Über die Sucht, sich auszuschalten

Sucht verstehen - und sie fällt weg
Über die Sucht, sich zu bedröhnen - Osho ZItat über Sucht

Über kurzes Vergnügen und die Sucht,
bewusstlos werden zu wollen…
Und wie man statt dessen Glückseligkeit findet

Ein Betrunkener muss
von einem kleinen Jungen
geführt werden,
dem er stolpernd folgt
nicht wissend wohin er geht
denn seine Seele ist feucht.

Seelen empfinden Vergnügen dabei,
feucht zu werden.
Eine trockene Seele ist das klügste und beste.
Heraklit

Vergnügen, der Weg, der nach unten führt

Das menschliche Bewusstsein bewegt sich auf zwei Wegen. Der eine Weg ist der des Wassers, der nach unten fließt. Der andere Weg ist der des Feuers, der sich nach oben bewegt. Dieses sind Symbole – Wasser und Feuer – doch sie sind sehr bedeutungsvoll.

Wenn du nach unten fließt wirst du mehr und mehr bewusstlos. Wenn du nach oben fließt wirst du mehr und mehr bewusst. Nach oben bedeutet Bewusstsein, nach unten ist Bewusstlosigkeit.

Heraklit nennt den Fluss des Bewusstseins, der nach unten geht einen Zustand von Feuchtigkeit, und den Aufstieg von Bewusstsein einen Zustand von Trockenheit.

Feuchtigkeit und Trockenheit hängen von Feuer und Wasser ab. Heraklit sagt, der Geist, der menschliche Verstand, vergnüge sich damit, feucht zu sein.

Über das Vergnügen bewusstlos zu werden

Jedes Vergnügen geht nach unten. Wann immer du Vergnügen suchst wirst du nach unten gehen, denn Vergnügen bedeutet, bewusstlos zu sein. Vergnügen bedeutet in einem bestimmten Zustand zu sein, wo du keine Ängste kennst.

Nicht, dass die Ängste verschwunden wären, doch du bist dir ihrer nicht mehr bewusst.

Die Welt bleibt die selbe. Die Angst ist da und wartet auf dich und wird größer. Sie wird nicht weniger, denn mit der Zeit wird sie sich vergrößern. Deine Probleme bleiben die selben, sie werden sogar noch komplizierter.

Während du bewusstlos bist,
wachsen die Ängste in dir.

Sie warten nicht darauf, dass du wieder bewusst wirst. Dein Leiden wächst, deine Sorge wächst und wartet auf dich. Du bist bewusstlos und hast deshalb keine Ahnung davon.

Wann immer du wieder Bewusstheit erlangst, wirst du den Problemen begegnen müssen, denen du entflohen warst.

Vergnügen ist eine Flucht. Deshalb lohnt sich Vergnügen nicht. In Wahrheit ist es nicht Vergnügen, es ist eine Art Selbstmord. Du entfliehst den Problemen, du wendest ihnen den Rücken zu, doch das wird nicht helfen sie zu lösen.

Du wirst zurückkommen müssen, denn wenn du einmal bewusst geworden bist, kann die Bewusstlosigkeit nicht mehr ständig bleiben.

Du kannst in Ohnmacht tauchen, doch wie lange kannst du unter Wasser bleiben? Einige Sekunden lang – und dann bist du wieder zurück an der Oberfläche.

Du kannst nicht lange bewusstlos bleiben. Alkohol oder Drogen oder Sex oder irgendetwas, mit dem du bewusstlos wirst, etwas in dem du für einen Moment lang alle Sorgen vergisst – das bringt dir Vergessen, doch Vergessen kann kein beständiger Zustand sein.

Der Teufelskreis, wenn die Energie nach unten fließt

Es hilft also in keiner Weise, Vergnügen hilft nichts. Du musst immer wieder zurückkommen und dann beginnt ein Teufelskreis. Wenn du zurückkommst und findest die Sorgen, die auf dich warten, die Ängste und die Probleme – und sie haben sogar noch zugenommen – dann bekommst du Angst und du wirst unruhig. Dein ganzes Sein zittert und wird zu Furcht.

Dann musst du immer wieder flüchten. Je mehr du flüchtest umso mehr steigern sich die Probleme. Je mehr Problemen du begegnen musst, desto mehr Alkohol wird gebraucht.

