass der Tod kein Feind ist. Der Tod kann kein Feind sein. Die Wahrheit ist, den „Feind“ gibt es überhaupt nicht. Die ganze Existenz ist eins. Alles ist freundlich. Alles ist deins, die Existenz gehört dir und du gehörst ihr. Du bist kein Fremder hier.

Die Existenz hat dich geboren und dich bemuttert. Wenn du stirbst, dann gehst du einfach zu deiner ursprünglichen Quelle zurück und ruhst dich aus. Und wirst wieder geboren.

Der Tod ist wie eine Ruhepause.

Ohne sich auszuruhen ist Aktivität unmöglich. Das Leben ist wie der Tag und der Tod ist wie die Nacht. Ohne die Nacht, alleine für sich, kann der Tag nicht existieren. Es ist die Nacht, die dich für den Tag vorbereitet, es ist die Nacht, die dich erfrischt und dir die Energie zurückgibt.“

 

Osho, Zitat – Auszug aus Zen: The Path of the Paradox Vol.3 #7

Über meditatives Sterben

 

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2 Kommentare

  • Die Vorstellung „ich sterbe“ hat nur Bestand, wenn ich mit dem Körper-Verstand-Sinne-System identifiziert bin. Meditation bedeutet, sich dem zuzuwenden, was dieses System wahrnimmt und zu erkennen, dass du diese Wahrnehmung bist. Was „stirbt“, also was seine Form auflöst und in andere Formen transformiert, ist der Körper mitsamt seinen Pranas und mit dem Verstand. Das was dich tatsächlich ausmacht, das Unaussprechliche, was Körper, Pranas und Verstand lebendig macht, bleibt unberührt von allen Transformationen immer gleich. Du bist das. Wenn du das erkennst, bist du frei.

    • Lieber Franz,
      das ist schön erklärt und teilweise auch meine Erfahrung. Ich bin nur gespannt, ob ich mich beim Sterben daran erinnern kann. Oft vergesse ich im Leben, wer ich bin, zum Beispiel, wenn ich Schnupfen habe 🙂

      Alles Liebe und Gute dir, dem Lebendigen,
      von
      Samarpan,
      dem Lebendigen