Was, wenn sich nach langer Praxis Achtsamkeit falsch anfühlt?

Achtsamkeit und Bewusstheit lassen Meditierende manchmal verzweifeln. Beobachten fühlt sich falsch an, der Verstand beobachtet sich einfach nur selbst... Das gespaltene Wahrnehmen von Objekt und Subjekt ist noch keine Achtsamkeit. Hier eine Alternative in 3 Schritten...
Was, wenn sich nach langer Praxis Achtsamkeit falsch anfühlt?

Frage:
Über Jahre hinweg praktiziere ich Achtsamkeit und es fühlt sich wie eine Krankheit an. Kann es sein, dass es verschiedene Arten von Achtsamkeit und Bewusstheit gibt und meine falsch ist?

 

„Die Bewusstheit muss falsch sein, sonst könnte sie sich nicht wie eine Krankheit anfühlen.

Selbstbewusstsein ist nicht das gleiche wie Bewusstsein des Selbst und das ist das Problem. Sich des Selbst bewusst zu sein ist etwas ganz anderes. Es hat überhaupt nichts mit Selbstbewusstsein zu tun.

Genauer gesagt ist Selbstbewusstsein eine Hürde für Bewusstsein über das Selbst. Du kannst versuchen zu beobachten, mit einem sehr selbstbewussten Verstand wahrzunehmen. Das ist keine Bewusstheit, das ist keine Achtsamkeit, denn das wird dich angespannt machen. {…}

Wenn du dich die ganze Zeit auf Selbstbewusstsein und Ego ausrichtest, dann wird sogar deine Achtsamkeit zur Krankheit werden, dann wird deine Meditation zur Krankheit werden, dann wird deine Religion zur Krankheit werden.

Mit dem Ego wird alles zu einer Krankheit. Das Ego ist die große Belästigung in deinem Sein. Es ist wie ein Dorn im Fleisch, es tut immer wieder weh. Das Ego ist wie eine Wunde.

3 Schritte zu echter Achtsamkeit

Was kannst du also tun?

1. Vergiss dich selbst ganz und gar
und nimm eine Rose wahr

Wenn du versuchst, zu beobachten, ist das Erste, was Patanjali empfiehlt: Konzentriere dich auf das Objekt – Konzentration.

Schaue auf den Baum und lasse den Baum da sein. Du vergisst dich völlig, du wirst nicht gebraucht. Dein Dasein wird zu einer ständigen Störung während der Erfahrung des Grüns, des Baums, der Rose. Du lässt einfach nur die Rose da sein. Du vergisst dich selbst völlig – du fokussierst dich auf die Rose. Lasse die Rose da sein: kein Subjekt, nur das Objekt. Das ist der 1. Schritt.

 

Achtsam eine Rose beobachten - was bedeutet das?

 

2. Das Bewusstsein der Rose wahrnehmen

Dann der 2. Schritt: Lasse die Rose sein, gib der Rose keine Bedeutung mehr. Jetzt gib dem Bewusstsein der Rose Aufmerksamkeit. Doch immer noch wird kein Subjekt gebraucht, nur das Bewusstsein, dass du beobachtest, dass da Beobachten ist.

 

3. Dann das Sein: die Wahrnehmung im Sein

Und nur dann kann der 3. Schritt getan werden, der dich dem nahe bringt, was Gurdjeff ‚Selbst-Erinnerung‘ nennt, oder Krishnamurti ‚Bewusstheit‘ oder die Upanishaden nennen es ‚Zeuge sein‘. Aber die ersten beiden Schritte müssen zuerst ausgeführt werden, dann wird das Dritte einfach. Starte jedoch nicht sofort mit dem Dritten.

Zuerst das Objekt,
dann das Bewusstsein,
dann das Subjekt.

 

Wenn das Objekt losgelassen ist und die Aufmerksamkeit auf dem Bewusstsein nicht länger eine Anstrengung ist, dann ist das Subjekt da, doch es gibt kein Gefühl von Subjektivität in ihr. Du bist da, doch es gibt kein ‚ich‘ in ihr, nur sein. Du bist, doch es gibt kein Gefühl von ‚dass ich bin‚.

Dieses eingschränkte ‚Ich‘ ist verschwunden; nur das ‚Ich-bin‚ besteht. Dieses Sein ist göttlich. Lasse das ‚Ich‘ gehen und sei nur dieses Sein.

3 Monate keine Achtsamkeit praktizieren

Und wenn du zu lange am Beobachten und Achtsamkeit gearbeitet hast, dann lasse diese Praxis für ein paar Monate, zumindest 3 Monate, ganz und gar fallen und tue nichts mehr damit. Andernfalls geht das alte Muster womöglich weiter und die neue Art von Bewusstheit wird verschmutzt.

3 Monate lang lasse die Bewusstheit leer werden und meditiere 3 Monate lang mit katarthischen Methoden – Dynamische, Kundalini, Nataraj – solche Art von Meditation, bei der die ganze Aufmerksamkeit auf dem Tun liegt und dieses Tun wichtiger ist als alles andere. Einfach nur zu tanzen… Dabei wird der Tanz wichtig, nicht der Tänzer. Der Tänzer soll sich völlig im Tanz verlieren.

Über 3 Monate hinweg höre auf, achtsam zu sein und sei ganz in irgendeiner Meditation aufgelöst. Das ist völlig anders. In etwas völlig aufgelöst zu sein bedeutet, sich völlig zu vergessen. Tanzen wird dafür sehr gut sein, auch singen  – vergiss dich völlig dabei. Halte dich nicht davon getrennt und abgeteilt.

Bewusstheit, die ohne ‚ich‘ ist und nichts mit dem Ego zu tun hat

Wenn du in einer solchen Weise tanzen kannst, dass nur noch der Tanz bleibt und der Tänzer verschwindet, dann wirst du plötzlich auch das Tanzen verschwinden sehen. Und dann existiert eine Bewusstheit, die nichts mit dem Verstand zu tun hat und nichts mit dem Ego.

Tatsache ist, dass Bewusstheit nicht praktiziert werden kann. Etwas anderes muss zur Vorbereitung getan werden, damit Bewusstheit zu dir kommt. Du musst dich nur dafür zur Verfügung stellen.

 

Osho, Zitat – Auszug aus Secrets of Yoga #10

 

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