Und die Menge des Rauschmittels muss sich immer mehr steigern, denn du gewöhnst dich daran. Du nimmst eine bestimmte Menge einer Droge ein und am ersten Tag fühlst du dich bewusstlos. Nach ein paar Tagen bist du nicht mehr bewusstlos.

Du bleibst weiter bewusst, die Sorgen klopfen immer noch an die Tür, du kannst sie hören. Du brauchst eine größere Menge. Die größere Menge wird auch bald zu wenig sein. […]

Vergnügen, um die Hölle zu vergessen

Normalerweise sucht man die Bewusstlosigkeit, ein kleines Vergessen in der Welt von Sorgen, Ängsten, Beklemmungen, ein Vergessen dieser Welt, die wie die Hölle aussieht. Man möchte vergessen. Dein ganzes Vergnügen bezieht sich nur aufs Vergessen.

Heraklit sagt, sich zu vergessen ist ein feuchter Zustand von Bewusstsein. Das Wort ‚feucht‘ ist schön. Heraklit nennt diese Seelen ‚feuchte Seelen‘ und er sagt, dass Seelen Vergnügen genießen. Warum? Weil Vergnügen eine Fahrt nach unten ist. Dafür braucht es keine Anstrengung.

Du musst überhaupt nichts tun, du sinkst einfach nach unten. Es geht den Berg hinunter, du kannst leicht laufen. Es braucht keine Anstrengung, der Sog der Schwerkraft hilft dir nach unten. Sich nach oben zu bewegen ist schwierig. Deshalb suchst du nach Vergnügen und nie nach Glückseligkeit.

Glückseligkeit geht nach oben,
Vergnügen nach unten.
Vergnügen bedeutet vergessen,
Glückseligkeit bedeutet sich zu erinnern.

Gurdjieff sagt, dass es nur eine einzige Technik gibt um ganzheitlich zu sein, indem du dich an dich selbst erinnerst. Und alle Meister der Erde haben immer darauf gedrängt, bewusster und bewusster zu werden. Je bewusster du wirst, umso mehr entsteht innen in dir eine bestimmte Trockenheit.

Du wirst im wahrsten Sinne des Wortes trockener und trockener und immer wacher, und immer bewusster und aufmerksamer. Denn Bewusstheit ist Feuer, deshalb wirst du immer trockener.

Heraklits Weisheit ist heute aktueller denn je

Höre auf diese Worte und versuche sie zu verstehen. Sie werden eine große Hilfe auf dem Weg sein, dem du folgst.

Ein Betrunkener muss
von einem kleinen Jungen
geführt werden,
dem er stolpernd folgt
nicht wissend wohin er geht
denn seine Seele ist feucht.

Seelen empfinden Vergnügen dabei,
feucht zu werden.
Eine trockene Seele ist das klügste und beste.

Alkohol: die Kunst, sich selbst zu betrügen

Das ist sehr symbolisch. Wenn du betrunken bist fällst du zurück, du bildest dich zurück, du wirst wieder zu einem kleinen Jungen. Doch dieses Zurückfallen ist kein Wachstum.

Du bist damals zu einem kleinen Jungen geworden, nicht indem du zurückgefallen bist, sondern indem du gewachsen bist, nach vorne, nach oben. Indem du zurückfällst wirst du kindisch. Indem du zurückfällst wirst du nichts gewinnen, du wirst verlieren.

Im Zurückfallen wird dein ganzes inneres System verkrüppelt werden. Dann siehst du außen wie ein Erwachsener aus und innen bist du nur ein kleiner Junge. Kein Kind, sondern kindisch. Nicht unschuldig, sondern sehr gerissen und schlau.

Und die Gerissenheit sitzt so tief, dass du nicht etwa die anderen austrickst, sondern dir selbst, deinem eigenen Bewusstsein Streiche spielst, deiner eigenen Zukunft. Mit deinen schlauen Tricks verspielst du deine eigenen Möglichkeiten. Du fällst zurück, entwickelst dich zurück.

Was ein Betrunkener und ein Baum gemein haben

Du trägst alle Entwicklungsstufen, die du durchgangen bist, in dir. Einmal warst du im Mutterbauch. Ein Teil von dir bleibt immer noch in diesem Zustand, denn du kannst nicht so tun, als ob es das nie gegeben hätte.

Du wächst einfach und all diese Vergangenheit wird zu deiner Grundlage. In dir besteht alles, nicht nur von diesem Leben, sondern auch von anderen Leben.

