Innere Schönheit strahlt durch den Körper – Geschichte vom entstellten Mystiker

Innere Schönheit strahlt durch den Körper, doch man braucht geschulte Augen, um sie zu sehen. In dieser Geschichte stellt ein verkrüppelter Mystiker seine Schönheit unter Beweis – und führt Philosophen vor, die nur auf äußere Schönheit schauen.
Innere Schönheit strahlt durch den Körper – Geschichte vom entstellten Mystiker

Was ist innere Schönheit?

„Während du immer meditativer und friedlicher wirst, geschieht ein tiefer Einklang mit der Existenz. Du fällst in den gleichen Rhythmus wie das Universum. Auch das Universum hat seinen eigenen Herzschlag.

Wenn dein Herz erst einmal im Rhythmus mit dem universellen Herzschlag schlägt, wird er dein Wesen verwandeln — sich vom hässlichen Zustand animalischen Verhaltens in echte Menschlichkeit verwandeln.

Und sogar das Menschliche ist nicht das Ende. Du kannst weitergehen, tiefer suchen und einen Platz finden, wo du das Menschliche überwindest und etwas vom Göttlichen in dich eindringt.

Das innere Licht dringt durch alle Ritzen – auch im Alter

Wenn das Göttliche einmal da ist, ist es fast wie ein Licht in einem dunklen Haus. Die Fenster werden beginnen, das Licht zu zeigen; sogar die Risse in der Wand oder dem Dach, oder den Türen werden beginnen, das innere Licht zu zeigen.

Das Innere ist unglaublich kraftvoll, das Äußere ist sehr schwach. Das Innere ist ewig, das Äußere sehr befristet – wie viele Jahre bleibst du jung?

Schönheit entwickelt sich im Alter mit der Entdeckung des inneren Wesens.

Und wenn die Jugend verblasst, spürst du, wie du langsam hässlich wirst, wenn nicht auch dein inneres Wesen mit deinem Alter wächst. Dann wirst du sogar im hohen Alter eine Schönheit haben, um die Jugendliche dich beneiden können.

Denke daran, dass die Veränderung vom Inneren zum Äußeren geschieht; aber ich sage nicht, dass das immer so ist. Meistens geschieht es, aber manchmal ist das Äußere in einem so schlechten Zustand, dass sogar die innere Ausstrahlung das Äußere nicht verändern kann.

Die Geschichte des verkrüppelten Mystikers Ashtavakra

Es hat solche Fälle gegeben: ein sehr großer indischer Mystiker – ich habe fast ein halbes Jahr lang unaufhörlich über ihn gesprochen. Sein Name war Ashtavakra; und was er geschrieben hat, ist ungeheuer wichtig. In jedem Satz gibt es so viele Dimensionen zu erforschen, aber der Mann selbst war in einer sehr schwierigen Situation.

Der verkrüppelte, weise Mystiker Ashtavakra

Der verkrüppelte, weise Mystiker Ashtavakra

Ashtavakra – der Name war ihm gegeben worden, weil er beinahe wie ein Kamel aussah. An acht Stellen war sein Körper deformiert – ein Bein war länger, ein Arm war kürzer, sein Rücken war krumm – an acht Stellen war er deformiert. So war er geboren worden, in einem verkrüppelten, entstellten Körper.

Aber selbst in einem verkrüppelten und entstellten Körper ist die Seele so schön, wie in dem allerschönsten Körper.

Er wurde erleuchtet, aber sein Körper war zu starr, um mit dem inneren Wandel mitzugehen. Seine Augen begannen etwas von der Schönheit zu zeigen, aber der ganze Körper war in solch einem Durcheinander…

Wie der entstellte Ashtavakra den philosophischen Meister-Wettbewerb gewinnt: mit seinem Lachen

Es gibt dazu eine Geschichte:
Janak war in jenen Tagen der Herrscher von Indien und er war sehr an philosophischen Diskussionen interessiert. Jedes Jahr rief er eine große Versammlung von Gelehrten ein, von Philosophen, Theologen und wer sonst teilnehmen wollte. Es war ein Meisterschafts-Wettbewerb.

Der siegessichere Gelehrte Yagnavalkya

Der siegessichere Gelehrte Yagnavalkya

Ein sehr berühmter Philosoph, Yagnavalkya kam etwas zu spät. Die Konferenz hatte schon begonnen und er sah draußen 1.000 schöne Kühe stehen. Ihre Hörner waren mit Gold und Diamanten geschmückt. Sie waren der Preis für den Sieger. Es war ein heißer Tag und die Kühe litten unter der Hitze.

