Stille Kreativität

Was passiert, wenn du meditierst? Du entwickelst stille Kreativität, sie wird auch 'objektive Kunst' bezeichnet. Objektiv ist Kunst, die aus der Leere kommt. Einige Beispiele für stille Kreativität - auch im Alltag.
Stille Kreativität, objektive Kunst die aus der Leere kommt

Kennst du diesen Zustand? Dann, wenn Blätter vor Lebensfreude tanzen, wenn sich Blüten der Liebe öffnen und die Luft in heiteren Klängen schwingt. Meditation verfeinert die Empfindsamkeit der Sinne.

Die sensible Wahrnehmung bringt dem Meditierenden eine neue Welt an Wundern, die den Beobachter staunend verweilen lässt.

Mit vertiefter Meditation entsteht dann quasi ein neuer Sinn, eine neue Art ‚zu sehen‘: Es wird möglich, Leere wahrzunehmen. Wenn etwas gleichzeitig nicht zu sehen ist, nicht zu hören oder zu fühlen oder zu riechen oder zu schmecken, dann nennen wir es leer oder nichts.

Leere mit den gewohnten Sinnen zu beschreiben ist schwierig, schließlich gibt es mit diesen Sinnen nichts wahrzunehmen. Oft drängt es den Meditierenden dennoch, seine Erfahrung und Wahrnehmung von Leere auszudrücken.

Es entsteht ‚objektive‘ Kreativität, eine Kunst, die aus einem Raum von Stille kommt.

Unsichtbares sichtbar machen

Über das Ringen um die Darstellung von Leere

Paul Shoju Schwerdt beschreibt den stillen Kampf und das Ringen um die Sichtbarmachung des Unmöglichen:

Was ist Leere? Eine leere Flasche„lch zeige auf eine leere Flasche und weise auf die Leere, will sagen: “ Sieh die Leere!“ Die Resonanz des Betrachters ist jedoch zumeist: „Ja, da ist nichts drin.“ Er sieht nicht die Leere, sondern alleine ‚das Fehlen von…‘.

Damit bin ich jedoch nicht zufrieden, da ich einerseits noch weit von meinem Buddha-Sein entfernt bin, andererseits – wie die meisten Zen-Leute – ein hartnäckiger Mensch bin.

Diese kreative Frustration animiert mich zu einem Umweg: In die Leere setze ich einige wenige schlichte Elemente, anhand derer sich der Betrachter bzw. -Zuhörer festhalten kann, die ihm jedoch ermöglichen, das, was zwischen diesen Elementen ist, anzunehmen.“
Wushan Akademie, Paul Shoju Schwerdt

 

Kunst, die Leere sichtbar macht

Wenn der Künstler sich selbst zusieht: Shivanandas Kunst

Es ist eine, für das Denken unlösbare Aufgabe: Kunst zu erschaffen, die nichts mit der eigenen Persönlichkeit zu tun hat, also objektiv ist, aus der Leere kommt. Eine Kunst bei der es kein Tun gibt und der Schaffende selbst über die Kreation staunt.

Ein Beispiel für Kunst in diesem Sinne kommt von Shivananda, einem Maler, der selbst von sich sagt: „Es fühlt sich so an, als ob ich mir selber über die Schulter schaue. Ja, und wer malt?“

Mehr Kunst von Shivananda

Kunst mit den 3 Schätzen des Zen

Lebendige Buddhas

Die 3 Schätze: Buddha, Dharma und Sangha

Ein anderer Ansatz, Leere sichtbar zu machen ist die Anlehnung an die Weisheit alter Meister. Im Zen dient die Kunst den drei Schätzen: Buddha, Dharma, Sangha. (Sinngemäß könnte man dies so übersetzen: dem Buddha, dem Weg und der Weisheit des Lebens, sowie der Gemeinschaft aller Weisen). Gregor Rinko Stehle ist Zen-Mönch, der diese drei Prinzipien in seinen Buddhastatuen verwirklicht.

Was ist objektive Kunst?

„Die Kunst im Zen dient Buddha,
indem sie ihm zu Ehren geschaffen wird
Sie dient dem Dharma,
indem sie das Dharma beschreibt
Sie dient der Sangha,
indem sie die Herzen verbindet

Form ist Inhalt,
Inhalt ist Form
Form ist Form,
Inhalt ist Inhalt

Die Welt ist ein Traum im Traum:
die Kunst, die Welt, der Traum sind eins.“

Gregor Rinko Stehle

 

 

Stille Kunst im Alltag

Die Schönheit einer Wartebank, gemacht im Stil des Zen

Japanische Wartebank - Kunst im Alltag
Im Zen und in der Meditation gibt es keine Unterschiede zwischen bedeutend und unbedeutend. Alles erfährt die gleiche Wertschätzung. Leer und voll machen ebenfalls keinen Unterschied. Nicht das Objekt, sondern derjenige, der erschafft, das Subjekt, macht den Unterschied. Bedeutsam ist, in welchem Bewusstseinszustand das Subjekt ein Objekt erschafft.