Nicht nur in Form von menschlichem Leben, sondern auch aus Tierleben und Pflanzenleben. Alles besteht in dir, nichts ist verloren. Du trägst alles aus der Vergangenheit – du bist deine Vergangenheit. Die ganze Vergangenheit ist da und du kannst jeden Moment zurückfallen.

Es ist genau wie bei einer Leiter, du kannst zurückgehen. Und wenn du betrunken bist, dann gehst du zurück. Du wirst nicht nur zu einem Kind, du kannst auch zu einer Pflanze werden.

Schau dir einmal an, wie ein Betrunkener in der Gosse liegt. Er sieht überhaupt nicht menschlich aus. Er hat sich zurückgebildet, ist zu einem Gemüse geworden. Du kannst nicht einmal sagen, dass er lebendig ist.

Wie kannst du diesen Menschen menschlich nennen? Welche Form von Menschlichkeit zeigt er jetzt gerade? Was ist der Unterschied zwischen ihm und einem Baum?

Der einzige Unterschied ist, dass der Baum in einem besseren Zustand ist, denn zumindest ist er nicht betrunken. Doch dieser Mensch ist zurückgefallen, er ist wie ein Baum geworden.

Drogen machen einen Stein aus dir

Du kannst völlig bedröhnt sein. Im Westen gibt es das Wort ’stoned‘ (engl.: bekifft). Das ist sehr gut, du wirst wie ein Stein. Das ist das letzte Ding, du bist noch nicht einmal eine Pflanze. Du bist wie ein Stein und alle Möglichkeiten sind verloren. Du bist auf der untersten Stufe der Leiter angelangt, direkt am Boden.

Millionen von Jahre hast du dich zurückentwickelt – und das kann in Sekundenschnelle geschehen. Und dann wirst du hilflos, hilflos im negativen Sinn, ein Schwachkopf. Du benimmst dich wie ein Idiot, und weißt nicht, was du tust.

Du bist nicht, tatsächlich bist du einfach abwesend, deine Geistesgegenwart ist verloren gegangen. In dir existiert jetzt kein Zentrum. Das ist der Zustand von Feuchtigkeit: kein Zentrum. Du bist zu Wasser geworden, ohne ein Zentrum. Und das Wasser fließt über alles hinweg – ohne Richtung, ohne innere Ausrichtung.

Wenn du in diesem Moment stirbst, wirst du dir nicht einmal darüber bewusst sein, dass du tot bist. Was immer in diesem Moment geschieht, du wirst es nicht wissen. Du bist nicht. Das ist ein abwesender Geisteszustand. Du bist völlig nach unten gefallen, du hast den Boden erreicht.

Der Ausstieg aus der evolutionären Anstrengung

Nach unten zu sinken ist einfach. Und Seelen genießen es, denn alles was einfach ist genießt du. Keine Anstrengung wird gebraucht. Du brauchst keinen Weg zu folgen, von deiner Seite brauchst du nichts zu tun. Du brauchst dich nicht zu kümmern, du brauchst nichts zu denken – du fällst einfach. Das ist genau das, was Aussteigen bedeutet.

Du fällst aus der ganzen Anstrengung der Evolution heraus. Du bist nicht mehr Teil einer wachsenden Existenz, du bist nicht mehr Teil einer sich ständig entwickelnden Göttlichkeit. Du hast alles verloren.

Dieser Zustand ist der schlimmste überhaupt. Und das geschieht nicht nur über Rauschmittel, es passiert über viele Dinge. Das muss auch bedacht werden.

Es kann sein, dass du keine Rauschmittel nimmst, dass du keine Drogen benutzt, aber es gibt viele versteckte Drogen – jeder ‚Trip‘ kann zur Droge werden.

Versteckte Drogen
wie bspw. Mantra Chanting

Mantras singen — das Glück eines stehenden Teiches

Es kann sein, dass du ständig ein Mantra singst; nicht mit Bewusstheit, sondern einfach nur singend. Wenn du ein Mantra ständig ohne Bewusstheit singst wird es zu Alkohol, es bewirkt Bewusstlosigkeit. Du wirst dich sehr gut fühlen, doch keine Glückseligkeit erfahren. Du fällst zurück.

In Indien wurde dies über Tausende von Jahren praktiziert und Tausende von Leuten haben ständig Mantras gesungen. Wenn du gehst und sie dir ansiehst, wirst du finden, dass sie wie bekifft sind – über das Mantra wurden sie bewusstlos.

