Warum wir immer schneller rennen

Nur schnell weg ––– von sich selbst! Wir rennen so schnell, damit wir uns nicht begegnen müssen. Warum? Lies hier...
Warum wir immer schneller rennen
Frage:
Warum renne ich nur immer so schnell?
Gibt es etwas, was ich nicht sehen möchte?

Antwort von Osho:
„Es bist nicht nur du. Fast jeder rennt vor sich selbst weg, so schnell er kann und das Problem ist, du kannst nicht vor dir davonlaufen. Wo immer du auch hingehst, du wirst du selbst sein.

Verurteilt von Kindesbeinen an

Die Angst ist, dich selbst zu kennen. Es ist die größte Angst in der Welt. Sie besteht, weil du so sehr von jedem für die kleinsten Dinge – die absolut menschlich sind – verurteilt worden bist. So hast du begonnen, dich vor dir selbst zu fürchten. Du weißt, dass du es nicht wert bist.

Die Idee ist sehr tief in dein Unterbewusstsein eingedrungen – dass du es nicht verdienst, dass du völlig wertlos bist. Natürlich ist der beste Weg dann der, von dir wegzugehen.

Jeder macht das auf seine eigene Weise: Einer rennt für Geld, ein anderer rennt nach Macht, jemand rennt nach Anerkennung, ein anderer rennt für Rechtschaffenheit, Frömmigkeit.

Am Höhepunkt des Erfolgs – und unglücklich!

Aber, wenn du genau hinsiehst, rennen die Leute nicht um irgendetwas zu erreichen, sie rennen vor etwas davon. Dass jemand wie verrückt nach Geld rennt, ist nur eine Ausrede. Er täuscht sich selbst und die ganze Welt.

Die Wahrheit ist, dass ihm Geld eine gute Entschuldigung zum Rennen gibt und die Tatsache versteckt, dass er vor sich selbst davon läuft. Das ist der Grund, warum er, wenn er Geld ansammelt, an einen Punkt unglaublicher Verzweiflung und Seelenqual kommt.

Was ist geschehen? Das war sein Ziel, er hat es erreicht, er sollte der glücklichste Mensch in der Welt sein.

Doch die Leute, die Erfolg haben sind nicht die glücklichsten Menschen in der Welt. Sie sind die unglücklichsten. Was ist ihre Qual? Ihre Verzweiflung ist, dass ihre gesamte Anstrengung gescheitert ist.

Jetzt gibt es nichts mehr, wonach sie rennen könnten und plötzlich begegnen sie sich selbst. Auf dem größten Höhepunkt ihres Erfolgs treffen sie niemanden anders als sich selbst. Das ist komisch, denn das ist genau der Typ, vor dem sie davon gelaufen sind.

Verurteilungen loslassen

Du kannst nicht vor dir davonlaufen. Im Gegenteil, du musst dir näher kommen, tiefer in dein Sein gehen und alle verurteilenden Töne loslassen, die dir von allen überreicht wurden, die du jemals gekannt hast.

Die Eltern, der Ehemann, die Ehefrau, die Nachbarn, die Lehrer, die Freunde, die Feinde. Jeder zeigt mit dem Finger auf etwas in dir, das falsch ist. Aus keiner Quelle kommt irgendeine Wertschätzung.

Die Menschheit hat für sich eine sehr komische Situation erschaffen, in der niemand entspannt ist, niemand gelöst – denn, in dem Moment, in dem du entspannst, begegnest du dir selbst.

Entspannung wird dir selbst zum Spiegel und du möchtest nicht dein Gesicht sehen, denn du bist so stark von den verurteilenden Meinungen der anderen geprägt.

Sogar die kleinsten Vergnügungen sind dir durch deine Kirche, durch deine Priester, durch deine Religion, durch deine Kultur verboten worden. Nur das Unglück ist zu akzeptieren, kein Vergnügen.  In dieser Situation, in der von jeder Quelle, von jeder Richtung nur Verurteilung kommt, ist es sehr natürlich für dich zu fühlen, dass du einfach ein Sünder bist.

Jede Religion hat seit Jahrhunderten gerufen, dass du in Sünde geboren wurdest, dass Leiden dein Schicksal ist – von so vielen Quellen  ohne Ausnahme – so dass es sehr natürlich für jedes Individuum ist, von dieser großen Verschwörung geprägt zu sein. Jeder ist darin gefangen.

Du verurteilst mich, ich verurteile dich

Und wenn du versuchst, das zu verstehen, wirst du sehr überrascht sein. Genauso, wie andere dich verurteilt haben, verurteilst du auch die anderen. Es ist eine beidseitige Verschwörung.

Genau wie deine Eltern dich nie als eine wertvolle Person akzeptiert haben, so tust du das gleiche mit deinen Kindern – ohne dir darüber bewusst zu werden, dass jeder ist, was er ist; er kann nicht anders sein.

