Anleitung fürs Loslassen

Mitfließen - Verbrennen - Sosein. Eine Anleitung zum Loslassen von Osho.
Anleitung fürs Loslassen von Osho

Wasser, Feuer und Stille –
die Natur als Lehrer

“Meditation bedeutet Hingabe, ein völliges Loslassen. Meditation bedeutet, völlig von sich selbst loszulassen.
Und wenn eine Person sich selbst völlig loslässt, dann fällt sie in die Hände der Existenz.

Solange, wie wir an uns selbst festhalten, können wir keine Einheit mit der letztendlichen Wirklichkeit haben.“
Osho

Wir müssen uns selbst loslassen; wir müssen uns selbst auslöschen. Wir sollen nicht mehr sein. Nur dann können wir eins mit dem sein, was wirklich ist.

Es ist genau so, als ob eine Welle sich völlig daran festhält, eine Welle zu sein, sie kann nicht zum Ozean werden, aber, wenn sie von sich selbst loslässt, in sich zerfällt, verschwindet, dann ist sie schon der Ozean.

Meditation ist keine Aktivität, die du tun musst; sie ist ein Loslassen jeglicher Aktivität. Meditation ist keine Übung, die du tun kannst; sie ist das Loslassen aller Übungen. Meditation ist einfach du selbst zu sein, wie du bist, was du bist, und nichts zu tun.

3 Experimente zur Vorbereitung auf Meditation

Wir werden zwei oder drei kleine Experimente machen, damit du diesen Zustand von Meditation verstehen kannst und von innen fühlst, was Meditation ist. Dann später werden wir in Meditation sitzen.

Es ist schwierig, Meditation in Worten zu erklären. Wäre sie eine Aktivität, eine Übung, dann hätte sie durch Worte erklärt werden können. Doch es ist einfach, das Gefühl von Meditation zu erfahren.

Wir werden also diese drei kleinen Experimente machen, um dir ein Gefühl davon zu geben und danach werden wir in Meditation sitzen.

Also zuerst müssen wir das erste Experiment verstehen und dann werden wir es 5 Minuten lang tun. Dann folgt das zweite Experiment und dann das dritte. Und dann werden wir das vierte Experiment tun – das von Meditation.

Die Anleitung lesen und dann selbst ausprobieren

Das erste Experiment wird gemacht werden, damit du Meditation von innen verstehen kannst, während du es tust. Zuerst höre zu, wie ich die Anleitung wiedergebe und dann wirst du sie tun.

Eins noch: Du solltest im Abstand von jemandem anders sitzen, niemand sollte jemanden berühren. Niemand sollte jemand anders berühren.

Dann schließe sanft deine Augen. Sie sollen nicht mit irgendeiner Anspannung zugehalten werden. Es ist, als ob deine Augen von den Augenlidern geschlossen werden, indem sie einfach zufallen. Es sollte keine Spannung auf den Augen liegen. Und erlaube dir selbst, völlig entspannt zu sein.

Schließe deine Augen und erlaube dir zu entspannen, es sollte keine Spannung im Körper bestehen.

Anleitung zur geführten Meditation

Der 1. Schritt: Loslassen in einem reißenden Fluss lernen

Nun, ich werde dich bitten, dir etwas innen in dir vorzustellen, damit du ein Gefühl dafür bekommen kannst, was es bedeutet zu meditieren. Male dir innen aus, dass ein riesiger Fluss dahinfließt, er fließt zwischen zwei Bergen. Der Fluss fließt schnell, die Strömung ist stark, es ist ein ungeheuer großer Fluss.

Stelle dir innen vor, dass ein großer Fluss zwischen zwei Bergen schnell hindurchfließt. Die Strömung ist ungeheuer schnell, wie ein Donner, es gibt Wellen und der Fluss fließt … Sieh es – sieh es ganz klar.

Der Fluss fließt sehr schnell … Du wirst es sehr klar sehen. Nun steige in den Fluss, doch du sollst nicht schwimmen: Fließe einfach mit ihm mit.