Natürlich haben sie keine Sorgen mehr, denn für Sorgen braucht es Bewusstheit. Sie sind glücklich, doch ihr Glück ist wie der Tod – leblos, versteinert. Ihr Glück ist nicht wie eine Blume, die erblüht. Ihr Glück ist wie ein stehender Teich und nicht wie ein fließender Fluss. Sie bewegen sich überhaupt nicht, die ganze innere Bewegung hat aufgehört.

Mantras – stärker als Rauschmittel

Ich habe schon einmal über die zwei Arten von Bewegung gesprochen: eine vertikale, die andere horizontal. Die Mantra-Sänger haben die horizontalen Bewegungen angehalten, doch sind sie nicht in die vertikale Bewegung gegangen. Sie sind so, als ob sie tot wären, lebendig in ihren eigenen Körpern begraben. Ihre Körper sind zu Gräbern geworden.

Du kannst viele dieser Menschen in der Nähe von Tibet, im Himalaya finden. Dort wirst du viele Leute finden, die nur da sitzen und Mantras singen.

Das ständige Chanten hat solch eine Langeweile in ihnen erschaffen, dass sie abgestumpft werden, sie haben all ihre Empfindsamkeit verloren. Sie sind durch das Singen nicht lebendiger geworden, sondern weniger lebendig. Sie können so abgestumpft werden, dass sie auf einem Nagelbett liegen können, denn sie spüren ihren Körper nicht mehr, sie sind innen geschrumpft.

Und das ist ein stärkeres Rauschmittel als jeder bisher erfundene Alkohol. Denn sie sind Meister ihres eigenen Alkohols, sie können ihn innen in sich erschaffen.

Mit Bewusstheit chanten

Indem du ständig ein Wort ohne Bewusstheit singst, entwickelst du dich zurück. Wenn du unbedingt ein Mantra chanten möchtest, dann tue das mit Bewusstheit, du musst ein Zeuge bleiben. Wenn du AUM, AUM, AUM, singst, dann musst du dabei ein Zeuge bleiben.

Das Singen sollte über den Körper getan werden und du solltest ein Zeuge bleiben. Wenn der Zeuge verloren geht, dann ist das Chanten alkoholisch – es ist zu einem Rauschmittel geworden.

Weitere Drogen:
Macht, Reichtum, Kunst

Politiker im Drogenrausch Macht

Und es gibt noch andere Wege sich zu berauschen. Ein Politiker ist auch auf einem Drogentrip. Macht, Prestige, sie sind alkoholisch. Wann immer also jemand zu Macht gelangt ist er nicht länger bei Sinnen. Macht verdirbt und verdirbt völlig, denn Macht ist eine Droge.

Wenn du an der Macht bist, kannst du nicht länger in deiner Bewusstheit verweilen. Dann beginnst du Dinge zu tun, die du dir nie vorstellen konntest. Du kannst es selbst nicht glauben, dass du solche Dinge tun kannst. […]

Macht ist eine Droge, die größte Droge die die Welt je gesehen hat. Und das ist sehr schön: Politiker sind immer gegen Drogen und dabei sind sie die größten Drogenverbraucher und auf dem größten Drogentrip!

Und man kann sich auch seine eigenen privaten Drogen machen. Reichtum: Schau dir einfach einmal an, wenn eine Person wohlhabend geworden ist – sie ist nicht mehr da, sondern völlig abwesend! Sie bewegt sich, sie arbeitet hart, aber sie weiß eigentlich nicht was sie tut. Sie ist völlig unbewusst.

Weitere Trips, wie man seine Bewusstheit verlieren kann

Und dann gibt es andere private Drogen. Du kannst ein Maler werden, oder ein Dichter und dann gehst du auf deinen eigenen Trip. Alles in was du dich vergessen kannst, alles in was du Bewusstheit verlieren kannst, alles womit du dich so identifizieren kannst, dass du – gleichgültig was du tust – den Zeugen verlierst, all das ist eine Droge. Und Heraklit nennt das ‚den feuchten Zustand‘.

Seelen lieben es, feucht zu werden.

Keine Anstrengung wird gebraucht, keine Anspannung, keine Begegnung mit der Realität. Du versteckst dich einfach. Du versteckst dich, du entfliehst, du verschließt deine Augen, genau wie ein Vogel Strauß. Und wenn du mit geschlossenen Augen bist und du nicht sehen kannst – dann bist du glücklich.

