Unzufrieden? Gut. Verstehe, wie Meditation auf dem Marktplatz funktioniert.

Meditation auf dem Marktplatz - was bedeutet das? Zunächst einmal: Unzufriedenheit mit dem jetzigen Zustand. Es braucht eine tiefe Unzufriedenheit, um wirklich Meditation zu verstehen.
Meditation auf dem Marktplatz

Frage an Osho:
Wir leiten ein Seminar, das heißt: ‚Meditation auf dem Marktplatz‘, in dem wir den Leuten zeigen, wie ihr Verstand ihre Wirklichkeit erschafft. Eine der Übungen ist, den Leuten Wege zu zeigen, wie sie sich Ihre Wünsche erfüllen können.

Wenn die Leute wissen, wie sie ihre Wünsche erfüllen können, bringt sie das in einen Zustand von Meditation oder führt es sie davon weiter weg?

„‚Meditation auf dem Marktplatz‘ ist meine ganze Botschaft, aber in dem Sinn, wie du das verstanden hast, ist es nicht richtig.

Zuerst: Meditation ist nichts innerhalb des Verstandes.

Die Welt ist innerhalb des Verstandes. Meditation geht über den Verstand hinaus.

Der Verstand kann Wünsche erfüllen,
doch keine Meditation erschaffen

Der Verstand erschafft die Welt, aber der Verstand kann keine Meditation erschaffen. Der Verstand kann Frustration, Befriedigung, Vergnügen, Sorge, Seelenqual oder eine tierähnliche Zufriedenheit, die Ochsen-Zufriedenheit  erschaffen – doch ein Ochse ist nicht in Meditation.

Du hast recht, wenn du sagst, der Verstand würde die Welt erschaffen – er projiziert sich selbst auf Objekte. Das Objekt kann ein geliebter Mensch sein, ein Freund oder ein Feind. Du kannst für eine Person sterben und du kannst die gleiche Person auch umbringen.

Du kannst Reichtum, Macht, Prestige, Ansehen begehren; du kannst dir sogar Wunschlosigkeit ersehnen. Du kannst ein Weltimperium erschaffen, du kannst Alexander der Große sein… Oder, du kannst der Welt entsagen und ein Einsiedler in den Bergen, im Himalaya sein… Es ist das Spiel deines Verstandes.

Es stimmt, dass deine Welt dein Verstand ist, der auf eine Leinwand projiziert wird. Aber du hilfst den Leuten dabei, mit ihren Begierden zufrieden zu sein. Das wird sie von Meditation wegbringen. Du wirst ihnen kein Freund sein; du vergiftest Leute, wenn du ihnen hilfst, mit ihren Begierden zufrieden zu sein.

Es braucht wirkliche Unzufriedenheit,
um sich Meditation anzunähern

Eine göttliche Unzufriedenheit ist der grundlegende Schritt zu Meditation, nicht Zufriedenheit. Wenn ein Mensch mit seinem Geld, seiner Macht, seinem Ansehen zufrieden ist, warum sollte er meditieren? Du hast ihm Opium gegeben, du hast ihn unter Drogen gesetzt.

Das wurde von den Religionen über die Jahrhunderte hinweg praktiziert: Sie geben den Leuten Opium, sie machen sie zufrieden, sie lehren sie, dass Zufriedenheit auf dem Marktplatz Spiritualität ist. Sie trösteten die Leute, doch Trösten ist keine Religion.

Religion ist Revolution.Und Revolution kommt niemals aus Zufriedenheit; sie kommt aus einer ungeheuren Unzufriedenheit.

(…)

Zufriedenheit kommt als Erfüllung

Bringe Meditation in die Welt – doch Meditation bedeutet nicht Zufriedenheit. Ja, es kommt eine Zufriedenheit, aber das ist nicht der Anfang von Meditation, das ist die höchste Erfüllung von Meditation.

