Gefühls-Hygiene für Meditierende: Gefühle rein halten

Was sind reine Gefühle? Das sind bspw. Freundlichkeit, Mitgefühl, Fröhlichkeit, Dankbarkeit... alles Gefühle, die nicht auf jemanden gerichtet sind, sondern ein Seins-Zustand sind.

Ein Meditierender achtet darauf, dass unreine Gefühle – solche, die von anderen bewegt werden – keine Unterstützung bekommen. Jemand, der spirituell wachsen möchte, betreibt Gefühls-Hygiene, er hält seine Gefühle rein.
Gefühls-Hygiene für Meditierende: Gefühle rein halten

Nach Körper und Gedanken:
Gefühle reinigen

Man sagt, der Mensch sei vernünftig, doch handelt er meist nach ‚unreinen‘ Gefühlen.
„Die Gefühle befinden sich auf einer tieferen Ebene als der Körper oder die Gedanken. Die Reinheit seiner Gefühle ist die bedeutsamste Eigenschaft eines Menschen.

Auf dem spirituellen Weg und in der Meditation ist sie noch hilfreicher als die Reinheit von Körper und Gedanken und zwar deshalb, weil der Mensch mehr nach seinen Gefühlen handelt als nach seinen Gedanken.

Man sagt zwar, der Mensch sei ein vernünftiges Tier, aber das stimmt nicht.

Deine Handlungen werden nicht so sehr von deinen Gedanken bestimmt, meistens werden sie von deinen Gefühlen beeinflusst, von deinem Hass, deinem Zorn, deiner Liebe – all das hat mit Gefühl zu tun, nicht mit Gedanken.

Damit sich Handlungen ändern,
müssen sich Gefühle ändern (nicht Gedanken)

Die meisten Handlungen im Leben entstammen der Gefühlswelt. Sicher kennst du das an dir, dass du die eine Sache denkst und in der Situation dann etwas ganz anderes tust. Denken und Fühlen sind nämlich zwei sehr verschiedene Dinge.

Du nimmst dir zum Beispiel vor, nicht wütend zu werden. Du denkst, Wut sei etwas Schlechtes. Doch wenn dich die Wut überkommt, dann lässt du alles Denken beiseite und wirst einfach wütend.

Solange es auf der Gefühlsebene nicht zu einer Veränderung kommt, können Denken und Kontemplieren allein keinen Umbruch in deinem Leben bewirken. Deshalb sind auf dem spirituellen Weg die Gefühle der entscheidende Faktor.

Meditative Liebe lernen

4 Haltungen, die Gefühle reinigen

Wir sprechen heute darüber, wie du die Gefühle reinigen kannst. Aus dem weiten Spektrum der Gefühle möchte ich 4 hervorheben. Es sind die 4 Aspekte, durch die Gefühle rein werden können. Die gleichen 4 Aspekte können auch ins Gegenteil umschlagen und  zur Brutstätte für unreine Gefühle werden.

Freundlichkeit.

Mitgefühl.

Heiterkeit.

Dankbarkeit.

Reine Gefühle stärken – Gefühlshygiene für Meditierende

Zu diesen 4 Aspekten gibt es jeweils auch ein Gegenteil.

Das Gegenteil von Freundlichkeit ist
Hass und Feindseligkeit.

Das Gegenteil von Mitgefühl ist
Grausamkeit, Unfreundlichkeit.

Das Gegenteil von Heiterkeit ist
Traurigkeit, Elend, Verzweiflung und Besorgnis.

Das Gegenteil von Dankbarkeit ist
Undankbarkeit.

Durch was werden deine Gefühle am meisten bewegt?

Du solltest herausfinden, wodurch deine Gefühle am meisten beeinflusst werden, was sie bewegt.

Stimmt es, dass in deinem Leben Feindseligkeit überwiegt, statt Freundlichkeit? Bist du von Feindseligkeit stärker beeindruckt, wird sie leichter in dir hervorgerufen als Freundlichkeit? Beziehst du daraus mehr Energie?

Wut hat Energie, aber auch Freundlichkeit hat Energie. Ein Mensch, der nur feindselige Energie hervorbringen kann, dem entgeht eine wesentliche Dimension des Lebens. Wer nicht gelernt hat, freundliche Energie in sich zu wecken, der ist in feindseligen Situationen stark, aber in freundlichen Situationen fühlt er sich hilflos.