Das ist alles, was du Glück nennst. Doch dieses Glück kann nicht andauern – es ist nur im Moment.

Liebe – die biologische Droge

Wenn du dich in jemanden verliebst, dann fühlst du dich sehr sehr glücklich. Das ist eine Droge. Liebe ist eine Droge, die deine Körperhormone in dir erschaffen, es ist eine biologische Droge. Die Natur muss sie benutzen, denn die Natur kann sich nicht auf dich verlassen.

Denke mal darüber nach: Wenn es so etwas wie Liebe nicht gäbe, dann würde die Welt aufhören zu bestehen – denn Sex ist so lächerlich. Wenn es keine Liebe gibt, dann erscheint auch Sex völlig lächerlich! Wer würde schon Sex haben, wenn es nicht berauschen würde? […]

Du kannst die ganze Welt sehen – aber du kannst dich selbst nicht sehen. Das ist der Zustand von Feuchtigkeit: wenn man völlig bewusstlos ist und vergessen hat, wer man ist, was man tut und warum man es tut.

Die Wende kommt durch Meditation

Der schmerzhafte erste Blick in die Wirklichkeit

Wenn du zu meditieren beginnst, bist du am Anfang sehr verwirrt, weil du dir zum ersten Mal darüber bewusst wirst: Was tust du hier? Warum tust du das? Wofür?

Darüber warst du dir vorher nicht bewusst. Du fühlst dich sehr verwirrt, weil sich deine Augen zum ersten Mal für die Wirklichkeit öffnen. Und dann, wenn du nicht entfliehst, wirst du nach und nach fühlen, dass du zusammenbrichst – du bist nicht nur verwirrt, du wirst verrückt!

Du warst schon immer verrückt, doch du warst dir dessen nicht bewusst. Jetzt nimmst du die Verrücktheit wahr und sie muss angesehen werden. Und wenn du sie nicht ansiehst, dann kannst du nicht wachsen. Flucht ist kein Wachstum. Und alle Dimensionen von Rauschmitteln sind Fluchterscheinungen.

Wenn du in einem bewusstlosem Zustand bist, magst du glauben, dass du etwas sehr Bedeutsames tust, aber das ist reiner Glaube, der unbegründet ist. Wenn du bewusst wirst, erst dann kannst du erkennen, dass du bisher einfach nur Unsinn gemacht hast.

Es hatte dich nirgendwo hin geführt. Und woran du auch geglaubt hast, es war nur um dich selbst zu betrügen. […]

Die harte Wirklichkeit sehen –
und der Kreislauf beginnt von neuem

Deine Glaubenssätze sind deine Krücken. Du kannst ohne sie nicht laufen, du kannst ohne sie nicht leben. Du kannst dir nicht vorstellen, wie du ohne deine Glaubenssätze sein kannst – sie sind deine Stütze. Wenn du bewusst wirst, dann kannst du dir nicht mehr vorstellen, dass du so lange in so einem Zustand sein konntest.

Doch in einem feuchten Zustand des Verstandes geschehen die Dinge einfach so. Du hast keine Kontrolle mehr. Sie geschehen einfach und du reagierst nur darauf.

Eine Frau lacht dich an und du bist in sie verliebt. Du beginnst mit ihr zu sprechen und sie zu umschmeicheln und weil du sie wertschätzt, beginnt sie sich in dich zu verlieben.

Jetzt haben die Hormone die Steuerung übernommen. Jetzt bist du auf einem Drogentrip. Bald wirst du dir dessen bewusst werden und daraus austreten müssen. Und wenn du wieder daraus auftauchst, ist es schmerzhaft. Und du kannst den Schmerz nicht ertragen, er ist zu stark, unerträglich.

Nur um dich zu trösten wirst du dich früher oder später wieder berauschen und du wirst eine andere Frau finden. Und der gleiche Kreislauf beginnt, um sich zu wiederholen. Ein Mensch, der unter Drogen steht, kann alles glauben.[…]

Ein Betrunkener muss
von einem kleinen Jungen
geführt werden,
dem er stolpernd folgt,
nicht wissend wohin er geht,
denn seine Seele ist feucht.

Seelen empfinden Vergnügen dabei,
feucht zu werden.
Eine trockene Seele ist das klügste und beste.

Ihr alle zieht Vergnügen daraus, feucht zu werden, denn das ist am einfachsten zu tun. Das ist die einzige Freude daran: Es ist so einfach. Du brauchst nichts zu tun, du lässt dich einfach gehen und treibst mit.