Klettere in den Fluss hinunter und beginne mit ihm mitzufließen. Bewege deine Beine und Arme nicht, fließe einfach nur, fließe nur, fließe einfach … Bewege deine Hände und Beine nicht, kein schwimmen, nur fließen.

Begib dich in den Fluss und lass los

Du sollst dich ganz in dem Fluss loslassen. Der Fluss fließt schnell und du fließt mit ihm mit, du fließt mit ihm. Fließe einfach immer weiter. Es gibt nichts zu erreichen, du brauchst kein Ufer zu erreichen.

Es gibt kein Ziel, es ist also auch keine Frage von schwimmen – du brauchst nur zu fließen. Lass los und fließe.

5 Minuten im starken Strom mitfließen

Diese Erfahrung, mit dem Fluss mitzufließen, wird hilfreich für dich sein, Meditation zu verstehen. 5 Minuten lang lasse von dir selbst los und fließe ständig weiter. Der Fluss hat kein Ende und er fließt immer weiter. Du hast mit ihm angefangen zu fließen.

Du brauchst nichts zu tun, du brauchst nicht einmal deine Hände und Beine zu bewegen, du brauchst einfach immer weiter zu fließen, fließe immer weiter. Male dir einfach aus, dass der Fluss dahinfließt und du begonnen hast, mit ihm mit zufließen. Du schwimmst überhaupt nicht, sondern fließt einfach nur …

5 Minuten lang erfahre einfach das Sich-Treiben-Lassen und das Mitfließen.

Du fließt, du fließt, du sollst dich völlig im Fluss loslassen. Du sollst überhaupt nicht schwimmen und deine Hände und Beine nicht bewegen, du fließt einfach nur. Lasse dich völlig los, wie ein trockenes Blatt das sich im Fluss treiben lässt.

Schau – du fließt dahin, du fließt, du fließt… Und mit dem Fließen kannst du beginnen, Hingabe zu erfahren.

Lasse dich völlig im Fluss los. Du wirst beginnen, Loslassen zu erfahren … Fließe – fließe ständig weiter. Der Fluss fließt sehr schnell, die Wellen bewegen sich schnell, du bist in dem Fluss und du fließt genauso. Du sollst nichts tun, fließe einfach immer weiter.

Jetzt lasse völlig los und fließe immer weiter. Der Fluss fließt schneller und du fließt mit ihm. Erfahre in der Tiefe dieses Gefühl von Mitfließen. Verstehe diese Erfahrung von Mitfließen, verstehe in der Tiefe, was das ist.

Dann wird es in der Meditation sehr hilfreich sein. Verstehe in der Tiefe diese Erfahrung von Mitfließen – diese Erfahrung, wenn du deine Glieder nicht bewegst und der Fluss dich weiter trägt, dich irgendwohin trägt.

Der Fluss macht alles, du sollst nichts tun. Sieh das ganz genau innen in dir, damit du das Gefühl davon hast. Der Fluss macht alles, wir machen gar nichts, wir fließen einfach nur.

Das 2. Experiment: Verbrennen

Jetzt öffne deine Augen langsam, um das zweite Experiment zu verstehen: Ich werde dir darüber erzählen. Öffne langsam, langsam deine Augen.

Meditation ist Hingabe;
Meditation ist sich selbst zu verlieren.
Meditation ist ausgelöscht zu sein;
Meditation ist in jeder Hinsicht zu verschwinden.

Das ‚Ich‘ loslassen

Es ist für dich notwendig, das ‚Du‘ loszulassen; es ist notwendig für dich, ausgelöscht zu sein. Dein Hiersein ist das Hindernis. Es ist genau das Gleiche, als ob jemand einen Baum fällt und der Baum fällt auf den Boden; oder, wenn ein Same, der neben der Erde liegt, aufbricht und verendet – du musst auch von innen aufbrechen und wirst ausgelöscht.

