Wie du das Göttliche in Freund und Übeltäter erkennst

Es ist überall zu sehen – die Menschheit polarisiert sich. Es gibt die Guten und die Bösen, die Linken und die Rechten, die Gläubigen und die Ungläubigen, Leute, die ich mag und solche, deren Nähe ich meide...

Lies hier über den Nobelpreisträger Rabindranath Tagore, wie er über die Spiegelung des Mondes im Wasser das Göttliche in jedem Menschen entdeckt.

Das stille Herz lässt dich erkennen

„Immer, wenn das Herz voll ist, hält alles an.
Zeit, Verstand, alles kommt zum Stillstand.

Genau wie ein See, der so still ist, dass kein Kräuseln mehr da ist – er wird fast zu einem Spiegel. Und in der Fülle deines Herzens bist du auch ein Spiegel. Du wirst imstande sein, den ganzen Himmel in dem Spiegel reflektiert zu sehen.

Der Dichter Rabindranath erzählt, wie er das Göttliche im Menschen gefunden hat

Rabindranath Tagore, Nobelpreisträger, Dichter, Philosoph, Maler, Komponist

Rabindranath Tagore
Nobelpreisträger, Dichter, Philosoph, Maler, Komponist

Rabindranath Tagore erinnert sich an einen Mann im Alter seines Großvaters, sehr alt, der ihn oft zu besuchen pflegte. Und Rabindranath fühlte sich immer unwohl mit dem Mann, weil er immer seltsame Fragen stellte.

Wenn jemand solch seltsame Fragen stellt, musst du sie entweder beantworten – mit dem Wissen, dass die Antwort falsch ist – oder du musst schweigen, was sich sehr peinlich anfühlt.

Und der alte Mann lachte immer:
‚Es ist gleichgültig, ob du sie beantwortest oder nicht.‘

Er sagte gewöhnlich zu Rabindranath:
‚Deine Antwort ist falsch, deine Nicht-Antwort ist falsch … und man kennt dich als einen großen Dichter, du bist der Gewinner eines Nobelpreises. Und du weißt überhaupt nichts.

Du hast so viele schöne Gedichte über das Göttliche geschrieben – bist du ihm begegnet? Hast du es gesehen?‘

Und der Mann und seine Augen waren so durchdringend, dass es sehr schwer war, ihn zu täuschen.

Die Erkenntnis im Licht des Vollmonds

Eines Tages war Rabindranath ans Meer gefahren, das in der Nähe lag. Im Licht des Vollmonds sah er das Spiegelbild des Mondes im Meer. Das Spiegelbild war sogar schöner als der Mond selbst – das kommt oft vor.

Dein Foto mag viel schöner sein als du in Wirklichkeit bist. Du kannst fotogen sein – es gibt viele Leute, die fotogen sind. Die Fotos von ihnen sind schön, wenn man sich aber die Leute ansieht, sind sie in Wirklichkeit nicht so schön.

Als er zurück kam, voller Freude über das Mondlicht und das Meer, sah er an der Straße einen kleinen Teich. Es war früh am Morgen, es hatte geregnet und da waren viele kleine Pfützen – schmutzig, aber der Mond spiegelte sich in diesem schmutzige Wasser genau so schön wie im riesigen Meer.

Der Mond ist derselbe –
gleichgültig ob er sich in einer Pfütze oder in einem Meer spiegelt

Das öffnete seine Augen für eine neue Wahrheit:
Der Mond ist der Mond, gleichgültig, ob man einen sehr schönen Spiegel oder einen ganz gewöhnlichen Spiegel hat. Die Wirklichkeit des Mondes bleibt unangetastet.

Zum ersten Mal fühlte er sich entspannt, wenn er an den alten Mann dachte, der ihn immer verärgert hatte. Und zum ersten Mal ging er, anstatt zu sich nach Hause, zu dem alten Mann ins Haus.

Seine Augen waren mit der Schönheit des Mondes, des Meeres, der kleinen Pfützen angefüllt, und er sagte zu dem alten Mann: Ich habe das Göttliche gesehen‚.

Der alte Mann umarmte ihn und sagte:
‚Ich weiß. Ich sehe es an deinem Gesicht, an deinen Augen. Ich kann es daraus ersehen, dass du zum ersten Mal zu mir gekommen bist. Jetzt werde ich dich nicht mehr belästigen. Ich werde nicht mehr kommen.

Ich habe dich immer und immer wieder belästigt, weil ich dein Potenzial kannte. Ich würde mich glücklich schätzen, wenn du mir erzähltest, wie du das Göttliche gefunden hast.‘

Das Göttliche ist dasselbe –
gleichgültig in welchem Menschen es sich spiegelt

Rabindranath sagte:
‚Als ich das Spiegelbild des Mondes im Meer betrachtete, und dann die vielen Spiegelbilder überall in schmutzigen Pfützen sah, der Mond aber nicht schmutzig war, das Spiegelbild nicht schmutzig war. Es war genau so schön wie im Meer. Und gerade da bist du mir eingefallen, weil ich mir im Unklaren über dich war, und weil ich mich über dich geärgert habe.

Ich war blind. Ich konnte das Göttliche nicht in dir sehen. Ich konnte das Göttliche nur in schönen Menschen sehen, in Blumen, im Mond. Aber jetzt weiß ich – es kommt nicht darauf an, wer du bist; für mich bist du jetzt auch ein Spiegelbild Gottes.

Und ich bin dir dankbar, dass du immer wieder gebohrt hast und mich zu dieser Erkenntnis gedrängt hast.‘

„Wenn dein Herz voll ist, wird es zum Spiegel.
Es reflektiert das, was die Wahrheit ist.“

Osho Zitate aus The Rebellious Spirit 

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