Dukkha (Leid) anerkennen – und feiern

Leiden erkennen und annehmen und das Leben in seiner letztendlichen Größe erfahren
Dukkha (Leid) anerkennen – und feiern

Normalerweise versuchen wir Menschen, Leiden zu vermeiden. Dabei entgeht uns das Beste: die Möglichkeit, das Leben feiern zu lernen – mit Leiden oder ohne. Leiden ist wie ein Schloss, für das der Schlüssel gefunden werden muss, der die Türe zum größeren Verständnis öffnet.

Buddha genügte es, einem alten, einem kranken und einem sterbenden Menschen zu begegnen. Er war so entsetzt über deren Leiden – welches ihm auch widerfahren würde – dass sein ganzes Wesen den Grund seiner Existenz wissen wollte.

Die meisten Menschen beginnen erst zu meditieren, wenn in ihrer Familie ein Unglück passiert und manche, wenn sie selbst dem Tod nahe stehen. Ähnlich wie Buddha erkennen die meisten Suchenden durch Leid ihren einzigartigen Weg zum Glück.

Was ist Dukkha?

Unbefriedigt, mit Schmerzen und dem Tod nahe

„Im übertragenen Sinne bedeutet dukkha Leiden, Leidunterworfensein, Unzulänglichkeit, Elend, Übel, Schmerz, Verletzung, Unbefriedigtheit: also die spannungsreiche Qualität aller Erfahrungen, die von Verlangen, Anhaften und Ego begleitet werden. Sorgen, Trauer, Schmerz, Unwohlsein sind dukkha; zusammen zu sein mit dem, was man nicht liebt, ist dukkha; getrennt zu sein von dem, das man liebt, ist dukkha; nicht zu bekommen, was man sich wünscht, ist dukkha.“
Wikipedia über Dukkha

Körperliches, geistiges und existentielles Leiden

Buddha hat drei Arten von Leid (Dukkha) unterschieden:

  • Das körperliche, unmittelbare Leiden
    (Kopfweh, Magenschmerzen …)
  • Leiden, das Körper und Psyche betrifft
    (bspw. Sorgen, Angst vor drohenden Gefahren…)
  • Leiden, das durch Phänomene entsteht, die nicht von Dauer sind
    Haben wollen – das Spiel des Egos. Wenn wir nicht bekommen, was wir wollen, leiden wir. Bekommen wir es, dann möchten wir es behalten. Sobald das Erhaltene verloren geht, sich auflöst oder uns genommen wird, leiden wir wiederum unter seinem Verlust.

 

Die letztere Art von Leiden hat mit Sterben und der Vergänglichkeit des Lebens zu tun. Die meisten Menschen vermeiden, sich ihrer vergänglichen Wirklichkeit auszusetzen. Wir machen uns vor und tun alles, um die Illusion aufrechtzuerhalten, wir seien unsterblich und die Dinge könnten festgehalten werden.

„Dukkha gilt als universelles Charakteristikum aller Phänomene; da die Dinge unbeständig sind, sind sie unzuverlässig und können uns nie zufriedenstellen. Der naturgegebene Verfall und die Auflösung der Dinge ist dukkha.“
Aus Wikipedia

Wie mit Leiden umgehen?

Leiden nicht verdrängen

„So subtil und schwer durchschaubar es auch sein mag, wir leiden wahrscheinlich in jedem Augenblick und auf allen drei Ebenen von dukkha. In der Übung des Dharma (in der Meditation) geht es aber letztlich nicht um die Auslöschung von dukkha, sondern darum, Erleuchtung oder Buddhaschaft zu erlangen: Dazu müssen wir die Leidhaftigkeit unserer Existenz zunächst einmal umfassend anerkennen.“
Buddhawege: Drei Arten des Leidens

Wertlos, hohl und leer –
das ist das Leiden

„Übersetzt kommt dukkha von „du“, was wertlos heißt und „kha“, was hohl oder leer bedeutet. Dukkha ist viel mehr als das bloße Unwohlsein, Schmerz und persönliche Katastrophe. Dukkha ist Illusion. Wir erschaffen Stress, es gibt ihn gar nicht. Um dies zu erkennen schlägt Buddha einen Weg vor:

  1. „Dukkha muss erkannt werden
  2. Der Grund, durch den Dukkha entsteht, muss erkannt werden
  3. Die Vielfältigkeit in Dukkha muss erkannt werden
  4. Die Auswirkung von Dukkha muss erkannt werden
  5. Die Beendigung von Dukkha muss erkannt werden
  6. Der praktische Weg, der zur Bewältigung (umgehen können mit) von Dukkha führt, muss erkannt werden