Das zweite Experiment geht darum, ausgelöscht zu sein:
Schließe deine Augen und entspanne deinen Körper…

Das erste Ding, womit wir experimentierten, war das Fließen. Das zweite Ding ist, ausgelöscht zu sein, völlig ausgelöscht zu sein.

Schließe deine Augen. Schließe ganz sanft deine Augen und erlaube dem Körper zu entspannen. Du hast deine Augen geschlossen und hast dem Körper erlaubt, zu entspannen…

Sich einen lodernden Scheiterhaufen vorstellen

Jetzt male dir einen Scheiterhaufen aus, der vor dir brennt. Holzscheite sind hoch aufgestapelt, die Flammen schlagen hoch und der Scheiterhaufen brennt lichterloh. Sieh das Feuer brennen; das ganze Holz ist in Brand gesteckt worden und der Scheiterhaufen brennt.

Sieh den brennenden Scheiterhaufen klar vor dir. Das Feuer hat sich entfacht, Flammen steigen zum Himmel hoch und der Scheiterhaufen brennt.

Jetzt nimm wahr, dass du nicht nur auf den brennenden Scheiterhaufen schaust, du liegst auf ihm. Du bist auf den Scheiterhaufen gelegt worden.

Alle deine Freunde, alle, die dir nahe stehen und dich lieben, stehen um den Scheiterhaufen herum. Der Scheiterhaufen brennt und du wurdest auf ihn gelegt. Es ist nicht mehr nur das Holz, das jetzt brennt, du brennst auch. Die Flammen schlagen hoch durch das Holz und du brennst auch.

Bald wird alles zu Asche verfallen sein – das Holz und du auch. Erfahre dich selbst, auf dem Scheiterhaufen zu sein. Sieh das vor dir – es ist dein Körper, der auf den Scheiterhaufen gelegt wurde und der im Feuer brennt.

Erfahre das 5 Minuten lang, damit du eine Bewusstheit darüber erlangst, was es bedeutet, ausgelöscht zu sein. Eines Tages wird dein eigener Beerdigungs-Scheiterhaufen angezündet werden müssen, eines Tages wirst du darauf gelegt werden; jeder muss eines Tages auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden.

Also hier und heute sieh es ganz klar vor deinen Augen: die hochschlagenden Flammen des Scheiterhaufens, die Feuersbrunst, die zum Himmel züngelt … und du liegst darauf: Nicht nur das Holz brennt, du brennst auch.

Sieh wie die Flammen immer größer und größer werden und dein Körper ist auch am Verbrennen; alles wird ausgelöscht, alles kommt zu einem Ende. Bald wird das Feuer gelöscht sein und nur Asche zurückbleiben.

Die Leute werden weggehen und das Bestattungsgelände wird leer sein.

Sieh dich selbst auf dem Scheiterhaufen.

Du verbrennst und die Freunde gehen weg

Die Flammen werden weiterhin hochschlagen, du brauchst nichts zu tun. Die Flammen werden weiterhin brennen und alles verbrennen – alles wird zu Asche werden.

Eine Zeit lang werden deine Freunde und deine dir nahestehenden und geliebten Menschen um den Scheiterhaufen herum versammelt sein, und dann werden sie auch weggehen. Nur die Asche wird zurückbleiben und da liegen, und das Bestattungsgelände wird wieder menschenleer werden.

Jetzt, wo du die Flammen klar siehst, beginne zu sehen, dass du auf diesen Flammen liegst und du auch brennst. Du brauchst überhaupt nichts zu tun – was soll man schon tun, während man brennt?

Man hat nur zu verbrennen. Das Feuer, die Flammen werden die Aufgabe erledigen; du brauchst nichts zu tun, außer zu brennen, außer ausgelöscht zu werden.

5 Minuten lang brennen und still werden

5 Minuten lang male dir aus, wie du auf dem Feuer, auf dem Scheiterhaufen liegst. Dann langsam, langsam werden die Flammen aussterben und du wirst still werden.

Behalte diese Erfahrung von völliger Vernichtung in deiner Erinnerung; sie wird dir in deiner Meditation hilfreich sein.