Er sagte zu seinen Schülern:
‚Ihr nehmt diese Kühe. Was das Gewinnen des Wettkampfes angeht, da bin ich mir sicher, dass ich gewinne. Warum sollten die Kühe hier leiden? Ihr bringt sie zu unserem Platz.‘
Sie hatten ihren eigenen Platz im Wald.

Sogar Janak konnte ihn nicht davon abhalten, weil er wusste, dass Yagnavalkya 5 Jahre lang ununterbrochen der Sieger gewesen war. Und er würde auch dieses Mal siegen, denn es gab niemanden, der ihn schlagen konnte.

Es ist nicht richtig, das Preisgeld zu nehmen, bevor man gewonnen hat, aber jeder war so von seinem Sieg überzeugt, dass niemand widersprach. Und seine Schüler nahmen alle Kühe mit.

Während Yagnavalkya debattierte, war auch ein unbekannter Gelehrter in der Versammlung. Ashtavakra war der Sohn dieses unbekannten Philosophen.

Seine Mutter wartete darauf, dass ihr Ehemann nach Hause kam. Es wurde spät und das Essen wurde kalt. Also schickte sie Ashtavakra, damit er seinen Vater nach Hause brachte, weil er den Wettbewerb nicht gewinnen konnte. Warum sollte er unnötigerweise seine Zeit verschwenden? Er war ein armer Gelehrter und es gab große Gelehrte dort.

Die Philosophen lachen über den entstellten Menschen

Ashtavakra ging. Es waren mindestens 1.000 Menschen in der Versammlung – die hochgebildeten und erfahrenen Gelehrten des Landes. Als Ashtavakra eintrat und sie seinen entstellten Körper sahen, begannen alle zu lachen.

Aber Ashtavakra war ein Mann von ungeheurer Integrität. Als sie anfingen zu lachen, lachte er noch lauter. Wegen seines lauten Lachens hörten sie auf. Sie konnten nicht verstehen, warum er lachte.

Janak fragte ihn:
‚Ich kann verstehen, warum die anderen lachen – wegen deines Körpers. Aber ich kann nicht verstehen, warum du lachst. Und du hast ihr ganzes Gelächter mit deinem Lachen gestoppt.‘

Ein einziger Mann ließ das Gelächter von 1.000 Menschen verstummen.

Ashtavakra sagte zu Janak:
‚Ich dachte, diese Versammlung sei für Gelehrte und Philosophen, aber es sind alles Schuhmacher. Sie können nur die Haut verstehen. Sie können nicht das Innere sehen, sie können nur das Äußere sehen.‘

Es herrschte eine große Stille. Er hatte eine große Wahrheit gesagt.

Philosophen, die nur auf das Äußere schauen

Janak löste die Versammlung auf und sagte:
„Jetzt werde ich nur noch Ashtavakra Fragen stellen. Allein durch sein Lachen und seine Einschätzung, dass ihr nicht das Innere, sondern nur das Äußere sehen könnt, hat er euch alle geschlagen. Ihr seid alle Schuhmacher. Schuhmacher arbeiten nur mit unterschiedlichen Tierhautarten.“

„Ich löse die Versammlung auf, und du Yagnavalka, bringe die 1.000 Kühe wieder zurück, denn du hast auch über Ashtavakra gelacht. Und als er lachte, wurdest du genauso still wie die anderen!“

Es war eine sehr sonderbare Situation; sie war so noch nie vorgekommen.

Und dann begann der Herrscher Janak seine lange Befragung. Er stellte Fragen und Ashtavakra beantwortete sie. Jede Antwort war von großer Bedeutung und Aussagekraft.

Für einen weisen Menschen ist Hässlichkeit ein Glück

Weil sein Körper in einer so schlechten Verfassung war, konnte sich Ashtavakra nicht mit ihm identifizieren. Manchmal kommt das Glück im Unglück. Er konnte nicht unter Leute gehen, denn wo er auch hinging lachten sie:
‚Sieh dir den Mann an!
Hast du schon mal etwas Hässlicheres gesehen?‘

Wer bin ich? – eine Frage die zu innerer und äußerer Schönheit führt.

Also war er die meiste Zeit im Haus, meditierte und fragte sich:
Wer bin ich? Mit Sicherheit bin ich nicht dieser Körper, denn ich kann mir dieses Körpers bewusst sein, ich kann diesen Körper von innen beobachten. Mit Sicherheit muss sich die Bewusstheit vom Körper unterscheiden.‘

Wegen seines verkrüppelten Körpers erfuhr er Erleuchtung. Das einzige Hindernis ist die Identifikation mit dem Körper. Doch er konnte sich nicht identifizieren; der Körper war so hässlich. Er schaute nie in einen Spiegel, es wäre so ein Schock gewesen.