Wir wissen noch überhaupt nichts über die Energie der Freundlichkeit. Mahavira, Buddha und Jesus haben das Fundament für die Energie der Freundlichkeit gelegt. Sie  haben alle gesagt, dass Gewaltlosigkeit eine Macht ist. Jesus hat gesagt: ‚Liebe ist Macht‚. Buddha sagt: ‚Mitgefühl ist Macht.‘

Du hörst die Worte zwar, aber verstehen tust du sie nicht.

In welchen Situationen fühlst du dich stark?

Wenn du dich freundlich verhältst, fühlst du dich dann stärker oder schwächer?

Schau dir einmal dein Leben an. In welchen Situationen fühlst du dich stark? Wenn du gegenüber jemand Feindseligkeit empfindest oder wenn du freundlich und liebevoll bist?

Du wirst merken, dass du dich in der feindseligen Situation stark fühlst, und wenn du bewusst und still bist, wirst du kraftlos und schwach. Das bedeutet, dass du von niedrigen Gefühlen beherrscht bist. Und je stärker sie sind, desto weniger kannst du nach innen gehen.

Was hält dich davon ab, nach innen zu gehen?

Feindseligkeit ist nach außen gerichtet,
Freundlichkeit hat keine Richtung

Versuche, diesen wichtigen Punkt zu verstehen. Deine Feindseligkeit ist immer nach außen gerichtet, sie bezieht sich auf jemanden, der sich außerhalb von dir befindet. Wenn es außen niemanden gäbe, könnte in dir keine Feindseligkeit entstehen.

Doch Liebe ist nicht auf etwas Äußeres bezogen. Selbst wenn es niemand um dich herum gibt, kannst du doch im Innern voller Liebe sein. Liebe ist etwas Inneres, Freundlichkeit ist etwas Inneres. Feindseligkeit braucht den andern, sie ist auf den andern bezogen. Hass wird von außen ausgelöst, Liebe entspringt im Innern.

Die Quelle der Liebe fließt im Inneren, die Hassreaktion wird von außen hervorgerufen. Unreine Gefühle werden von der Umgebung ausgelöst und reine Gefühle entspringen in dir selbst.

Der Unterschied von unreinen und reinen Gefühlen

Versuche diesen Unterschied zwischen unreinen und reinen Gefühlen zu verstehen.

Von außen hervorgerufene Gefühle sind nicht rein. Deine Liebe – die Leidenschaft, die du Liebe nennst – ist nicht rein, weil sie eine äußere Ursache hat. Nur die Liebe, die in dir selbst fließt und durch nichts Äußeres bedingt ist, ist rein.

Deshalb machen wir im Osten einen Unterschied zwischen Liebe und Leidenschaft und trennen sie voneinander. Leidenschaft wird von außen hervorgerufen. Buddhas oder Mahaviras Herzen kennen keine Leidenschaft, sondern nur Liebe.

Ein reines Gefühl wie Liebe strahlt ungerichtet, gleichgültig, ob jemand es nimmt oder nicht

Ein reines Gefühl wie Liebe strahlt ungerichtet, gleichgültig, ob jemand im Raum ist oder nicht

Liebe ist wie das Licht einer Lampe

Wenn niemand da ist, scheint das Licht der Lampe ins Leere und wenn jemand vorbeigeht, scheint es auf ihn.

Doch Leidenschaft und Begierde sind nicht wie dieses Licht. Wenn ein anderer sie in dir auslöst, streben diese Energien zu ihm hin. Deshalb ist Leidenschaft eine Spannung.

Liebe ist keine Spannung. In der Liebe gibt es keine Spannung. Liebe ist ein Zustand absoluter Ruhe.

Unreine Gefühle werden von außen beeinflusst

Unreine Gefühle sind solche, die von außen beeinflusst werden. Der Wind, der draußen weht, verursacht unreine Gefühle in dir. Reine Gefühle sind solche, die aus deinem Innern kommen; sie werden nicht vom Wind beeinflusst.