Die Flammen werden größer und größer, dein Körper wird gerade verbrannt, du wirst verbrannt. Die Flammen werden höher und höher, du wirst ausgelöscht – alles wird zu Rauch und Asche werden und dann wird das Bestattungsgelände wieder still werden.

Versuche nicht dich selbst in irgendeiner Weise zu retten – überlasse alles den Flammen. Alles wird verbrannt, alles ist ausgelöscht und alles wird still.

Alles wird verbrannt, alles kommt zu einem Ende

Beobachte wie die Flammen immer größer und größer werden, der Rauch dichter wird, alles wird verbrannt. Und auch du wirst gerade verbrannt, auch du wirst gerade ausgelöscht.

Sieh all das sehr klar, damit es in deiner Meditation hilfreich werden kann; Meditation ist auch eine Art Tod. Sieh, sieh sehr klar, dass alles brennt, alles wird vernichtet, alles kommt zu einem Ende.

Und du brauchst gar nichts zu tun, du brauchst nur verbrannt zu werden, ausgelöscht zu werden. Das Feuer wird alles tun. Was gibt es für dich zu tun? Das Feuer macht es alles; es verbrennt alles.

Die Flammen schlagen hoch und alles wird vernichtet.

Ein menschenleeres Bestattungsgelände bleibt zurück

Im Fluss hättest du schwimmen können, aber hier kannst du nicht einmal schwimmen. Hier ist Schwimmen unmöglich. Hier wird alles ausgelöscht – die Flammen bringen alles zu einem Ende.

Nur Rauch wird übrig bleiben, nur Asche bleibt; die Leute werden weggehen und das Bestattungsgelände wird menschenleer sein.

Die vorbeiziehenden Winde fachen die Flammen an, lassen sie sogar noch höher steigen … Alles wird verbrannt, alles wird verbrannt, alles wird verbrannt … Die Winde haben die Flammen noch stärker gemacht und bald wird sich alles in Asche verwandeln.

Du bist verschwunden und totale Stille bleibt zurück

Jetzt nimm wahr, dass alles verbrannt worden ist: die Flammen sterben aus, nur Asche bleibt übrig und die Leute gehen weg. Totale Stille hat sich über das Bestattungsgelände gelegt.

Die Winde werden immer noch blasen, die Asche wird hier und da herumfliegen, aber es wird keinen mehr auf dem Bestattungsgelände geben – die Leute haben begonnen, wegzugehen.

Alles ist sehr still geworden. Du bist verschwunden und nur die Asche bleibt zurück. Sieh das klar – für Meditation ist es sehr notwendig, das klar zu sehen. Sieh, wie alles weg ist: Nur die Asche bleibt zurück, die ausgebrannte Glut bleibt. Die Leute sind jetzt gegangen, keiner ist auf dem Bestattungsgelände übrig geblieben. Das Feuer ist ausgebrannt und du bist auch verschwunden.

Jetzt öffne langsam, langsam deine Augen, um zuerst von dem dritten Experiment zu hören und es dann zu tun. Öffne langsam deine Augen und sitze aufrecht.

Das erste Ding ist die Bedeutung von Fließen zu verstehen. Das zweite Ding ist die Bedeutung von ausgelöscht werden zu verstehen. Und das dritte Ding, das noch verstanden werden muss, heißt Sosein. Das dritte Experiment wird dich weiter als die ersten zwei bringen und du solltest diese drei Stufen gut verstehen.

Das 3. Experiment mit Loslassen: Sosein

Sosein: die Dinge sind, wie sie sind

Sosein bedeutet „Dinge sind, wie sie sind„. Die Straße ist voller Lärm, weil eine Straße voller Lärm sein wird. Die Vögel sind laut, weil Vögel laut sein werden. Die Wellen im Meer donnern gegen das Ufer, weil was sonst können Wellen tun?

Was passiert, passiert; es wird genau so geschehen, es ist so. Es muss so geschehen, es gibt keinen Weg, dass es anders sein könnte. Sosein bedeutet: Es gibt keinen Grund sich zu widersetzen; man braucht nicht zu erwarten, dass es anders sein könnte. Es ist, wie es ist.