Du fällst der Erde entgegen und die Schwerkraft zieht dich hinunter. Und du fühlst dich überglücklich, denn es braucht keine Anstrengung, keine Anspannung – nichts!

Trockenheit –
das Feuer der Bewusstheit entfachen

Bemühen ist notwendig

Die Leute kommen zu mir und sagen: Sie können nicht am frühen Morgen aufstehen, um die Meditation zu machen. Sogar so eine kleine Bemühung ist für dich zu viel. Und wenn du nicht am frühen Morgen zum Meditieren aufstehen kannst, was kannst du sonst tun? Was sonst denkst du kannst du tun?

Du möchtest keine Anstrengungen unternehmen – aber deine Ansprüche sind sehr hoch.

Auch jemand, der nicht morgens zum Meditieren aufstehen kann fragt, wie er einen ruhigen Verstand bekommt. Er fragt: „Wie kann ich Göttlichkeit kennenlernen?“ Er fragt: „Hilf mir! Ich möchte nicht mehr in diese Welt gehen“ – doch niemand geht in diese Welt.

Wenn du wie Treibholz lebst, wenn du dein Leben immer im Fall nach unten lebst, das Einfachste wählst, den Weg des geringsten Widerstandes wählst, den Weg ohne Herausforderungen, ohne Kampf suchst… nichts als sich fallen zu lassen und nach der Schwerkraft zu leben – dann brauchst du keine Anstrengungen zu unternehmen, um in die Welt zu gehen.

Dann brauchst du nicht zu gehen, dann wirst du gegangen, weil man so in die Welt kommt: Ein feuchter Zustand des Denkens wird sich immer um die Welt drehen.

Nur eine trockene Seele kann in den Himmel fliegen, denn für eine trockene Seele gibt es keine Schwerkraft. Der Sog nach unten existiert für eine trockene Seele nicht.

Die Bedeutung von ‚Trockensein‘ ist: bleibe aufmerksam. Was immer du tust, tue es wissend – was auch immer! Ich sage nicht ‚Tu dies nicht und tu das nicht‘. Sei einfach aufmerksamer bei allem, was du tust und dann hilft dir nach und nach jeder Akt immer trockener zu werden. Dann entsteht eine Loslösung in dir. Mit Aufmerksamkeit wirst du automatisch losgelöst.

Das Schönste: Liebe ohne Bindung

Du liebst eine Person, doch es ist keine Bindung. Du liebst eine Person, du kümmerst dich um sie, du teilst dein Wesen mit ihr, du gibst alles, aber es ist trotzdem keine Bindung an sie da – die Liebe ist sehr sehr gelöst. Und es gibt nichts Besseres als eine bindungslose Liebe – das ist das schönste Erblühen. Liebe und Losgelöstsein gleichzeitig: Das bedeutet, die Liebe versteht beide Polaritäten.

Das ist paradox – weil du ohne Bindung auch ohne Liebe sein kannst, oder du kannst ganz ohne Bindung lieben.

Es ist einfach, ein Extrem oder eine Polarität zu wählen. Beide Polaritäten zusammen zu wählen – bindungslos zu sein und zu lieben – was bedeutet das?

Es bedeutet, du bist wachsam. Du tust, was auch immer getan werden muss, aber bleibst dabei wachsam, du bist bedingungslos. Dann kannst du in dieser Welt leben ohne ein Teil von dieser Welt zu sein. Dann kannst du in der Welt sein und die Welt wird nicht in dir sein.

Diese Trockenheit kommt, wenn du mehr und mehr die Wege, mit denen du in den Schlaf fällst beendest. Schließe die Türen, durch die du nach unten fällst, schließe die Türen des Vergnügens – du suchst kein Vergnügen.

Erinnere dich, dass Glück nicht Vergnügen ist. Glück ist ein anderes Phänomen – es ist ein Seins-Zustand. Vergnügen bedeutet, sich zu vergessen, Glück ist sich zu erinnern.

Und wenn die Erinnerung vollständig wird, wenn die Erinnerung so uneingeschränkt ist, dass es keine Möglichkeit mehr gibt, hinunter zu fallen, dann entsteht Glückseligkeit. Zwischen Glückseligkeit und Vergnügen liegt Glück.

