Die größte Rebellion: Mache nur, was dich erfreut

Diese Meditation ist reine Rebellion und führt zu großer Tiefe, Entspannung und zuletzt zur Auflösung des Ichs: Mache nur, was dich erfreut. Probiere es aus.
Mache nur, was dich erfreut - die größte Rebellion

Mache nur, was dich erfreut —
und was soll daran Meditation sein?

Dieser einfache Satz klingt wie die Aufforderung zu Egoismus und Verantwortungslosigkeit…. zumindest hätten das meine Eltern gesagt.

Sie hatten nie das Glück, diesen Satz wirklich im Leben zu erfahren und mit ihm in der Tiefe zu experimentieren. So ist ihnen das Geschenk von Freiheit, Entspannung und Zentrierung nicht bewusst begegnet, das diese Meditationstechnik unweigerlich mit sich bringt.

Heute ist der glückliche Sonntag, an dem es für mich wieder einmal Zeit ist, mit dieser nicht so ganz einfachen Meditation zu experimentieren. Gestern hatte ich 4 Meditationen für Sonn- und Feiertage auf FindYourNose gestellt und war über diesen Satz in der Meditationsanleitung gestolpert. Osho erzählt von seinen Experimenten:

 

„Du gehst über die Straße und plötzlich bemerkst du, dass dir das Gehen keinen Spaß mehr macht. Halte an. Schluss damit! Es ist keine Freude dabei, also wird es nicht gemacht.

Ich habe diese Übung in meinen Tagen in der Universität praktiziert und die Leute dachten, ich sei verrückt. Plötzlich hörte ich auf zu gehen und stand mehr als eine halbe Stunde an der gleichen Stelle, solange, bis es mir wieder Freude machte, weiter zu gehen.“
Osho

 

Bekommst du eine Ahnung, welchen Mut und welche Rebellion diese Meditation bedeutet?

Ich bin wiedermal berührt von der großen inneren Freiheit, die Meditation mit sich bringt. Und, wie oft, wenn mich etwas berührt, entschließe ich mich zur Handlung. Heute ist also der Tag für meine private Rebellion: Ich mache nur, was mich erfreut.

Was geschieht ganz konkret,
wenn ich nur mache, was mich erfreut?

Vor 3 Tagen ist die neue Matratze geliefert worden. Ich liege darauf wie von warmen, freundlichen Händen gehalten. Als ich morgens aufwache, genieße ich das Gefühl, körperlich total zu entspannen und mich auf dieser Matratze wohl zu fühlen. Ich entspanne bis in die Knochen und genieße es, alle Freiheit dieser Welt zu haben.

Irgendwann, so um 11 Uhr erfreut es mich, die Waagerechte zu verlassen und mich aufzusetzen. Mehr Bewegung macht keinen Spaß. Während ich sitze bleibt mein inneres Zentrum weiterhin entspannt.

Was mich jetzt erfreut? Im Grunde nur das stille Sitzen und Nichtstun. Die innere Entspannung genießen.

Ich bleibe noch etwa 2 Stunden so sitzen, höre Osho zu und genieße den inneren Raum von Freiheit, der sich mit der Erlaubnis auftut, genauso sein zu dürfen, wie ich es will. Es ist ein großes Ja zum Leben, das sich wohlig ausbreitet.

Die totale Freiheit löst alles auf

Es ist nicht so leicht, wie man vielleicht denkt, dieses Ja voll und ganz da sein zu lassen und sich die totale Freiheit zu erlauben. ‚Passt es denn noch?‘ frage ich mich. ‚Du kannst es jederzeit lassen.‘ ‚Passt noch!‘ Und ich genieße weiter.

Letztendlich löst das große Ja alles auf, das fühle und verstehe ich nun.

Während des Tages frage ich mich immer wieder, ob ich bei dem, was ich tue noch innere Freude verspüre. Als ich den Boden fege und das eine Eck mit Staubflocken sehe, verlässt mich die Lust und ich lasse alles, wie es ist.

Ich wollte schon lange eine Freundin anrufen, doch auch das tue ich nicht. Es würde aus Verpflichtung geschehen und das wird heute nicht erlaubt. Manchmal sind es kleine Freuden, die mir heute begegnen, wie das frische, nach Mandeln schmeckende Brot zum Frühstück.