Akzeptieren – die Dinge sind, wie sie sind

 

Das Gras ist grün, der Himmel ist blau, das Meer wogt mit Donner, die Vögel singen, die Krähen krächzen, Leute laufen auf der Straße, die Autos machen Lärm, ihre Hupen sind laut – es ist einfach so und ich habe keinen Widerstand gegen diesen Zustand. Ich stimme mit diesem Zustand überein.

Ich bin in völliger Übereinstimmung und Zustimmung, dass es so ist. Weder wünsche ich mir, dass die Krähen keinen Lärm machen sollten, noch wünsche ich, dass die Leute ihre Hupen auf der Straße nicht benutzen sollten; noch wünsche ich, dass die Wellen keinen Ton machen sollten.

Die Dinge sind so; die Welt ist so.

Die Welt ist so

Innen in dir solltest du dir dieses Verständnis über die Welt erhalten: Es ist so und ich bin in völliger Übereinstimmung damit. Und auch über dich selbst: Es ist so. Eine Ameise beißt in dein Bein und es schmerzt und juckt: Es ist so. Die Ameise beißt und es schmerzt und das Bein juckt und ich habe nichts dagegen. Es geschieht so.

Die Sonne brennt und Schweißtropfen fließen an mir herunter. Das ist o.k., denn wenn die Sonne scheint, dann schwitzt man. Ich habe keinen Widerstand dagegen, nichts muss getan werden; es braucht nur angenommen zu werden. Es ist so.

In dem Moment, in dem wir akzeptieren, in dem Moment fällt unser Widerstand; etwas in uns, das immer unruhig war, beginnt friedlich zu werden. Es war unruhig, denn es hatte immer gewollt, dass die Dinge in einer bestimmten Art sein müssen.

Es hat niemals akzeptiert: Es ist so. Die Sonne ist heiß, die Strahlen fallen auf die Erde, also wird Schweiß entstehen, die Sonne wird gefühlt werden – aber wir haben das niemals so akzeptiert. Manchmal wünschen wir, dass die Sonne nicht scheint, die Strahlen nicht heiß wären und es keinen Schweiß gebe.

Für jemanden, der sich in Meditation bewegt, werden diese Erwartungen zu einem großen Hindernis.

5 Minuten lang mit Sosein experimentieren

Die Frage ist also nicht, wie die Dinge sein sollten; vielmehr, dass ist, was immer ist. Friedlich zu werden hat nur eine Bedeutung: Was ist, ist, und wir nehmen das ganz an. Das ist der dritte Punkt – Sosein.

Das Experiment der nächsten 5 Minuten ist: Dinge sind, wie sie sind. Wir brauchen nichts zu tun; es gibt keine Möglichkeit irgendetwas zu tun. Wenn wir nicht da wären, dann wären die Dinge auch so. Das Meer hat schon immer Geräusche gemacht, die Krähen haben immer gekrächzt, die Vögel haben laut gezwitschert, die Leute liefen auf der Straße.

Und wenn wir nicht länger da sind, dann werden die Dinge auch so sein. Was ist also das Problem, wenn die Dinge so sind, wenn wir hier sind? Was ist die Schwierigkeit? Was hat alles, was geschieht mit unserem Hiersein oder Nicht-Hiersein zu tun?

Unruhe bedeutet, es anders haben zu wollen

Schließe deine Augen. Langsam lasse deine Augen entspannen; erlaube deinem ganzen Körper sich zu entspannen und sich wohlzufühlen. Schließe deine Augen und erlaube deinen Körper zu entspannen. Jetzt bewege dich in dieses dritte Experiment von Sosein, von „die Dinge sind, wie sie sind“.

Wir brauchen nichts zu tun, Dinge sind, wie sie sind. Die Welt ist so. Wo ist dann die Unruhe, wo sind die Schwierigkeiten? Die Dinge sind so. Ein Kind ist ein Kind, ein alter Mensch ist ein alter Mensch, ein gesunder Mensch ist ein gesunder Mensch, ein kranker Mensch ist ein kranker Mensch.