Gute Vorsätze helfen nicht – Beispiel Esssucht

Frage nicht nach Vergnügen, denn wenn du Vergnügen suchst, wirst du ein Opfer des Sogs nach unten, der Schwerkraft. Schaue dir eine Person an, die esssüchtig ist. Wenn sie isst, dann schau ihr genau zu. Du wirst sehen, dass sie völlig bewusstlos ist – denn wie viele Male, wie viele Millionen Male, hatte sie entschlossen nicht so viel zu essen?

Und immer wieder, wenn das Essen kommt, vergisst sie die Vorsätze oder sie rationalisiert: ‚Dieses Mal, nur noch dieses eine Mal… Das nächste Mal werde ich alles anders machen…'[…]

Niemand kann dich aufhalten

Hilfreiche Menschen, die das Gegenteil bewirken

Niemand kann dich aufhalten. Kein Wille von jemand anderem wird dir in irgendeiner Weise hilfreich sein. Im Gegenteil, er kann sogar zerstörerisch wirken. Jemand hält dich zuviel auf dem Weg in die Bewusstlosigkeit auf und dann beginnst du, gegen ihn zu gehen. Du reagierst. Der Fluss nach oben kann von niemandem erzwungen werden.

Und das ist ein sehr heikles und hintergründiges Phänomen, das man verstehen muss: Wenn die Leute zu sehr versuchen, dich gut zu machen und alle um dich herum sich dafür anstrengen, dann werden sie dich nach unten zwingen, weil dein Ego einen Widerstand fühlen wird.

Das muss feinfühlig verstanden werden, denn diejenigen, die dir helfen wollen, die Höhe zu erreichen, können dich nicht zwingen, sie können dich nur überzeugen.

Den Verstand spielerisch ablenken

Das ist alles, was ich tue. Ich sehe sogar manchmal, dass etwas angehalten werden könnte, doch kann es trotzdem nicht anhalten. Ich sehe, dass du den Schritt nach unten unternimmst und ich kann zu dir sprechen und es dir bewusst machen.

Ich kann sagen: ‚Halte an und dies und das wird dir in vielerlei Weise helfen‘. Aber das kann nicht gesagt werden, denn wenn ich zuviel sage, dann wird es dir helfen, in die Bewusstlosigkeit zu gehen.

Du würdest den Schritt sogar noch früher machen – weil dein Ego hinzukommen wird. Ich kann dich nur überreden. Ich kann deinen Verstand zerstreuen. Ich kann dir ein Spielzeug zum Spielen geben, damit du vergisst, dass du eigentlich einen Schritt unternehmen wolltest – dein Verstand ist abgelenkt.

Aber ich kann nicht sagen: ‚Nein, unterlasse diesen Schritt!‘ Sobald ich sage: ‚Nein!‘, ist es fast sicher, dass du diesen Schritt unternehmen wirst. […]

Trockene, liebevolle Anteilnahme

Seelen empfinden Vergnügen dabei, feucht zu werden.
Eine trockene Seele ist das klügste und beste.

Du tust alles, was möglich ist…

Die ganze Weisheit besteht darin, eine trockene Seele zu werden. Aber versuche zu verstehen: Trocken bedeutet nicht, dass du unsensibel wirst. Trocken bedeutet nicht, dass du dich nicht mehr kümmerst.

Trocken bedeutet nicht, dass du unnahbar und gleichgültig bist – Nein! Trocken bedeutet einfach, dass du bewusst wirst.

Du kümmerst dich, du nimmst großen Anteil, aber dieser Anteil wird niemals zur Sorge. Du kümmerst dich. Soviel, wie du für die anderen tun kannst – für deine Frau, den Freund, die Tochter, den Sohn, den Ehemann, den Vater, die Mutter – was immer du tun kannst, tue es hundertprozentig. Das ist alles.

Was immer dann passiert, du akzeptierst es. Es gibt keine Frustration mehr. Du tust alles was möglich ist, worüber solltest du enttäuscht sein? Dann kommt es auch nicht zur Frustration. Dann fragst du dich auch nicht, ob du das eine oder das andere hättest tun sollen.

Nein, du hast alles getan – dann ist es beendet! Du verlässt jede Beziehung sauber und nicht verschmutzt. […]

Die Flamme der Bewusstheit in dir

Wenn du bewusst bist, wirst du innen wie eine Flamme. Die Flamme brennt die ganze Zeit, sogar wenn du schläfst brennt sie. Normalerweise bist du ein Schlafwandler, sogar wenn du wach bist.