Die erste Zufriedenheit geht gegen die Menschen und die letzte Zufriedenheit ist die Erfüllung deines ganzen Potenzials. Das ist das Reich Gottes, aber das kann nicht von dir geübt werden. Deshalb brauchen wir auch nicht darüber zu reden. Diese Zufriedenheit kommt für sich allein.

Wenn sich deine Meditation vertieft, wenn du stiller wirst, wenn du friedlicher wirst, wenn du dich mehr im Gleichgewicht befindest, zentriert bist, wach und bewusst, beginnt dir Zufriedenheit wie ein Schatten zu folgen. Doch das entsteht nicht durch dein Zutun.

Ich lehre keine Zufriedenheit.

Doch die Leute sind getäuscht und für dumm verkauft worden. Du wirst von den Leuten geliebt, du erhältst Respekt von den Leuten, wenn du in die Welt gehst und ihnen hilfst, mit ihren Begierden zufrieden zu sein, zufrieden mit der Situation in der sie sich finden.

Du wirst ihren Verstand nicht schärfen, du wirst nicht mehr Intelligenz zu ihnen bringen.Du wirst sie abgestumpft machen, mittelmäßig. Dummköpfe sind immer zufrieden.

Du wirst ihnen nicht zu einer Verwandlung ihres Seins helfen, denn dafür ist Unzufriedenheit notwendig. Ein Mensch muss mit der Welt so unzufrieden sein, dass er, gleichgültig was der Preis ist, bereit dazu ist, sich zu verwandeln; so unzufrieden, dass er bereit ist, jedes erdenkliches Risiko einzugehen.

Für Meditation musst du ein Risiko eingehen

Und Meditation ist ein Risiko. Es ist ein Risiko, denn dein Ego muss geopfert werden. Entweder, du kannst existieren, oder, Meditation kann geschehen.

Normalerweise denkst du: ‚Ich werde meditieren.‘  Du verstehst das Phänomen von Meditation nicht. Du kannst nicht meditieren. Du bist das Hindernis, du bist die einzige Störung, Wenn du möchtest, dass Meditation geschieht, musst du verschwinden. Du musst diese Idee fallen lassen, dass du jemand bist.

Du musst zu einem Niemand werden. In dem Moment, in dem du niemand bist, legt sich eine Stille auf dich nieder, der Zufriedenheit folgt. Das ist keine Zufriedenheit mit der Welt; das ist Zufriedenheit mit der Existenz, mit den Sternen, mit den Rosen, mit dem Meer, mit den Steinen, mit den Bergen.

Es ist keine Zufriedenheit darüber, der Bundeskanzler eines Landes zu sein oder der Bundespräsident. Es ist nicht die Art Zufriedenheit, der reichste Mensch der Welt zu sein. Diese Zufriedenheit hat nichts mit deiner sogenannten ehrgeizigen Welt zu tun. Sie ist ein völlig un-ehrgeiziger Zustand. Du bist völlig leer, sogar leer von dir selbst.

Nur in dieser Leere erblüht Zufriedenheit, bringt seine Blüten hervor – und diese Zufriedenheit ist göttlich.

Du kannst keine Zufriedenheit erschaffen

Die Zufriedenheit ist nicht etwas, was du getan hast, sie ist etwas, das du geschehen gelassen hast. Du warst kein Hindernis. Du wurdest zu einem leeren Bambus, einer Flöte und du hast es zugelassen, dass das Lied durch dich hindurch geht. Es ist nicht dein Lied. Es trägt keine Handschrift von dir, es das Lied der Existenz selbst.

Gehe in die Welt, bringe Meditation in die Welt, doch verstehe genau, was sie bedeutet. Es ist keine Meditation um Leuten zu helfen, damit zufrieden zu sein, wie sie sind – dann hast du sie betäubt, du hast ihre Verwandlung angehalten, du hast sie irgendwie damit getröstet, dass „du perfekt so bist, wie du bist“. Es gibt nicht anderes im Leben. Du hast schon mehr bekommen als du verdienst.