Und Yagnavalkya musste die 1.000 Kühe in Ashtavakras Haus bringen. Er war jung und hatte 1.000 alte Philosophen besiegt, die in den alten Schriften sehr versiert waren.

Es ist eines der sonderbarsten Dinge in Indien, dass es über jedes Buch irgendeines prominenten Mystikers hunderte von Kommentaren gegeben hat, doch niemand hat Ashtavakra kommentiert. Und er muss mindestens 5.000 Jahre alt sein. 5.000 Jahre lang hat sich niemand seine Schriften angesehen – die so bedeutsam sind.

Nach innen gehen und die Schönheit des menschlichen Wesens erkennen

Innere Schönheit ist im Außen zu erkennen.

Seine innere Erleuchtung, sein inneres Verständnis konnte seine äußere Erscheinung nicht verändern. Und dennoch hat für diejenigen, die tiefer nach innen gehen, das Äußere keine Bedeutung. Sie hätten sogar in Ashtavakra große Schönheit gesehen, aber sie hätten nicht von außen geschaut, sondern sie wären aus ihrem tiefen Inneren gekommen.

Meistens verändert der innere Wandel das Äußere, wenn das Äußere nicht zu starr ist. Aber das Äußere verwandelt niemals das Innere.

Du brauchst Augen, um tief in das Wesen der Menschen hineinzugehen, was nur möglich ist, wenn du selbst nach innen gehst. Je tiefer du in dich selbst hinein gehst, umso tiefer kannst du in das Wesen anderer Menschen hineinsehen. Und dann öffnet eine völlig neue Welt ihre Türen.

Was im Inneren ist, muss nach Außen kommen. Wie könntest du es verstecken?

Meister der eigenen Schönheit

Kein Schönheitschirurg kann dich verändern. Aber du bist fähig, dich selbst zu verändern. Es liegt in deiner Hand. Niemand kann dein inneres Wesen beeinflussen, nur du selbst. Du bist der Meister deiner inneren Welt.

Und wenn die innere Welt still wird, werden deine Augen auf natürliche Weise tiefer, sie erhalten eine ozeanische Tiefe. Wenn dein inneres Wesen wolkenlos wird, wird auch dein Gesicht wolkenlos, es wird einfach ein offener Himmel.

Jede Pore des Körpers strahlt das innere Wesen aus.

Wenn dein inneres Wesen die Quelle deines Lebens entdeckt, die Flamme deines Lebens, beginnt jede Pore deines Körpers etwas von dieser Flamme auszustrahlen.

Dies ist die Regel. Ashtavakra ist eine Ausnahme. Ausnahmen sind nicht die Regel, sie bestätigen nur die Regel. Aber das Umgekehrte ist niemals vorher geschehen, und ich glaube nicht, dass es jemals geschehen kann.

Wir versuchen alle, äußerlich schön zu sein: Alle Arten von Make-up, alles Mögliche wird getan, um dein Äußeres zu verschönern.

Wir sind so sehr mit der Peripherie unseres Wesens identifiziert, dass wir vergessen haben, dass die Peripherie nicht allein existiert; es muss ein Zentrum im Inneren geben.

Und die Suche nach dem Zentrum ist die einzige religiöse Suche – nicht nach Gott, nicht nach dem Himmel, nicht nach irgendwelchen Belohnungen für dein Gutsein, nicht um Hölle und Bestrafung zu vermeiden.

Das innere Wesen erkennen

Es gibt nur eine authentische religiöse Suche, und die ist, dein innerstes Wesen zu erkennen. Es ist das Wesen des ganzen Universums. Indem du in deinen innersten Tempel gehst, bist du in den wahren Tempel eingetreten.

Alle anderen Tempel sind falsch, vom Menschen hergestellt; alle anderen Götter in diesen Tempeln sind falsch, sie sind vom Menschen gemacht.

Innere Anmut überflutet die äußere Erscheinung.

Nur eine Sache ist nicht vom Menschen gemacht, und das ist deine innerste Würde, deine innerste Anmut. Diese Anmut beginnt auch dein äußeres Wesen zu überfluten.

Und diese Anmut verwandelt nicht nur das Innere, sondern gibt auch deinem äußeren Wesen ein neues Aussehen: eine Unschuld, eine Klarheit, eine Tiefe, einen Frieden, eine Liebe.

Dies sind alles Blumen, die um dich herum blühen. Dann wird sogar dein Äußeres so schön, so musikalisch, so ein Freudentanz.

Aber du solltest beim Inneren beginnen.“

 

Osho, Zitat-Auszug aus Sat Chit Anand #27

 

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Anmut und Schönheit kommen von innen

Dieses Foto ist ein Bild aus dem Meditations-Handbuch Zuhause.

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