Die Vögel zwitschern, das Gras ist grün, der Himmel ist blau, an einem Ort ist die heiße Sonne, woanders gibt es Schatten – es ist so.

Zuhören, in Übereinstimmung mit dem, was ist

Erinnere dich jetzt daran, die Dinge sind so, wie sie sind. Es gibt keinen Widerstand dagegen, keinen Konflikt, keinen Widerstand. Wir haben keinen Konflikt, wir koexistieren innerhalb all dieser Dinge. 5 Minuten lang lasse dich in diesem Zustand von Zustimmung sein.

Du wirst das Krächzen der Krähe anders hören; wenn du es annimmst, wirst du den Ton der Krähe anders hören. Wenn es dazwischen keinen Konflikt gibt, wird die Mauer zwischen den beiden fallen. Höre zu …

Du wirst den Lärm der Straße anders hören. Wenn es keinen Widerstand dagegen gibt, wirst du den Lärm der Straße anders hören. Höre zu …

Jetzt erscheint das Geräusch des Meeres nicht mehr wie ein Feind, es scheint nicht mehr zu stören. Höre zu … Wir haben damit keinen Konflikt; was immer ist, ist. Wie auch immer es ist, es ist.

5 Minuten lang sei ohne Widerstand gegen irgendetwas, was ist. Tauche ganz darin ein.

Schau, die heiße Sonne scheint nicht mehr dieselbe zu sein – was ist, ist. Jetzt scheint nichts mehr dasselbe zu sein; jetzt existieren wir nicht als Feind gegenüber allem, was um uns herum ist, sondern als Freund. Wir sind in Übereinstimmung mit allem das ist.

Behalte dir diesen dritten Schlüssel gut in Erinnerung:
Sosein – was ist, ist.
Verstehe in der Tiefe,
dass die Dinge sind,
wie sie sind.

Dinge sind, wie sie sind; es gibt keinen Widerstand dagegen, keine Feindlichkeit und keine Erwartungen, dass sie anders sein sollten. Dinge sind, wie sie sind. Die Sonne ist heiß, der Schatten ist kühl, das Meer tut, was es soll und die Leute, die auf der Straße gehen, tun ihre Dinge – es sollte überhaupt keinen Widerstand dagegen geben.

Es geschieht einfach so; Es passiert zufällig so. Zufällig ist es so und wir erfahren es. Es braucht nichts verändert zu werden, nichts muss angepasst werden, keine Veränderung ist gebraucht.

Lasse dich dieses Verständnis dieses dritten Schlüssels durchdringen, denn es ist wesentlich, um tief in Meditation zu gehen. Was ist, ist.

Jetzt öffne langsam langsam deine Augen. Es gibt noch zwei bis drei weitere Punkte zu verstehen und dann werden wir in Meditation sitzen. Ich habe versucht, dir jeden dieser drei Punkte zu erklären, denn in der Meditation werden alle drei gebraucht.

Ergänzende Hinweise zur geführten Meditation

Wahrheit enthüllt sich durch Mitfließen

Das erste ist: mitfließen, sich treiben lassen, nicht schwimmen. Wir schwimmen unser ganzes Leben, wir lassen uns nie treiben. Und es gibt ein paar Dinge, die niemals erreicht werden können, indem man schwimmt. Sie können nur durch Mitfließen erreicht werden.

Die Existenz, die Wahrheit oder Wirklichkeit können niemals durch Schwimmen erreicht werden, sondern nur durch Mitfließen.

Wer immer bereit ist, sich treiben zu lassen, wird den Ozean erreichen. Der Fluss selbst trägt dich dorthin. Wer auch immer bereit ist zu fließen, den trägt das Leben selbst. Er braucht keine Anstrengung zu unternehmen, um irgendwohin zu gehen. Durch Schwimmen wird man niemals den Ozean erreichen.

