Das letzte Glück von Sokrates: Spontaneität

Wenige Stunden vor seinem Tod entdeckt Sokrates etwas, was sein reiches Leben noch vervollkommnet: Flöte spielen. Absichtslos, spontan Flöte zu spielen ist die höchste Erfüllung.
Das letzte Glück von Sokrates: Spontaneität

„Als Sokrates auf seinen Tod im Gefängnis wartete, verfolgte ihn immer wieder der gleiche Traum: „Sokrates, mache Musik!“ Der alte Mann dachte eigentlich, er hätte seine künstlerische Natur genug mit seinen Philosophien ausgedrückt. Doch jetzt, angespornt durch diese mysteriöse Stimme im Traum, wurden Geschichten zu Versen, sie wurden zu einer Hymne an Apollo verfasst.

Und er spielte auf der Flöte. Im Angesicht des Todes gingen Philosophie und Musik für kurze Zeit Hand in Hand und Sokrates war so glücklich – wie nie zuvor.

Er hatte noch nie Flöte gespielt, doch irgendetwas in ihm bestand darauf: „Mache Musik, Sokrates!“ Und das im Angesicht des Todes! Dabei hatte er noch nie gespielt, er konnte gar kein Musikinstrument spielen.

Ein Teil von ihm war nicht gelebt worden. Ja, sogar ein Mensch wie Sokrates kann eindimensional sein. Der verneinte Teil in ihm bestand darauf: „Genug von der Logik! Ein wenig Musik wird gut sein, sie wird dich ins Gleichgewicht bringen. Jetzt ist Schluss mit dem Argumentieren, jetzt ist es Zeit für die Flöte!“ Die Stimme war so beharrlich, dass er ihr nachgeben musste.

Seine Schüler konnten es kaum glauben. „Ist er verrückt geworden?“ Seine Musik war auch bestimmt nicht besonders großartig, denn er konnte ja gar nicht Flöte spielen. Es muss sich absolut ungeübt und kindisch angehört haben. Doch trotzdem war etwas von ihm dabei befriedigt, er hatte eine Brücke geschlagen. Er war nicht mehr eindimensional. Vielleicht war er zum ersten Mal in seinem Leben spontan. Vielleicht hatte er das erste Mal etwas absichtslos getan.“

 

Osho, Zitat – Auszug aus The Perfect Master Vol.2 #4

 

Weitere spirituelle Geschichten übers Leben

 

Gute Leute müssen sich ausdrücken.
Deine Meinung interessiert uns.