Ein religiöser Mensch ist völlig frei und ganz und gar verantwortungsvoll

'Gott ist tot' sagt Nietzsche und greift damit auf, was viele Leute schon vor seiner Zeit herausgefunden haben. Gedacht wurde, dass der Mensch nun frei wäre und dass er ohne Sklaverei durch Gott seinen eigenen Weg gehen könne. Osho bezweifelt dies. Völlige Freiheit bekäme der Mensch erst, wenn zudem auch die organisierten Religionen verschwinden würden und der Mensch ganz und gar für sich selbst und sein Werden verantwortlich sei.

„Seit Tausenden von Jahren gab es Leute, die verstanden haben, dass die Existenz von Gott das größte Hindernis für die menschliche Freiheit ist – sie haben Gott beseitigt. Doch der Mensch ist trotzdem nicht frei.

Was ich versuche dir begreiflich zu machen ist, dass man den Menschen nicht frei machen kann, indem man Gott sterben lässt. Du wirst noch etwas Weiteres sterben lassen müssen und das ist die Religion.

Nicht nur Gott ist tot

Die Religion muss auch sterben, sie hat Gott zu folgen. Wir müssen eine Religiosität erschaffen, die gottlos und religionen-los ist, die niemanden über sich hat, der mächtiger als du bist. Ohne organisierte Religionen, die alle möglichen Käfige erschaffen – christliche, islamische, hinduistische, buddhistische, wunderschöne Käfige

Wenn Gott und Religion beide tot sind, stirbt eines automatisch mit dabei und das ist die Priesterschaft, das sind die Führer, die verschiedenen Arten religiöser Führer. Nun haben sie keine Aufgabe mehr. Es gibt keine organisierten Religionen, wo sie ein Papst oder ein Shankaracharya oder ein Ayatollah Kohmeni sein können. Sie haben keinen Gott mehr, den sie vertreten können, ihre Funktion ist erledigt.

Buddha, Mahavira und Lao-Tse ließen Gott fallen, genauso wie Friedrich Nietzsche – und sie wussten nicht, sie waren sich nicht darüber bewusst, dass wenn Religion bleibt, dann es die Priester selbst ohne Gott schaffen würden, den Menschen in Sklaverei zu halten.

Um Friedrich Nietzsches Einsicht zu vervollständigen muss Religion sterben. Eine organisierte Religion macht keinen Sinn, wenn es keinen Gott gibt. Für wen gibt es die organisierte Religion?

Die Kirchen, die Tempel, die Moscheen, die Synagogen müssen verschwinden. Und mit ihnen werden die Rabbis und Bischöfe und alle Arten religiöser Führer einfach ohne Job sein, sie werden überflüssig. Doch dann geschieht eine ungeheure Revolution: die Menschheit wird völlig frei.

Nietzsches Grenze

Doch bevor du die Auswirkungen dieser Freiheit verstehen kannst, musst du die Grenzen von Friedrich Nietzsches Einsicht verstehen. Wenn diese Einsicht vollständig wäre, was wäre dann für eine Art Freiheit möglich? Gott ist tot, der Mensch ist frei … frei für was?

Seine Freiheit wird einfach so wie die irgendeines Tieres sein. Es stimmt nicht, diesen Zustand Freiheit zu nennen – das ist Zügellosigkeit. Das ist keine Freiheit, denn sie enthält keine Verantwortung, kein Bewusstsein. Diese Art Freiheit wird dem Menschen nicht helfen, sich nach oben zu ziehen um etwas Höheres zu werden, als er in seiner Sklaverei ist.

Außer, die Freiheit bringt dich höher als du in deiner Sklaverei mit Gott warst, ist diese Freiheit bedeutungslos… Sie hat dir keine Qualität von Bewusstsein gegeben, die du wertschätzen kannst… Im Namen von Freiheit magst du deinen Weg in höheres Bewusstsein verlieren.

Religiosität fördert menschliches Wachstum

Wenn Gott tot ist, dann ist auch Religion als ein organisierter Körper tot – und der Mensch ist frei, er selbst zu sein. Zum ersten Mal ist er frei, sein innerstes Sein ohne Behinderung zu erforschen. Er ist frei, in die Tiefe seines Seins zu tauchen, in die Höhen des Bewusstseins aufzusteigen.

Es gibt niemanden, der nun den Menschen an seiner Freiheit hindert, sie ist total. Doch diese Freiheit ist nur möglich, wenn wir etwas bewahren, was ich ‚die Eigenschaft von Religiosität‘ nenne, damit Religiosität lebendig und völlig mit der menschlichen Freiheit harmonisch ist; sie fördert menschliches Wachstum

Ich benutze also das Wort Religiosität einfach um dich daran zu erinnern, dass Gott sterben kann, die Religionen verschwinden können, doch Religiosität ist etwas, das in die Existenz selbst eingeflochten ist.

Religiosität ist die Schönheit eines Sonnenaufgangs, es ist die Schönheit eines Vogels im Flug. Es ist die Schönheit eines sich öffnenden Lotus. Es ist alles, was wahrhaftig ist, alles, was aufrichtig und authentisch ist, all das, was liebend und mitfühlend ist…

Es ist also eine große Verantwortung – die für niemanden möglich ist, der an Gott glaubt, die für niemanden möglich ist, der an den Priester glaubt, der an die Kirche glaubt, denn er möchte seine Verantwortung anderen Leuten übertragen….

 

Freiheit macht dich für alles,
was du bist und sein wirst,
ganz und gar verantwortlich.

 

Osho, Zitat – Auszug aus The Book of Understanding

 

‚Freiheit von etwas‘ ist nur die halbe Freiheit Gott war ein großartiger Trost

 

 

Religionen haben keine Zukunft

Wie du die deutschen Untertitel einstellst

 

1 Kommentar

  • Hallo Samarpan,

    Nietzsche schreibt über Gott und Religion; aber ZUERST beschreibt er „INNERE ZUSTÄNDE“.
    Kleines Zitat aus: „Also sprach Zarathustra“.
    (Auch ich bin der Überzeugung, dass jeder „Suchende“ irgendwann auch mal verleugnen sollte ….. 🙂 )

    Beste Grüße und schönen Tag,
    sam

    „Ihr sagt, ihr glaubt an Zarathustra?
    Aber was liegt an Zarathustra!
    Ihr seid meine Gläubigen: aber, was liegt an allen Gläubigen!
    Ihr hattet euch noch nicht gesucht: da fandet ihr mich.
    So tun alle Gläubigen; darum ist es so wenig mit allem Glauben.
    Nun heiße ich euch, mich verlieren und euch finden; und erst, wenn ihr mich alle verleugnet habt, will ich euch wiederkehren“.
    Friedrich. Nietzsche

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