Durch Schwimmen kann man höchstens vom einen Ufer zum anderen gelangen, jedoch nicht zum Ozean. Wer immer den Ozean erreichen möchte, braucht nicht zu schwimmen, braucht nicht zu kämpfen und gegen den Fluss anzugehen, er sollte beginnen, sich treiben zu lassen.

Das Leben selbst bewegt sich zur letztendlichen Quelle, und wenn wir das nicht verhindern, dann bringt das Leben uns von selbst zur letztendlichen Quelle. Doch im Moment halten wir den Fluss an vielen Orten an, deshalb ist es nicht möglich, die Quelle zu erreichen.

Das Erste ist also die Erfahrung, sich treiben zu lassen und das zweite ist die Erfahrung zu verschwinden.

Aufgeben, sich retten zu wollen

In allen unseren Leben versuchen wir, uns selbst zu retten: Wie kann ich mich irgendwie retten? Aber es kann keine größere Täuschung als das geben. Wir werden nicht gerettet werden. Und das, was überleben wird, braucht nicht gerettet zu werden – es ist für immer gerettet.

Was wir versuchen zu retten wird auf jeden Fall vernichtet werden – das ist der Grund, warum wir damit beschäftigt sind, es zu retten. Keine unserer Anstrengungen wird helfen; es wird ausgelöscht werden.

Und das, was überleben wird, wird nicht aufgrund unserer Anstrengungen überleben; es ist schon gerettet, es kann überhaupt nicht ausgelöscht werden. Das, was innen in uns ist und überleben wird, ist für immer gerettet.

Und das, was ausgelöscht werden wird, ist dem Untergang geweiht: Alles, was in unseren Anstrengungen es zu retten geschehen kann, ist, dass wir total erschöpft enden werden. Es gibt kein anderes Ergebnis aus unseren Anstrengungen.

Bereit zu sterben

Deshalb habe ich dir den zweiten Schlüssel genannt – den des Sterbens, den, total ausgelöscht zu werden, den, bereit zu sein zu sterben. Vergiss nicht, wer dazu bereit ist zu sterben, verdient das Recht für die Ganzheit des Lebens, denn alle die Türen öffnen sich in jemandem, der sich nicht davor fürchtet zu sterben.

Das Leben betritt ihn durch alle Türen. Wir haben alle unsere Türen geschlossen und sitzen innen und verstecken uns dort, wegen der Angst, dass der Tod vielleicht kommen könnte, dass wir vielleicht vernichtet werden.

Das Leben kann so in uns auch nicht eintreten, denn die Türen sind dieselben: Das Leben kommt durch dieselben Türen wie der Tod und wir halten sie geschlossen.

Wir haben die Türen geschlossen, damit kein Feind eintreten kann, doch die Freunde kommen durch dieselben Türen. Die Türen sind verschlossen und Freunde haben aufgehört zu kommen.

Wir sind innen drinnen und damit beschäftigt, uns zu schützen. Lass alle die Türen gehen. Jemand, der bereit ist ausgelöscht zu werden, lässt alle Türen offen.

Diese Öffnungen, diese Offenheit, ist nur der Person möglich, die bereit ist, vernichtet zu werden. Diese Person hat keinen Grund dafür, die Türen zu schließen. Sie ist sogar bereit zu sterben, welche andere Angst kann da noch bleiben? Sie ist bereit, sogar ausgelöscht zu werden, wer kann sie also noch vernichten?

Der zweite Schlüssel also, über den ich gesprochen habe, ist die Bereitschaft ausgelöscht zu werden, denn in dem tieferen Prozess von Meditation ist der Prozess zu sterben mit beinhaltet. Und derjenige, der gelernt hat, wie man stirbt, hat auch die Kunst zu leben erlernt.

Vorstellungen über das Leben loslassen

Das dritte Thema über das ich gesprochen habe ist, dass die Dinge sind, wie sie sind, kämpfe nicht mit Ihnen. Nimm das Leben nicht als Feind; stehe nicht als Kämpfer da. Aber wir alle stehen wie die Gegner da; wir kämpfen mit allem und fordern, wie das Leben zu sein hat.