Er kann vorgeben, jemand anders zu sein, er kann ein Heuchler sein, aber in Wahrheit wird er immer er selbst sein.

Dein Weglaufen ist nichts anderes, als noch mehr Heuchelei zu erschaffen, weitere Masken, damit du dich vor den Augen eines jeden völlig verstecken kannst. Es mag dir gelingen, dich vor anderen zu verstecken, aber wie kann es dir gelingen, dich vor dir selbst zu verstecken?

Du kannst auf den Mond gehen, du wirst dich dort finden. Du kannst auf den Everest steigen, du magst allein sein, aber du bist mit dir selbst. Wahrscheinlich wirst du in diesem Alleinsein dir selbst gegenüber noch wacher und bewusster sein.

Alleinsein lieben lernen

Alleinsein und die Angst, sich zu begegnen

Das ist eine der Gründe, warum Menschen auch so Angst vor dem Alleinsein haben. Sie möchten eine Menschenmenge, sie möchten immer Leute um sich herum haben, sie möchten Freunde.

Es ist sehr schwierig für die Leute, still und friedlich in ihrem Alleinsein zu sein. Der Grund ist, dass du im Alleinsein mit dir selbst zurückgelassen wirst – und du hast die dummen Ideen angenommen, dass du hässlich bist, dass du unsensibel bist, dass du lüstern bist, dass du gierig bist, dass du gewalttätig bist, dass es nichts gibt, was in dir wertgeschätzt werden kann.

Du fragst: „Warum renne ich immer so schnell?“

Weil du davor Angst hast, von dir selbst eingeholt zu werden. Und die Begleiterscheinungen des schnellen Rennens haben so viele Dimensionen. Dieses schnelle Wegrennen vor dir selbst hat eine Verrücktheit im Hinblick auf Geschwindigkeit erschaffen. Jeder möchte schnell irgendwo ankommen, mit soviel Geschwindigkeit wie möglich. […]

Alleinsein sollte eine der größten Freuden sein.

Die Leute rennen. Es ist gleichgültig, wo sie hingehen, was für sie wichtig ist, ist, ob sie so schnell wie möglich gehen oder nicht.

Welche Wahrheit kann jemand anders über dich erkennen?

Du fragst, „Gibt es etwas, was ich nicht sehen möchte?“ Es gibt viele Dinge. Im Grunde bist es du, den du nicht sehen möchtest – und das aufgrund einer falschen Konditionierung.

Mein ganzer Ansatz der inneren Verwandlung ist, dass du deine Konditionierungen loslassen musst. Was immer dir von anderen gesagt wurde, lass es einfach los. Es ist totaler Blödsinn. Sie kennen sich selbst nicht, was können sie dir über dich sagen, was die Wahrheit sein könnte?

Und die Meinungen, die du von anderen gesammelt hast… Versuche einfach zu beobachten, von wo du deine Meinungen her bekommst. Sie kommen nicht von einem Gautam Buddha, oder einem Jesus oder einem Sokrates.

Sie sind von Leuten, die genauso unwissend wie du sind. Sie geben einfach nur die Meinungen der anderen weiter, die ihnen gegeben wurden. […]

Alles wird über Jahrhunderte hinweg weitergetragen, es wird von einer Hand in die nächste weitergereicht, von einer Generation zur nächsten Generation – und das Spiel geht weiter. Das ist das Spiel, aus dem du gekommen bist.

Der einzige Weg da heraus zu kommen ist, deine Selbstachtung wieder zu entdecken, wieder deine Würde zu erhalten, die du hattest, als du ein Kind warst, als du noch nicht verunreinigt warst, als du noch nicht durch die Gesellschaft konditioniert und vergiftet warst und durch die Leute um dich herum.

Kind sein und schnell nach innen rennen

Sei wieder ein Kind und du wirst nicht vor dir selbst davonlaufen, du wirst nach innen, zu dir laufen. Das ist der Weg des Meditierenden. Der weltliche Mensch rennt vor sich selbst davon und der Sucher rennt nach innen, zu sich, um die Quelle seines Lebens, seines Bewusstseins zu finden.

Und wenn er die Quelle entdeckt, hat er nicht nur seine eigene Lebensquelle entdeckt, er hat auch die Lebensquelle des gesamten Universums, des gesamten Kosmos entdeckt.

Ein großartiges Freudenfest entsteht in ihm. Das Leben wird in jedem Augenblick ein Lied, ein Tanz. Du wirst total frei von allem Kauderwelsch, den dir die Gesellschaft überreicht hat. Du wirfst alle Konditionierungen weg, die dir die Gesellschaft überreicht hat, die ganze Vergangenheit.