Ein Kunstwerk bekommt die gleiche Aufmerksamkeit wie zum Beispiel eine Wartebank für die Tee-Zeremonie. Der Schau-Garten von Roji wurde von seinen Betreibern mit großer Sorgfalt gestaltet, es benötigte Jahre bis er fertig gestellt wurde. Auch die hier abgebildete Wartebank brauchte eine lange Zeit der Vorbereitung und des Baus.

Darstellung von Leere in Zen Gärten,
im ZaZen, im Ikebana, im Teeweg u.a.

(Das Video funktioniert, auch wenn es nicht so aussieht)

 

Die Teezeremonie

Der Teeweg - Kreativität im Alltag

 

Das Leben in der stillen Leere hat zu einer besonderen Alltags-Meditation geführt:
Der Tee-Zeremonie.

Der Urgrund des Teewegs ist die Stille

„Des Teewegs Urgrund:
Wasser sieden lassen,
Tee zubereiten und
ihn mit aufrichtigem Herzen trinken –
nicht mehr!
Dies ist alles, was man wissen muss.“

 

Die einfache Zubereitung einer Schale Tee, und sie in Dankbarkeit entgegenzunehmen, das ist die Grundlage eines Lebenswegs, den man chado, Teeweg, nennt. Wird eine Schale Tee im Einklang mit den Regeln der Teezeremonie angeboten, verbinden sich alle Aspekte von Religion, Moral, Ästhetik, Philosophie, Disziplin und sozialer Beziehungen zu einer einzigartigen kulturellen Synthese in hoher Vollendung.“
Auf www.teeseminar.de sind die vielen kleinen Schritte des Tee-Weges beschrieben. Nur die Texte zu lesen, ist schon berührend.

Stille, leere Kreativität beim Kochen, in der Musik und Fotografie

Meditatives, kunstvolles Kochen

Wahrgenommene Leere kann sich in vielerlei ausdrücken. In der Leere wird das gesamte Leben zur Kunst. Den Film von Doris Dörrie „How to Cook Your Life“ hast du vielleicht gesehen. Dort bringt ein Zen-Priester seine Meditations-Erfahrung ins Kochen. Ein wundervoller Film, wie ich finde.

Ein Paradox: Stille Musik

Musik, die paradoxerweise versucht, über Töne Stille auszudrücken, gibt es viele. Hier ein Beispiel: Tilopa, der auf einer Kyotaku Flöte spielt: Shakuhachi – Flöte der Stille

Leere im Bild

Und dann möchte ich nicht das Sinnesorgan der Augen vergessen, auch sie können Leere über Bilder erfassen. Es gibt einen Trend in buddhistisch geprägter Fotografie: Miksang – das gute Auge. Mit dem ‚guten Auge‘ kommt es nicht darauf an, ein optimales Objekt zu finden, sondern es zählt die Verfassung des Fotografen.

Ein Foto wird erst dann gemacht, wenn sich der Fotograf vom Objekt aufgefordert fühlt zu fotografieren, er selbst also nicht mehr mit einem eigenen Willen und Vorstellungen über Ästhetik existiert…

Auf der Webseite von Jo Fahl www.zenfoto.de wird gezeigt, wie Leere paradoxerweise durch Form dargestellt werden kann. Wundervolle Bilder!

Kreative und meditative Foto-Kunst

 

Kreativität, die aus der Präsenz des Künstlers kommt

Menschen, die mit Leere vertraut sind, bereichern ihre Umgebung und sich selbst durch ihre Präsenz. Mit ihrer Präsenz drücken sie stille Kunst und Leere überall und durch alle Sinne aus.

Stille Kunst bedeutet in diesem Sinne lediglich, in leerer Präsenz zu leben – dann wird alles zu Kunst: Leere mag dann in einem Gemälde zu sehen sein oder in einem gewischten, glänzenden Boden oder in einem Artikel eines Online Magazins für Meditation 🙂

Alles kommt aus der Leere

 

Erblühen (Blossoming)
Gedichte und Gemälde in der Stille eines Buches

Was ist Leere?

 

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Meditation und Kreativität

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