Die Dinge sind für uns nicht zu akzeptieren, wie sie sind, deshalb stehen wir dem ganzen Leben feindlich gegenüber. Als Ergebnis ändert sich das Leben nicht, aber wir sind dadurch gebrochen und zerstört.

Die Tiefen von Meditation werden nur erreicht, wenn wir aus ganzem Herzen das Leben annehmen, wie es ist: Es ist so. Sogar ein Dorn wird für uns annehmbar. Wenn er uns sticht, werden wir sagen: Weil es ein Dorn ist, muss er uns piksen. Blumen sind auch für uns annehmbar.

Und weil sie uns nicht piksen, sagen wir: Sie können nicht stechen, weil sie eben Blumen sind. Wenn es ein Dorn ist, wird er stechen und wenn es eine Blume ist, wird sie nicht stechen.

Aber beide sind für uns annehmbar, die ‚Dornheit‘ des Dorns ist annehmbar für uns wie die Blume, die eine Blume ist. Wir haben weder einen Widerstand gegen den Dorn, noch einen Wunsch, den die Blume für uns zu erfüllen hat. Wir akzeptieren die Dinge, wie sie sind.

Nur mit einer solchen Akzeptanz kann jemand friedlich werden. Frieden ist letztendlich ein Ergebnis von völliger Akzeptanz. Wenn du unruhig bist, dann solltest du deine Unruhe ebenfalls annehmen: Ich bin unruhig. Und du wirst finden, dass diese Akzeptanz dich in Frieden bringt.

Wie kann ich meine Unruhe verlieren?

Einmal ging ein Mann zu einem Mystiker und sagte zu ihm:
„Du bist sehr friedlich und ich bin sehr unruhig“.

Der Mystiker antwortete:
„Das ist sehr gut, sehr gut. Ich bin friedlich und du bist unruhig, das ist alles. Was bleibt sonst noch zu tun?“

Der Mann sagte:
„Nein, das ist nicht alles. Ich möchte auch friedlich sein.“

Der Mystiker sagte:
„Das ist sehr schwierig. Wie kann jemand der unruhig ist friedlich werden? Nimm deine Unruhe an. Du solltest sagen, ich bin unruhig und das ist gut so. Du solltest aufhören, gegen deine Unruhe zu gehen.“

Der Mann antwortete:
„Aber ich muss friedlich werden!“

Der Mystiker sagte:
„Dann gehe bitte weg, denn ich sage dir gerade, dass du, indem du friedlich werden möchtest, Unruhe erschaffst. Jeder, der etwas werden möchte, wird unruhig werden. Du bist unruhig, akzeptiere, dass du unruhig bist und dann schaue, ob nicht etwa Frieden zu dir kommt. Er wird kommen.“

Die Verwandlung kommt mit völliger Akzeptanz

Wenn ein Mensch seine Unruhe annimmt, dann für wie lange kann Frieden von ihm weg bleiben? Wie lange kann er ihm ausweichen? Frieden wird zu dem Menschen rennen, der dazu bereit ist sogar seine Unruhe anzunehmen, denn jetzt gibt es keinen Weg ihn aufzuhalten.

Also, die Verwandlung kommt mit der völligen Akzeptanz von dem, was ist – von dem, was natürlich ist. Und dann folgt alles andere auf natürliche Weise.

Ich habe dir diese drei Schlüssel gegeben. Behalte sie in Erinnerung, denn jetzt musst du tief in die Meditation gehen und sie benutzen.“

 

Osho, Zitat – Auszug aus Compassion and Rebellion

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Osho ist ein eingetragenes Warenzeichen von OSHO International Foundation www.osho.com/trademark

Übersetzt von Samarpan P. Powels, FindYourNose

Loslassen Hörprobe zur Audio AnleitungHörprobe zur geführten Anleitung ‚Loslassen‘

Eine kraftvolle Meditation bei Schmerz, Trauer und Wut und zur Erforschung von Bewusstheit

 

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