Manchmal auch große Freuden, wie jetzt hier, während dieses Artikels. Es ist für mich befriedigend, aus Innerlichkeit und Authentizität zu schreiben.

Zusammenfassung: Was diese Meditation bewirkt

Der eine Aspekt dieser Meditation liegt in der Freiheit und der Auflösung aller Widerstände dem Leben gegenüber. Ich bin ständig mit meinem Innersten in Kontakt, was die Wahrnehmung sensibilisiert und auch die Genussfähigkeit.

Der andere Aspekt ist die Herausforderung, in meinem Umfeld zu dem zu stehen, was mich entspannt und erfreut. Das ist die rebellische Seite der Meditation, bei der Mut und Abenteuerlust gefordert sind, mich auf Unbekanntes einzulassen.

Es ist der Mut, zu mir und meiner Freude zu stehen, auch wenn der Rest der Welt meint, ich sollte mich anders verhalten.

Und dann habe ich noch einen dritten Aspekt bemerkt: Nach und nach erfreut mich alles, was ich mache und mir geschieht. Nicht mehr nur die schönen, angenehmen Dinge erfreuen mich, auch die schwierigen, auch die unangenehmen Dinge erfreuen mich.

Wie kommt das?

Mit einem Satz gesagt: Es ist die Freude am Leben selbst.

Zusammengefasst sind die Auswirkungen meiner Meinung nach:

  • Kontakt zum eigenen Wesen, Freiheit, Entspannung, Auflösung von Widerständen, das große Ja zum Leben
  • Rebellion gegen irrsinnige Moral, gegen sinnlose Verhaltensregeln und allgemein gültige Stressfaktoren
  • die Verwandlung: Entspannung und Freude mit dem, was ist – was immer es ist.

Ein Tipp noch.

Wenn du nun Lust bekommen hast, in der Tiefe zuzulassen, was dich wirklich erfreut, dann überfordere dich dabei nicht. Übe zuerst zu Zeiten, in denen du einen ungestörten Raum für dich hast.

Vielleicht dauert die Meditation nur 10 Minuten lang oder eine halbe Stunde. Wenn du dich sicherer in dir und deiner Entspannung fühlst, dann probiere die Meditation auch über eine längere Zeit aus und mache sie dann vielleicht auch in der Umgebung von Leuten.

 

Der Verstand sagt:
‚Das geht nicht. Wo kämen wir hin, wenn alle nur das täten, was sie erfreut?‘

 

Ich habe keine Antwort darauf. Ich weiß nicht, wie es sich bei allen anderen auswirken würde… Ich kann nur sagen, dass mein Leben genau mit dieser Meditation zu tiefer, kreativer Freude geworden ist.

Soweit leidet niemand unter meiner Freude – so schlecht kann es sich also nicht auf die Welt auswirken.

Probiere die Meditation selbst aus und dann schau’n mer mal, was geschieht, wenn es alle anderen auch machen.

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2 Kommentare

  • Liebe Samarpan, es kommt immer wieder vor, daß ich das Bedürfnis habe zu schauen, ob es neue Artikel in Deinem Blog gibt :-) – so auch heute. Und was habe ich da wunderbares gefunden! Diese Art der Meditation findet – ohne das ich wußte, das es eine Art der Meditation ist :-)! – immer öfter Eingang in meinen Alltag. Noch schäme ich mich oft dafür oder es ist mir suspekt . . . Aber jetzt – nach dem Lesen Deines Artikels – werde ich es mehr genießen können! Vielen Dank dafür. Und auch eine tolle Anregung, die ab sofort in die Arbeit mit unseren Auszeit-Gästen einfließen wird. Herzliche Grüße aus der winterlichen Ramsau (am Dachstein), Kirsten

    • Liebe Kirsten, ja, diese Meditation ist ein echter Hammer. Und überhaupt nicht einfach. Vor allem der Teil, sofort aufzuhören, wenn etwas nicht erfreut. Dafür braucht man dann doch einiges an Kraft und Mut. Danke fürs Feedback! Und viel Freude mit den Gästen, die womöglich erstmal den Kopf schütteln werden, was so alles als Meditation gilt…
      Alles Liebe dir und herzliche Grüße,
      Samarpan

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