Kein Kommen – kein Gehen

Wie sieht der Weg aus, bei dem es kein Kommen und kein Gehen gibt?
Kein Kommen – kein Gehen

Zenmeister Ikkyu hilft Zenmeister Ninakawa beim Sterben

Kurz bevor Zenmeister Ninakawa starb besuchte ihn ein anderer Zen-Meister, Ikkyu.
Soll ich dich anleiten?
fragte Ikkyu.
Ninakawa erwiderte:
Ich kam alleine hierher und ich gehe alleine wieder weg. In welcher Weise könntest du mir dabei helfen?
 
Ikkyu antwortete:
Wenn du denkst, dass du wirklich gekommen bist und jetzt wirklich gehst, wenn du denkst, dass du kommst und gehst, dann irrst du dich. Erlaube mir, dir den Weg zu zeigen, wo es kein Kommen und kein Gehen gibt.
 
Mit diesen Worten hatte Ikkyu den Weg so klar beschrieben, dass Ninakawa lächelte.
Ohne ein Wort zu sagen nickte er und verstarb.

Die Gelegenheit, die der Tod bietet

„Das ist eine sehr schöne Geschichte bei der ein Meister stirbt und ein anderer Meister kommt, um sich von ihm zu verabschieden. Was für eine Art, sich zu verabschieden! Die Gelegenheit, die der Tod bietet, wird von ihnen beiden genutzt.

Nur sehr bewusste Menschen können die Gelegenheit nutzen, die der Tod bietet. Wer dem Sterben unbewusst begegnet, für den ist der Tod ein Feind. Wer den Tod bewusst ansieht, für den ist er der größte Freund.

Im unbewussten Zustand erschüttert der Tod einfach nur alle deine Träume, alle deine Gewohnheiten, jeden Halt, den du aufgebaut hast, alles, in das du jemals Energie gegeben hast.

Der Tod ist im unbewussten Zustand der totale Zusammenbruch. Wenn du dem Tod bewusst begegnest, dann ist er der Beginn eines neuen Lebens, eine Türe zum Göttlichen.

Der Tod kommt immer überraschend

Sei aufmerksam auf den Tod, der unaufhaltsam kommt. Er ist schon auf dem Weg. Jeden Moment wird er vielleicht an deine Tür klopfen und du wirst alles sein lassen müssen, so wie es gerade ist. Immer wirst du mittendrin in etwas stecken, wenn du gehen musst. Man kann im Leben nichts abschließen.

Ninakawa sagte etwas sehr Bedeutsames: “Alleine kommen wir – alleine gehen wir”. Doch Ikkyu bestärkte etwas noch Tiefgründigeres. Er sagte: “Welches Weggehen? Welches Kommen? Du sprichst Unsinn, Ninakawa! Wer kommt? Und wer geht?

Im Meer steigen Wellen auf und verschwinden wieder darin. Wenn die Welle im Meer aufsteigt, dann ist sie immer noch das Meer, genauso wie sie es war, bevor sie anstieg. Formen kommen und verschwinden wieder, die Wirklichkeit bleibt wie sie ist. Alle Veränderungen sehen nur so aus. Tief, im innersten Kern verändert sich niemals etwas. Dort ist alles das Selbe. Alles ist auf ewig gleich.

Das ewige Zuhause

Wie sieht der Weg aus, bei dem es kein Kommen und kein Gehen gibt? Es gibt einen Platz innen in dir, der dein ewiges Zuhause ist, wo niemals etwas geschieht, wo sich niemals etwas verändert. Es gibt keine Geburt, keinen Tod, kein Kommen, kein Gehen, kein Aufsteigen, kein Verschwinden. Alles ist immer dasselbe.

Mit seinen Worten beschrieb Ikkyu den Weg so klar, dass Ninakawa lächelte, nickte und starb.”

 

Osho – Zitat-Auszug aus 
Secret of Secrets Vol.2 #11

 

Über meditatives Sterben

 

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