Ich sage dir, nur eines hast du aufzugeben und das ist die Vergangenheit und nichts anderes. Wenn du die Vergangenheit aufgibst, wirst du total frisch sein, neugeboren. Und in dieser Frische zu sein, ist so ein Segen, so eine Verzückung… es kommt dir gar nicht in den Sinn, davon weg zu gehen.

Der Mensch, der sich selbst kennt, nimmt sich nie Urlaub von sich. Doch die meisten Leute benehmen sich unintelligent.

Davon zu laufen ist einfach nur wertvolle Zeit zu verschwenden und das Leben, das ein großartiges Lied hätte sein können, von großartiger Schaffenskraft, ein großartiges Lichterfest…

Je weiter du von dir selbst weggehst, umso dunkler wird dein Leben werden, umso unglücklicher, umso mehr von Angst besessen, umso mehr verwundet, verurteilt, abgelehnt von dir selbst.

Und je weiter weg du gelaufen bist, desto schwieriger wird es, den Weg zurück nach Hause zu finden. Du hast dich dir über viele Leben hinweg entfernt. Doch wenn du auf einem richtigen, meditativen Weg gehst, bist du nicht sehr weit von dir entfernt.

Sich selbst begegnen mit Meditation

Meditation hilft, sich besser zu sehen

Meditation ist die Abkürzung von wo du bist zu wo du sein solltest. Und Meditation ist so eine einfache Methode, dass jeder, sogar ein kleines Kind, in sein eigenes Wunderland eintreten kann.

Besser als wegzurennen ist es, nach innen zu rennen. Komme dir selbst näher und habe eine bessere Sicht von dir, denn niemand sonst kann deine innere Wirklichkeit sehen, nur du kannst den Glanz und die Herrlichkeit sehen. Und weil niemand sonst deine innere Schönheit sehen kann, verurteilen sie dich weiterhin.

Nur du kannst deine Glückseligkeit feststellen, nur du kannst letztendlich deine Erleuchtung geltend machen.

Unwissende Leute können deine Schönheit nicht erkennen

Sogar dann werden die Leute noch misstrauisch sein. Sie misstrauten Sokrates, sie misstrauten Gautam Buddha, sie misstrauten Jesus. Tatsächlich ist ihr Misstrauen darin verwurzelt, dass sie  ihr eigenes inneres Sein nicht kennen.

Wie können sie einem Gautam Buddha glauben, dass in der Stille des Herzens die letztendliche Verzückung ist? Sie wissen nichts vom Inneren, nicht einmal das ABC. Sie wissen nichts über Ekstase.

Sie mögen einem Buddha zuhören – nur wegen seiner Präsenz, seinen charismatischen Augen, seiner magnetischen Ausstrahlung – aber wenn sie nach Hause kommen, werden sie beginnen zu zweifeln und misstrauisch zu werden..

Und das geschieht sogar jetzt. Es ist Zeit, aufzuwachen.

Du hast soviel wertvolle Zeit, Energie, Gelegenheiten schon verschwendet. Aber es gibt immer noch Zeit – und in dem Moment, in dem du aufwachst, endet für dich die Nacht und der Tag beginnt.“

 

Osho, Zitat-Auszug aus Satyam, Shivam, Sunderam #16

Übersetzung: Samarpan P. Powels,
Copyright: OSHO ist eine eingetragene Handelsmarke (www.osho.com/trademarks)
der Osho International Foundation

 

Über die Sucht, sich zu bedröhnen

 

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6 Kommentare

    • Liebe Mathilde Maria Josephine,
      ja, das finde ich auch. Das Gefühl wegrennen zu wollen ist bei mir manchmal sehr subtil, ich bemerke es oft erst nachher. Irgendwann wache ich dann auf und es ist mir klar, dass ich wiedermal aus einer Situation weggelaufen bin. Es ist für mich sehr spannend, den Impuls, weglaufen zu wollen gleich in der Situation zu spüren. Denn meist ist die Angst unbegründet.
      Herzliche Grüße an dich
      Samarpan

  • immer wieder schön hier zulesen und so wie der text sind auch die menschen.
    Es erfrischt mich und geht noch tiefer als der Positive Bezug dazu.
    Ich kann es nur erahnen und sauge die Zeilen regerecht auf.
    Aber nur die wenigsten wollen sich selbst begegnen. Ich arbeite immer wieder an mir ohne mich daran zu klammern! Es ist mein Begleiter,ich selber bin es!
    danke dir von Herzen!

    • Hey Mario, sehr gerne nehme ich den Dank an. Obwohl er mir natürlich nicht gebührt, sondern Osho. Es freut mich sehr, dass du das Zitat so sehr schätzt, denn mir geht es genauso.
      Dann noch viel Freude mit deinem Begleiter 🙂
      Liebe Grüße
      Samarpan