Wir stellen uns Mahavira und Buddha nicht als Menschen vor, die lieben, aber ich sage dir, sie waren die einzigen Menschen, die wirklich geliebt haben. Doch zwischen ihrer Liebe und deiner besteht ein Unterschied. Deine Liebe existiert nur in Beziehung zu jemand anderem. Ihre Liebe ist keine Beziehung, es ist eine Seins-Zustand. Sie lieben, weil sie keine andere Wahl haben.

Ein Beispiel:
Wie Mahavira mit aggressiven Leuten umgeht

Über Mahavira (indischer Heiliger) wird erzählt, die Leute hätten ihn beschimpft, Steine nach ihm geworfen, sogar seine Ohren mit Nägeln durchstoßen und er habe ihnen alles verziehen.

Doch ich meine, das stimmt nicht. Mahavira hat niemandem verziehen, denn nur Leute, die wütend werden, können verzeihen. Und Mahavira hatte auch kein Mitleid mit ihnen, denn nur wer grausam ist, kann Mitleid haben. Und er vermied es auch nicht, grob zu diesen Leuten zu sein, denn nur grobe Leute können so denken.

Was tat Mahavira also?

Er war hilflos, er konnte nicht anderes als Liebe geben. Gleichgültig, was man ihm antat, seine Antwort war Liebe.

Wenn du einen Stein in einen Baum wirfst, der voller Früchte hängt, bekommst du als Antwort nur Früchte. Der Baum kann nicht anders, er ist hilflos. Und wenn du einen Eimer in einen Fluss hineinlässt – ganz gleich ob der Eimer schmutzig oder sauber ist, ob er aus Gold oder aus Eisen ist – der Fluss hat keine andere Wahl als ihm Wasser zu geben. Es ist keine große Heldentat von Seiten des Flusses, er kann einfach nicht anders.

Wenn also Liebe ein Seins-Zustand ist, dann hat man keine andere Möglichkeit als zu lieben.

Du hast die Wahl:
Seligkeit oder Ruhelosigkeit

Gefühle, die von innen kommen, die nicht von außen angezogen werden, erfüllen dich mit Seligkeit. Und die Gefühlswogen, die von den äußeren Stürmen hervorgerufen werden, verursachen Ruhelosigkeit und Sorgen.

Merke dir diesen Unterschied:
Reine Gefühle sind ein Seins-Zustand, unreine Gefühle sind eine Verfälschung des Seins. Unreine Empfindungen sind eine innere Expansion. Schaue dir also an, ob die Gefühle, die dich bewegen, von innen kommen oder ob andere Leute sie in dir auslösen.

Noch ein Beispiel:
Du wirst beleidigt…

Ich komme zum Beispiel die Straße entlang und du beleidigst mich:
Wenn ich wütend werde, ist das ein unreines Gefühl, weil es von dir ausgelöst wurde. Wenn ich daherkomme und du erweist mir Respekt und ich bin erfreut darüber, dann ist auch das ein unreines Gefühl, weil es ebenfalls von dir ausgelöst wurde.

Aber wenn meine innere Verfassung die Gleiche bleibt – gleichgültig, ob du mich beschimpfst oder lobst – dann ist das ein reines Gefühl, denn es ist mein eigenes. Das, was mein eigenes ist, ist rein und das, was von außen kommt, ist unrein. Was von außen kommt, ist nur eine Reaktion, ein Echo.

Unreine Gefühle sind wie ein Echo

Unreine Gefühle sind ein Widerhall der Umgebung, ein Echo

Unreine Gefühle sind ein Widerhall der Umgebung, ein Echo

Neulich war ich an einem Ort in den Bergen, wo man Echos hört. Wenn du dort rufst, hallt es von den Bergen wider.

Die meisten Leute sind nur ein Echo. Alles, was du sagst, wiederholen sie. Sie haben nicht eigenes zu sagen, sie sind wie Echoräume. Wenn du rufst, rufen sie zurück – von ihnen selbst kommt nichts.

Du bist ein Echoraum. Du hast keinen eigenen Klang, kein eigenes Leben, kein eigenes Gefühl. Alle deine Gefühle sind unrein weil sie anderen gehören, sie sind geborgt.

Merke dir also diesen ersten Schlüssel:
Ein Gefühl sollte dein eigenes sein. Es sollte keine Reaktion sein, Es sollte ein Zustand deines Seins sein.“

 

Osho, Zitat-Auszug aus ‚The Path of Meditation‘

 

Über ungerichtete Liebe

 

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