Nach den Worten Buddhas ist die Kenntnis und Erkenntnis dieser sechs Aspekte von Dukkha die unabdingbare Voraussetzung für jegliche geistige oder intellektuelle Entwicklung. Die volle Realisation ist vollkommene Befreiung und die Bewältigung von Dukkha. Die Nicht-Realisation davon ist Gefangenschaft im Kreis von Geburt und Tod. Im täglichen Leben äußert sich das Unwissen über Dukkha als Ratlosigkeit und Ausgeliefertsein.“
Aus Swissonline.ch
(Leider ist die Webseite nicht mehr online)

Osho über Buddhas Lehre vom Leiden

„Leiden existiert, doch wir sind uns dessen nicht bewusst.
Genau durch diese Unbewusstheit geschieht es, dass wir ein Leben im Leid verbringen – doch es macht uns nichts aus. Unser ganzes Leben verläuft in dieser nebligen Unbewusstheit, in dieser Schläfrigkeit, und so dauert das Leiden immer weiter an.

In dieser Unbewusstheit kommt das was ist nicht vor unsere Augen und die Träume über das was ist dauern fort. Es besteht eine Blindheit für die Gegenwart und die Augen werden auf die Zukunft ausgerichtet. In dem Rausch der schönen Träume von der Zukunft liegt das Leiden der Gegenwart unten drunter. Mit dieser Methode wird das Leiden nicht gesehen und genau diese Frage, darüber hinaus zu gehen, entsteht gar nicht.

Wenn ein Gefangener seine Ketten und die Wände seines Gefängnisses nicht erkennt, wo bleibt die Quelle in ihm, die nach Freiheit dürstet? Deshalb nenne ich diese Wahrheit die erste noble Wahrheit – die Wahrheit, dass wir über unser Leiden unbewusst sind.“

Osho, Seeds of Wisdom

Das Leben feiern

Ja, die Lebensumstände sind nicht perfekt. Meditation macht uns wacher über diese Tatsache. Wir erkennen mehr und mehr, wie wenig wir kontrollieren und festhalten können, wie sehr jeder Moment vorbeifliegt und in dieser einzigartigen Form nie wieder zu finden ist.

Die Erkenntnis der ständigen Verwandlung bringt eine überraschende Befreiung mit sich: Die Freiheit vom Ich, davon, etwas oder jemand Besonderes sein zu müssen, etwas zu erreichen oder sich und das Leben perfekt zu machen.

Aus Freude und Kreativität handeln

Wir leben im Leid, das ist unausweichlich. Selbst Menschen, die sich glücklich schätzen, leben im Leiden. Auch sie werden alles verlieren, auch sie werden ihr Liebstes loslassen müssen und den Weg in die Auflösung antreten. Dieser Schmerz ruht tief in uns.

Einmal angesehen, einmal in die Ewigkeit geschnuppert, bleibt nur eines zu tun: zu feiern! Das sich ständig wandelnde Leben zu genießen (trotz aller – ebenfalls vorbeifliegenden – Schwierigkeiten). Sich selbst zu genießen, jeden Moment. Sich selbst in seiner Einzigartigkeit wahrzunehmen und auszudrücken. Dieses Freudenfest passiert, wenn man meditiert.

Falls es zum Schlimmsten kommt –
vielleicht hilft es, ein Liedchen pfeifen?

 

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Ein Weg vom Leiden zum Feiern

2 Kommentare

  • Hallo Samarpan,

    bei der Frage um Leid hat Lao-tse folgendes hinterlassen:

    „Wer sein Nichtwissen für Wissen hält der leidet.
    Wer an seinem Leiden leidet, wird von seinem Leid erlöst werden.“

    Alle guten Wünsche,
    sam

    • Hi Sam,
      Hmm, ich glaube, das von LaoTsu verstehe ich nicht so ganz.
      Na gut, meine Erfahrung ist die gleiche, dass sich das Leiden irgendwann auflöst, wenn ich am Leiden leide. Stimmt.
      Aha, jetzt verstehe ich es plötzlich. Wenn man richtig leidet, dann hat man schnell die Nase voll davon. Die meisten Leiden lassen wir aber gar nicht zu und deshalb hängen sie dauernd rum… :)
      Liebe Grüße
      Samarpan

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