Aber wenn die Flamme brennt und du wach und aufmerksam in diesem Moment bist, aufmerksam auf alles, was um dich herum geschieht, wach – nicht konzentriert, denn wenn du dich konzentrierst, dann achtest du auf einen Punkt und dem Ganzen gegenüber wirst du unbewusst – einfach wach sein, offen, mit allen Türen offen, mit allen Wahrnehmungsebenen offen, du bist einfach aufmerksam … dann bleiben diese Türen offen, auch wenn du schläfst und die frische Luft fließt ständig hinein.

Tief unten brennt eine Flamme in dir und diese Flamme trocknet alle Feuchtigkeit, alle Bewusstlosigkeit. […]

Wertvolle Momente, um aufzuwachen

Was immer du tust, entscheide dich dafür, es nicht schlafend zu machen. Beobachte jede Handlung, jeden Gedanken, jedes Gefühl. Beobachte und bewege dich dabei. Jeder Moment ist sehr wertvoll – verschwende ihn nicht in Verschlafenheit.

Und wenn du jeden Moment als Gelegenheit nutzt, um bewusst zu sein, dann wächst nach und nach die Bewusstheit. Eines Tages entdeckst du, dass das Licht innen brennt.

Wenn du hart dafür arbeitest stehst du eines Morgens plötzlich als völlig neuer Mensch auf – trocken, bindungslos, voller Liebe, doch nicht in irgendeiner Weise verwickelt. Du bleibst in der Welt und beobachtest sie doch vom Hügel aus.

Das ist das Paradox, das erfüllt werden muss: in der Welt bleiben und doch der Beobachter auf dem Berg sein, zur gleichen Zeit, gleichzeitig in der Welt sein und sie dabei nicht sein. Und das ist die weiseste und beste Seele. Du hast das Potenzial.

So wie jeder Same zu einem Baum werden kann, so kannst du zu einem Buddha, einem Heraklit, einem Jesus werden. Aber du musst hart dafür arbeiten. Lauwarme Anstrengungen werden das nicht erschaffen. Du musst hundertprozentig kochen: 100° Hitze und dann geschieht die Verdunstung.

Verstrickte Liebe und Wut werden zu Befreiung und Mitgefühl

Wasser ist feucht, es fließt nach unten. Hitze ist trocken – durch Hitze fließt sogar Wasser nach oben. Mit der Flamme von Bewusstheit wird alles, sogar was du für falsch gehalten hast, richtig werden. Liebe scheint eine Verstrickung zu sein, ein Gefängnis. Mit Bewusstsein wird sie zur Befreiung, zur Freiheit.

Wut ohne Bewusstsein ist eine zerstörerische Kraft, eine selbstmörderische Kraft. Sie verletzt dich, sie tötet dich nach und nach, sie ist ein Gift.

Mit Bewusstheit bekommt die gleiche Energie eine andere Gestalt, sie wird zu Mitgefühl. Der gleiche Glanz ist auf deinem Gesicht zu sehen, aber nicht mit Ärger, sondern mit Mitgefühl. Das selbe Blut fließt, die selbe Chemie deines Körpers, aber einige fremde Elemente sind in dich eingetreten und die ganze Körperchemie verändert sich.

Durch Bewusstsein – die große Verwandlung

So werden Grundmetalle in Gold verwandelt. In Bewusstlosigkeit bist du ein Grundmetall, durch Bewusstsein wirst du zu Gold werden, du bist verwandelt. Nur das Feuer von Bewusstheit wird benötigt. Es mangelt dir an nichts, alles ist da.

Mit dem Feuer von Bewusstheit entsteht eine neue Gestalt. Dir fehlt nichts, erinnere dich daran. Du hast alles, was ein Buddha braucht.

Nur eines fehlt – und auch das ist tief verschlafen in dir drinnen. Du musst es nur aufwecken. Nur ein paar Anstrengungen um aufzuwachen, ein paar Anstrengungen um wacher zu werden.“

 

Anleitungen für Meditation

 

Osho, Zitat – Auszug aus
The Hidden Harmony (Die Verborgene Harmonie) #7
„Alles fließt“ – Vorträge über die Fragmente des Heraklit

 

Copyright © Osho International Foundation Trademark Information
Osho ist ein eingetragenes Warenzeichen von OSHO International Foundation www.osho.com/trademark

 

Gute Leute müssen sich ausdrücken.
Deine Meinung interessiert uns.