(…)

Wenn du Veränderung möchtest, wirst du etwas tun müssen. Du hast dich lange genug auf Gott verlassen und die Situation hat sich von schlecht zu schlechter entwickelt. Es ist an der Zeit, dass du die Situation in deine eigenen Hände nimmst – zumindest für dein Leben solltest du dich verantwortlich fühlen.

Meditation ist keine soziale Revolution, sie ist eine individuelle Revolution. Sie ist ein Appell an die individuelle Seele: Du legst die Verantwortung in deine eigenen Hände. Sei nicht zufrieden, denn es gibt soviel mehr Potenzial in dir. Du bist nur der Samen, und wenn Samen zufrieden werden, dann ist das Selbstmord.

Du musst zu einem Keimling werden, du musst zu einem Baum werden, du musst im Wind tanzen, in der Sonne, im Mond, im Wind. Du musst erblühen, du musst den Duft freilassen, der sich in dir verbirgt.

Und außer, dass sich dein Duft verbreitet, wirst du keine Zufriedenheit finden, keine authentische Zufriedenheit, die von selbst kommt, die nicht von dir erschaffen wurde, denn von dir erschaffen ist sie einfach nur Heuchelei.

Die Lüge von ‚meinem Schicksal‘

Irgendwie überzeugst du dich selbst, dass dies ’mein Schicksal’ ’ ist. Keiner hat irgendein Schicksal. Komische Lügen, die seit Millionen von Jahren wiederholt werden, wurden zur Wahrheit.

Du hast kein Schicksal. Dein Horoskop ist nur die Ausbeutung gerissener Leute, denn die Sterne interessieren sich nicht für dich.

(…)

Mache den Einzelnen unzufriedener, damit er zu fragen beginnt: ’Gibt es einen Weg aus dieser Unzufriedenheit? Gibt es einen Weg aus dieser Seelenqual?

Meditation ist der Weg aus der Unzufriedenheit, aus der Seelenqual.

Du musst einfach zu einem Beobachter werden, einem unvoreingenommenen Zeugen deines Verstandes.

Du sagst: der Verstand erschafft die Welt. Das ist wahr.

Doch Meditation ist nicht Verstand und der Verstand kann keine Meditation erschaffen. Meditation bedeutet, aus dem Verstand zu gehen, ein Beobachter des Verstandes zu werden; das ganze Zeug, das durch den Verstand geht, wahrzunehmen – die Wünsche, Vorstellungen, Gedanken, Träume… all das, was im Verstand stattfindet. Du nimmst einfach alles wahr.

Langsam, langsam, wird dein Wahrnehmen stärker, es wird zentrierter, bodenständig. Und plötzlich verstehst du etwas: dass du mit dem Wahrnehmen eins bist, nicht mit dem Verstand. Dass der Verstand genauso weit außerhalb ist wie alles andere.

Du bist nicht der Körper, nicht der Verstand,
sondern der innerste Kern

Die Welt ist außerhalb von dir, der Verstand ist außerhalb von dir, der Körper ist außerhalb von dir. Du bist der innerste Kern – alles ist außerhalb von dir.

Erfahrung des innersten Zentrums bringt Zufriedenheit mit sich. Du bringst sie nicht. Sie kommt, sie regnet einfach über dich.

Eine Zufriedenheit, die du geübt hast, ist falsch.

Eine Zufriedenheit, die von alleine kommt, ist authentisch.

Gehe in die Welt, lehre den Menschen, wie sie ihren Verstand wahrnehmen können, doch denke daran, ihnen keine Zufriedenheit mit ihren Begierden zu lehren. Wir müssen sie unzufriedener machen bis die wahre Zufriedenheit kommt. Wenn du sie zufrieden machst, dann kommt das Wahre nie. Du bist mit etwas aus Plastik zufrieden. Das wird zum Hindernis.

(…)

Alles, was du weißt, ist im Verstand und Meditation ist eine Erfahrung des Herzens. Lasse also zuerst dein Herz singen und tanzen. Genieße Meditation. Dann gehe in die Welt.“

 

Osho, Zitat – Auszug aus The Osho Upanishad #33

 

Häufige Fragen zu Meditation

 

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