Endloses, bewusstes Warten

Warten-Können ist eine wesentliche Eigenschaft eines Meditierenden, wie diese Texte aus dem Zen, Christentum und Buddhismus übers Warten beschreiben.
Endloses Warten beim Meditieren

Warten ist schwer auszuhalten. Nicht nur im Alltag, sondern gerade auch beim Meditieren. Da wird von großen Dingen geschrieben, die passieren, wenn man meditiert … und selbst sitze ich da und es geschieht nichts. So denke ich manchmal. Stimmt aber gar nicht. Warten können ebnet den Weg.

Ewiges Warten im Zen

Ein Schüler kommt zu einem Zen Meister
und bittet ihn darum,
ihm zur Wahrheit zu verhelfen.

Dieser sagt: „Kannst du warten?“
Der Schüler fragt:
„Wie lange?“
Darauf der Meister:
„Verschwinde von hier.“

Warten und dem Moment begegnen

Das nächste Mal, wenn du im Straßenverkehr stecken geblieben bist, kämpfe nicht damit. Es ist unnütz zu kämpfen. Wenn du dich zurücklehnst und dir selbst zulächelst, dann wirst du den gegenwärtigen Moment genießen und jeden im Auto glücklich machen.

Der Buddha ist da, denn der Buddha kann immer im gegenwärtigen Moment gefunden werden. Meditation zu praktizieren bedeutet, zum gegenwärtigen Moment zurück zu kommen, um der Blume, dem blauen Himmel, dem Kind und der leuchtend roten Ampel zu begegnen.

Warten lernen mit der „Driving Meditation“ nach Thich Nhat Hanh

Erfahrungen nicht zu ernst nehmen

„Es ist überhaupt nicht notwendig, irgendwelche außergewöhnlichen Erfahrungen in der Meditation zu haben. Die können passieren, doch wenn sie es nicht tun, dann ist das kein Zeichen dafür, dass die Zeit der Meditation nutzlos war.

Nicht nur anfangs, sondern immer wieder wird es Zeiten geben, in denen wir eine große spirituelle Trockenheit und Abgestumpftsein spüren, oder eine Abneigung gegen das Meditieren haben, ja sogar nicht mehr dazu fähig sind, zu meditieren.

Wir dürfen uns von diesen Erfahrungen nicht abhalten lassen. Vor allem dürfen wir uns nicht daran hindern, weiterhin unsere Meditations-Praxis mit großer Geduld und Treue beizubehalten. Es ist nicht gut für uns, die vielen Erfahrungen, die wir mit uns in der Meditation haben, zu ernst zu nehmen.

Da nämlich kriecht die alte Eitelkeit und die Forderungen an die Göttlichkeit über den frömmischen Umweg in uns hinein. Als ob es unser Recht wäre, nur erhebende und fruchtbare Erfahrungen zu machen und die Entdeckung unserer inneren Armut unter unserer Würde wäre. Mit dieser Haltung werden wir keinen Fortschritt machen.“

Dietrich Bonhöffer

Zentrierung braucht seine Zeit

Eines Tages erschütterte ein Erdbeben den ganzen Zen Tempel. Einige Teile fielen in sich zusammen. Viele der Mönche waren geschockt. Als das Erdbeben stoppte, sagte der Lehrer:

„Jetzt hattet ihr also mal die Gelegenheit, wie ein Mann des Zens mit einer Krisensituation umgeht. Ihr werdet bemerkt haben, dass ich nicht in Panik war. Ich war total bewusst darüber, was passierte und was zu tun ist. Ich habe euch alle in die Küche geführt, der der stärkste Bereich des Tempels ist. Das war eine gute und richtige Entscheidung, denn wir haben alle ohne Verletzungen überlebt.

Trotz meiner Selbstkontrolle und Zentrierung fühlte ich mich ein wenig angespannt – was ihr wahrscheinlich daran gemerkt habt, dass ich ein großes Glas Wasser trank – etwas, das ich ja sonst nicht tue.

Einer der Mönche lachte, aber sagte nichts dazu.
„Worüber lachst du?“, fragte der Lehrer.
„Das war kein Wasser,“ antwortete der Mönch,
„das war ein großes Glas Soja Sauce.“

 

Geduld!
Es dauert noch ein wenig, bis du ankommst.

So zehn oder zwanzig Leben.
Das nur als Ansporn.

 

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Endloses Warten

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